Die Preistr├Ągerinnen der Stiftung Zur├╝ckgeben 2009 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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23.05.2018

Die Preistr├Ągerinnen der Stiftung Zur├╝ckgeben 2009
Claire Horst

Wie jedes Jahr wurden auch 2009 Projektzusch├╝sse in H├Âhe von 20.000 Euro an K├╝nstlerinnen und Wissenschaftlerinnen j├╝discher Religionszugeh├Ârigkeit und/oder j├╝discher Herkunft, die in Deutschland...



...leben, vergeben. Die Auswahl traf eine Jury, der j├╝dische Frauen aus Kultur und Wissenschaft angeh├Âren.

Ein Neubeginn j├╝dischen Lebens in Deutschland

Nach der Schoa galt Deutschland vielen Juden und J├╝dinnen als "gebranntes Land", in dem man auf gepackten Koffern sa├č, weil eine j├╝dische Zukunft hier nicht vorstellbar war. Entgegen dieser Haltung war in den 1990er-Jahren eine zunehmend selbstbewusste Generation j├╝discher Nachkommen herangewachsen, die nicht mehr an Ausreise dachte. J├╝disches Leben begann zunehmend ├Âffentlich zu florieren; Bem├╝hungen um ein Ankn├╝pfen an die fast zerst├Ârte j├╝dische Kultur wurden sichtbar. Inzwischen hat sich eine Vielfalt j├╝dischen Lebens in Deutschland entwickelt. Diese Entwicklung will die Stiftung ZUR├ťCKGEBEN f├Ârdern und unterst├╝tzen.

Die Gr├╝ndungsgeschichte der Stiftung

Die Stiftung wurde im Jahr 1994 in Berlin von einer Initiativgruppe j├╝discher und nichtj├╝discher Frauen, u. a. von Birgit Rommelspacher und Hilde Schramm, ins Leben gerufen. Sie handelten aus der Erkenntnis heraus, dass alle in der NS-Zeit zur "Volksgemeinschaft" z├Ąhlenden Deutschen Vorteile aus der Entrechtung, Auspl├╝nderung und Beraubung der Juden und J├╝dinnen gezogen haben. Viele profitierten pers├Ânlich von der "Arisierung" j├╝dischen Besitzes oder zogen Vorteile aus den Berufsverboten und gaben die im NS-Staat verbreiteten und weniger offensichtlichen Vorteilsnahmen an die Nachgeborenen weiter.
Anliegen der Stiftung ZUR├ťCKGEBEN war und ist es, die ErbInnen dieser historischen Ereignisse aufzufordern, durch Spenden und Zustiftungen einen Beitrag zur F├Ârderung j├╝dischen Lebens in Deutschland zu leisten.

Der Name der Stiftung

= zur├╝ckkehren, nach Hause kommen
Das hebr├Ąische Wort Shiva bedeutet sowohl "zur├╝ckgeben" als auch "Heimkehr". Vor dem Hintergrund der Entrechtung und Enteignung europ├Ąischer j├╝discher B├╝rgerInnen durch den Nationalsozialismus hat die Stiftung Zur├╝ckgeben es mit ihrem - in Deutschland einzigartigen - Konzept nicht nur geschafft, j├╝dischen Wissenschaftlerinnen und K├╝nstlerinnen einen Teil der geraubten Lebenschancen und Entfaltungsm├Âglichkeiten zur├╝ckzugeben. In diesem Zusammenhang fand gleichzeitig auch eine Heimkehr j├╝dischen Wissens und j├╝discher Kunst ÔÇô geschaffen von Frauen ÔÇô nach Deutschland statt.

Die Preistr├Ągerinnen 2009

Sharon Adler. Das Online Magazin f├╝r Frauen "AVIVA-Berlin"
soll erweitert werden. Die neue Serie berichtet ├╝ber j├╝dische K├╝nstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, ihren Werdegang und ihre k├╝nstlerischen / wissenschaftlichen Arbeiten.

Elena Klyuchaeva. Im Gedenken an die Pogromnacht f├╝hrt das Theater "Schule des Salomon Playr" das St├╝ck: "Bl├╝tenlese in der Ferne ÔÇô Selma Meerbaum-Eisingers Leben und Tod" auf. Es ist das einzige j├╝dische Theater in Sachsen.

Malin Gabriele Kundi. Das Projekt "Transformation" ist ein Foto-Ausstellungsprojekt, das auf k├╝nstlerische Weise sichtbar macht, dass alles ver├Ąnderbar ist: Es ist gleichzeitig m├Âglich, alt und jung oder m├Ąnnlich und weiblich zu f├╝hlen und zu sein.

Dr. Ruth Kupermann, Anat Manor, Tanya Ury. In Kunstobjekten, Photomontagen und Videoinstallationen sollen in einer Kunstaktion und sp├Ąter in einer Ausstellung j├╝dischen Frauen Spielr├Ąume er├Âffnet werden, um ihre Migrationserfahrungen k├╝nstlerisch zu verarbeiten.

Ola Lewin. Eine Video- / Audioinstallation zum Thema "Schabbat" soll die Verbindung zwischen vergangenem j├╝dischen Geistesleben und dem aktuell stattfindenden j├╝dischen Leben darstellen. Das Projekt ist Teil einer Ausstellung zur Geschichte des Landjudentums im nieders├Ąchsischen Ort Bremerv├Ârde.

Yael Reuveny. Der Film: "Es war einmal" ist eine pers├Ânliche Reise an die Orte der Familienvergangenheit. Es ist der Versuch, die Vergangenheit in ihrer ganzen Komplexit├Ąt in das gegenw├Ąrtige Leben zu integrieren.

Kim Seligsohn. In dem Lied: "Hymne an das Leben" werden die Namen ermordeter Juden gesungen. So soll dem "Unfassbaren" ein Klang gegeben werden. Die Konzerte sollen in Mahn- und Gedenkst├Ątten, Museen, Kirchen und Synagogen stattfinden.

Weitere Informationen zur Stiftung unter: ZUR├ťCKGEBEN - Stiftung zur F├Ârderung J├╝discher Frauen in Kunst und Wissenschaft
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Stra├če 4
10405 Berlin
Telefon: 0 30 - 42 02 26 45
Internet: www.stiftung-zurueckgeben.de