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17.10.2019

Feministische Wohngeschichte(n) für die Zukunft: BERLIN, BAUHAUS und DARÜBER HINAUS. Ausstellung & Veranstaltungsreihe in der alpha nova & galerie futura vom 6.9.-18.10.19
AVIVA-Redaktion

Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums untersucht die Reihe, wie asymmetrische Geschlechterverhältnisse sich seit den Anfängen der Moderne in Raum- und Städteplanung kontinuierlich fortsetzen und welche Protagonistinnen aus Architektur und feministischer Bewegung diesen mit eigenen Entwürfen und Praktiken entgegengewirkt haben bzw. wirken.



Die Reihe nimmt das 100. Jubiläum der Gründung des Bauhauses zum Anlass, Bezüge und Divergenzen zum universalistisch und vermeintlich neutralen Werte-Kanon modernen Wohnens sichtbar zu machen, wie er paradigmatisch am Bauhaus propagiert wurde. Dem gegenüber werden frühe Protagonistinnen der Architekturwelt und feministische Diskussionen zu Raum- und Städteplanung vorgestellt, in denen Geschlechterverhältnisse als vielfältige asymmetrische Vorstellungen von Wohnen, Beziehungsverhältnissen und Berufsleben sichtbar werden. Ausgehend von den Pionierinnen der Architektur in den 1920er Jahren über die Auswirkungen der zweiten Frauenbewegung auf Architektur, Wohnen und Aktivismus wird in mehreren Veranstaltungsteilen in 2019 und 2020 der Bogen bis zur Gegenwart von Wohnen und Moderne in einer widerspruchsvoll globalisierten Ökonomie gespannt sowie feministische und inklusive Alternativen dazu diskutiert.

Ausstellung

Moira Zoitl
Küchen Torso – von der Reduzierung der Schritte

Zweiteilige Videoinstallation, 2013
7.9.-18.10.2019 // Mi-Sa // 16:00-19:00 Uhr
Eröffnung: 6.9.2019 // 19:00 Uhr

Im Zentrum der zweiteiligen Videoarbeit steht die 1926 von der österreichischen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entwickelte Frankfurter Küche, die als Vorbild für die moderne Einbauküche gilt. Küchen Torso bezieht sich auf die systematischen Untersuchungen zur Rationalisierung der Hausarbeit Anfang des 20. Jahrhunderts, die sich an tayloristischen Arbeitsmethoden orientierten. Die Studie: Küchen Torso referiert formal auf den Torso vom Belvedere [1], dem gerade im Fehlen der äußeren Gliedmaßen eine Verdichtung des Ausdrucks zugesprochen wird. Die Schauspielerin nimmt auf einem Hocker die Körperhaltung des Torsos ein, wobei das Spiel der Rückenmuskeln die verschiedenen Aktivitäten in der Küche anzeigt. Es zeigt sich ein abstraktes Bild des Tätigkeitskanons in der Küche.
Dank an: Stiftung Haus Schminke, Löbau
[1]Werk von Apollonios von Athen, 1. Jahrhundert. v. Chr., das sich in den Vatikanischen Museen in Rom befindet.
www.moirazoitl.com/de

Präsentation von Teilen der Ausstellung VOM ERSTEN WIENER KÜCHENPATENT ZUR FRANKFURTER KÜCHE – zum Leben und Wirken der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (erstmals gezeigt im Margarete Schütte-Lihotzky Raum, Wien, 21.1. – 24.6.2016 © Inhalt: Christine Zwingl, Margarete Schütte-Lihotzky Club)
www.schuette-lihotzky.at


Veranstaltungen

20.9.2019, 19:00 Uhr
Widersprüchliche Räume – Wohnung und Haushalt überdenken: Eine Aktualisierung

Vorträge "Reproduktionsort und Ware: Die Wohnung als Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Widersprüche" von Eva Kuschinski und "Grundrisse der Reproduktion. Die Haushaltsfrage" von Elke Krasny (PhD)

Die Wohnung wie wir sie heute kennen ist ein widersprüchlicher Ort. Sie ist der Ort der Reproduktion und zugleich eine Ware. Eva Kuschinski diskutiert aus feministisch-materialistischer Perspektive die Einbettung der Wohnung in diese widersprüchlichen gesellschaftlichen Verhältnisse.
Wer entsorgt den Müll nach acht Stunden in der Fabrik? Elke Krasny verfolgt Grundrisse der Reproduktion und verbindet die Haushaltsfrage mit Beispielen aus der Geschichte der Architekturmoderne und Forderungen feministischer Emanzipation.


21.9.2019, 16:00 Uhr
Margarete Schütte-Lihotzky und die Frankfurter Küche

Vortrag "Margarete Schütte-Lihotzky und die Zukunft des Wohnens" von Christine Zwingl und Gespräch mit Christine Zwingl und Moira Zoitl
Leben und Werk der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) sind mit der internationalen Entwicklung des sozialen Bauens, sowie der Frauengeschichte eng verbunden. Von der Siedlerbewegung im Roten Wien führen sie ihre Aufgaben zum Neuen Frankfurt, den Industriestädten der Sowjetunion, zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus und zurück nach Wien. Mit über 90 Jahren resümiert sie mit einer Utopie für künftiges Wohnen.
Bezugnehmend auf die Ausstellung in der alpha nova & galerie stellt Christine Zwingl das Werk von Schütte-Lihotzky vor und spricht gemeinsam mit der Künstlerin Moira Zoitl über ihre Arbeit Küchen Torso, in deren Mittelpunkt das Konzept der Frankfurter Küche steht.


26.9.2019, 19:00 Uhr
Frauenaufbruch und Wohnungsnot

Vortrag von Prof. Dr. Ulla Terlinden
Sozial engagierte Frauen in der frühen Frauenbewegung kämpften Ende des 19. und zu Beginn des 20.Jh. für bessere Wohnverhältnisse in den Arbeiter*innenquartieren der Großstädte. Mit einer "weiblichen Wohnungspflege" unterstützten sie die Arbeiterinnen in Haushaltung und Kinderversorgung. Damit eröffneten sie für sich einen neuen Berufszweig. Für alleinstehende, berufstätige Frauen fehlten jedoch entsprechende Wohnungen. Frauenwohngenossenschaften u.a. Wohnformen wurden entwickelt.


17.10.2019, 19:00 Uhr
Frauenwohnprojekte in Deutschland – eine kurze Geschichte emanzipatorischen Wohnens von Frauen

Vortrag von Prof´in i.R. Dr. Ruth Becker

Die (vor-)herrschenden Wohnverhältnisse sind immer auch Ausdruck gesellschaftlicher Normierungen – nicht zuletzt in Bezug auf das Geschlechterverhältnis. Dagegen haben sich Frauen immer wieder gewehrt – angefangen von den mittelalterlichen Beginen bis zu den heutigen gemeinschaftlichen Wohnprojekten für Frauen, auf die sich Ruth Becker in ihrem Vortrag konzentriert.

Die Reihe "Feministische Wohngeschichte(n) für die Zukunft: BERLIN, BAUHAUS und DARÜBER HINAUS" wurde von Felicita Reuschling initiiert, konzipiert und in kuratorischer Zusammenarbeit mit Katharina Koch (alpha nova & galerie futura) entwickelt.
Sie wird in Kooperation mit Anna Heilgemeir und Dagmar Pelger (Chair for Urban Design and Urbanisation CUD am Institut für Architektur der Technischen Universität Berlin) voraussichtlich im Frühjahr 2020 fortgesetzt.

Veranstaltungsort:
alpha nova & galerie futura
Am Flutgraben 3, 12435 Berlin
U1 Schlesisches Tor, S Treptower Park, Bus 265 Heckmannufer
Fon:030 37005547
mail@alpha-nova-kulturwerkstatt.de

Weitere Infos zur Ausstellung & Veranstaltungsreihe in der alpha nova & galerie futura vom 6.9.-18.10.19unter:

www.galeriefutura.de und www.facebook.com/alphanovagaleriefutura


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Die Vereinigung von Kunst und Handwerk am Bauhaus gilt bis heute als modern und revolutionär. Dass am Erfolg der Hochschule auch Frauen beteiligt waren, wird leider zu oft übersehen und nicht ausreichend gewürdigt. Auch die Vertreibung und Ermordung jüdischer Künstlerinnen in der NS-Zeit gerät bei Rückblicken anlässlich des Jubiläums häufig in den Hintergrund. AVIVA-Berlin macht in dieser Übersicht deren Wirken sichtbar.

Lotte Cohn. Eine schreibende Architektin in Israel. Bd. 1: Ausgewählte Schriften (1934–1982) und Bd. 2: Ausgewählte Briefe (1921–1982). Herausgegeben von Dr. Ines SonderEin Tagebuch hat die deutsch-israelische Architektin und Stadtplanerin Lotte Cohn nicht geführt, dafür aber unzählige Briefe, Nachrufe, Schriften, Pläne und Skizzen hinterlassen. Besonders an ihren Gebäuden in Tel Aviv wird ihre Verbindung zum sachlichen Bauhausstil sichtbar. Aus dem Konvolut hat die Kunsthistorikerin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität in Potsdam mit dem Forschungsschwerpunkt Architektur- und Kulturgeschichte Israels, Dr. Ines Sonder, diese sorgfältig editiert, deren Werk kuratiert, und damit in Ausstellungen und Publikationen zugänglich gemacht. Erschienen im Neofelis Verlag in der Reihe Jüdische Kulturgeschichte in der Moderne. (2018)


Theresia Enzensberger: Blaupause
In ihrem Debütroman zeigt die Journalistin und Autorin Theresia Enzensberger anhand der fiktiven Figur Luise Schilling, dass am Bauhaus Gleichberechtigung und Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen nur auf dem Papier bestanden. Auch die progressiven Bauhauslehrer waren in ihrem Rollenverständnis alles andere als modern. Frauen sollten deren Meinung nach Weben und nicht Architektur studieren. (2017)

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Bildcredit für das Foto: Moira Zoitl, "Küchen Torso – von der Reduzierung der Schritte", Zweikanalvideo Installationsansicht "Domestic Utopias", nGbK – neue Gesellschaft für bildende Kunst Berlin, 2013. Foto: Ralf Hoedt