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15.12.2019

Late Night - Die Show ihres Lebens. Kinostart 29. August 2019
Saskia Balser

Die britische Golden Globe- und Oscar-Preisträgerin Emma Thompson brilliert an der Seite von Mindy Kaling, die auch das Drehbuch geschrieben hat, unter der Regie von Nisha Ganatra in dieser Tragikomödie als Katherine Newbury, die einzige Frau, die im US-Fernsehen eine Late-Night-Show hat und nach 30 Jahren im Geschäft abgesetzt werden soll. Mit klugen Dialogen und Pointen, gleichzeitig aber auch typisch Hollywood-like werden Diversität, Privilegien, und Quotenregelung im Medienbetrieb thematisiert. AVIVA verlost 3x2 Kinokarten



Sie wird von Fans geliebt, von Mitarbeiter*innen gefürchtet und erinnert mit ihrer herablassenden Art an die Modemagazin-Chefin Miranda Presley aus "Der Teufel trägt Prada" (fulminant gespielt von Meryl Streep) – Katherine Newbury, die britische Ikone des US-TVs. Aufgrund ihrer Position als einzige weibliche Moderatorin einer Late-Night-Show liegt die Vermutung nahe, sie würde Frauen ermutigen, es ihr gleich zu tun, sie bestärken und bei einer Stellenvergabe vielleicht bevorzugen. Doch weit gefehlt – Newbury gilt als "Frauenhasserin" und ihr Team setzt sich ausschließlich aus weißen, reichen Männern zusammen. Von Feminismus und Diversität keine Spur.

Bereits seit 30 Jahren läuft ihre Show, doch der Erfolg nimmt konstant ab. Mit jedem Jahr, das vergeht, verliert die unnahbare Newbury zunehmend den Kontakt zum jüngeren Publikum – sie weiß nicht, was gerade angesagt ist, kann mit YouTube-Stars nichts anfangen und lädt Gäste in ihre Show ein, für die nur sie selbst sich wirklich interessiert. Um ihr Image aufzupolieren und die Absetzung durch ihre Programmchefin zu verhindern, muss ein neues, weibliches, Teammitglied her, das frischen Wind in die verstaubte Show bringt.

Aus Zeitnot und trotz absolut unzureichender Qualifikation wird die junge, enthusiastische Molly Patel eingestellt, die vorher in einer Chemiefabrik gearbeitet hat. Als großer Katherine Newbury-Fan ist sie überglücklich über die unverhoffte Chance, in ihrem Autorteam zu arbeiten, muss aber schnell feststellen, dass die Arbeit völlig anders ist, als gedacht.
Das Klima in ihrem neuen Büro ist eisig und ihr ausschließlich männliches Kollegium empfängt sie nicht gerade mit offenen Armen. Zur Überraschung aller kommt an Mollys erstem Arbeitstag die gefürchtete Chefin höchstpersönlich bei den Autor*innen vorbei um mit ihnen eine neue Strategie zu erarbeiten, die die Show retten soll. Beim Meeting wird klar, dass Katherine Newbury nicht nur den Kontakt zu ihrem jungen Publikum, sondern auch zu ihren eigenen Mitarbeiter*innen verloren hat – sie kennt keinen der Autor*innen mit Namen und sieht viele an diesem Tag nach jahrelanger gemeinsamer Arbeit zum ersten Mal.

Die vielen Versuche, die das Team startet, um das Absetzen der Show zu vermeiden, scheitern zunächst kläglich. Weder Mollys Kollegen noch ihre Chefin erkennen ihr Talent, ihren Humor, ihren Ehrgeiz an. Newbury benutzt sie lediglich dafür, ihren Ruf zu retten, indem sie sich mit einer weiblichen Mitarbeiterin indischer Herkunft an ihrer Seite zeigt und somit Sinn für Diversität heuchelt. Es dauert, bis die bissige Chefin erkennt, wie wichtig Molly ist – nicht nur für die Show, sondern auch für sie persönlich. Trotz einiger Niederlagen entdeckt Newbury ihren Ehrgeiz sowie ihre Liebe für die Show und das Publikum wieder und verkündet: "This is my show and I´m not going fucking anywhere."

Frauen vor und hinter der Kamera

Inspiriert für das Drehbuch zu "Late Night" wurde Schauspielerin, Autorin und Produzentin Mindy Kaling durch ihren eigenen Erfahrungen als Praktikantin bei "Late Night with Conan O´Brien". Sie setzte sich in dieser Männerdomäne des Late-Night-Showbusiness durch und war sowohl die erste Person of Color als auch die erste Frau im Autorenteam der Sitcom "The Office – Das Büro", entwickelte daraufhin sogar ihre eigene Serie "The Mindy Project" und verfasste zwei Bestseller. Über die Umsetzung ihrer Erfahrungen im Film sagt sie: "Luckily I did not have to experience the type of unwelcoming behavior that Molly did in the movie, but the experience of being the only woman and the only minority was very real for my life. And that feeling of representing everyone that I stand for in one person was very daunting and that was great to put in the movie."
Für die Fernsehbranche wünscht sie sich Veränderungen und kritisiert mit "Late Night" die aktuelle Lage: "Frauen haben gelernt, dass in der Arbeitswelt immer nur für eine Platz ist. In Hollywood gilt das ganz besonders und führt zu massivem Konkurrenzdruck. In der Regel wird nämlich nur eine Frau engagiert. Also glauben alle, dass sie um einen einzigen Job kämpfen müssen, und unterstützen sich nicht gegenseitig." Dass Kaling ihre persönlichen Erlebnisse vor und hinter der Kamera in dem Film "Late Night" verarbeitet, macht ihn authentisch und gibt den Witzen eine besondere Pointe.

"Late Night" greift in gesellschaftspolitisch relevanten wie auch in humorvollen Szenen Themen wie "White Privilege", "Genderquote" und "Political Correctness" auf. Mindy Kaling als Frau mit indischen Wurzeln überzeugt durch ihre Authentizität und ihre Cleverness, besonders zusammen mit – bzw. in Kontrast zu der ausgezeichneten Emma Thompson. Die Dynamik des ungleichen Duos macht den Film, der eine wichtige Thematik teilweise in allzu abgegriffenen, kitschigen Hollywood-Klischees darstellt, absolut sehenswert.

AVIVA-Tipp: Drehbuchautorin Mindy Kaling, Regisseurin Nisha Ganatra und Hauptdarstellerin Emma Thompson ist es mit "Late Night" gelungen, ein Film über den Medienbetrieb aus weiblicher Sicht zu machen, der zwar sehr "mainstream" ist, aber trotzdem auf die Schieflage aufmerksam macht, die in diesem Business herrscht und trotz und wegen der brisanten Themen Spaß macht.

Zur Regisseurin: Nisha Ganatra, 1974 in Vancouver, Kanada, geboren, arbeitet als Regisseurin, Schauspielerin und Drehbuchautorin. Sie hat, ebenso wie Mindy Kaling, indische Wurzeln. Der Durchbruch gelang ihr mit dem Film "Popcorn Chutney" (1999) über ein lesbisches Paar in New York, in dem sie selbst eine der beiden Hauptrollen spielte. Sie ist selbst lesbisch und bringt LGBTQ*-Themen immer wieder in ihre Film- und Fernsehproduktionen mit ein. Ihr neuester Film, "Late Night" feierte am 25. Januar 2019 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Premiere.

Zu den Hauptdarstellerinnen: Emma Thompson zählt zu den vielseitigsten Schauspielerinnen der Welt, ist eine anerkannte Drehbuchautorin und hat als bislang einzige Künstlerin überhaupt Oscars in beiden Kategorien gewonnen. Für "Wiedersehen in Howard´s End" (1992) wurde sie als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Für "Sinn und Sinnlichkeit" (1995) war Thompson als Hauptdarstellerin nominiert und gewann für ihr Drehbuch nach dem Roman von Jane Austen. 2018 wurde sie mit dem Titel "Dame Commander of the Order of the British Empire" geehrt. Emma Thompson ist Präsidentin der britischen Menschenrechtsorganisation Helen Bamber Foundation, unterstützt die Greenpeace-Aktion "Schützt die Arktis" und setzt sich seit Jahren als Botschafterin für die internationale Entwicklungshilfe ActionAid ein. (Quelle: Presseheft Entertainment One)
Mindy Kaling, 1979 in Cambridge geboren, ist Autorin, Komödiantin und Schauspielerin. Der Film "Jungfrau (40), männlich, sucht…." (2005) war ihr Schauspieldebüt, gefolgt von verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen, darunter "Lizenz zum Heiraten" (2007) und "Fast verheiratet" (2012). Bekanntheit erlangte sie vor allem durch ihre Mitwirkung als Drehbuchautorin und Darstellerin der Kelly Kapoor in der Fernsehserie "The Office – Das Büro" (2005) und die Serie "The Mindy Project" (2012), in der sie die Hauptrolle spielt. Seit 2018 gehört sie zu den Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die jährlich die Oscars vergibt.

Late Night – Die Show ihres Lebens
USA, 2019
Regie: Nisha Ganatra
Drehbuch & Produktion: Mindy Kaling
Hauptdarsteller*innen: Emma Thompson, Mindy Kaling, John Lithgow, Reid Scott, Hugh Dancy
Verleih: Entertainment One
FSK: 0
Kinostart: 29. August 2019
Der Trailer ist online unter: facebook.com/eOneGermany und www.youtube.com

AVIVA-Berlin verlost 3x2 Kinokarten sowie 3 Filmplakate. Bitte beschreiben Sie dazu eine prägnante Szene aus dem Trailer und senden uns bis zum 03.09.2019 eine E-mail an: info@aviva-berlin.de


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