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19.06.2018

Zwangsarbeit 1939-1945. Erinnerungen und Geschichte - ZeitzeugInnen-Interviews f├╝r den Schulunterricht
AVIVA-Redaktion

Die Integration des Themas NS-Zwangsarbeit ist ein Ziel der Kooperation der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" mit der Freien Universit├Ąt Berlin und dem Deutschen Historischen Museum.



ZeitzeugInnen-Interviews f├╝r den Unterricht - Die Erinnerung wach halten und Geschichte vermitteln

Hierf├╝r stellte das interdisziplin├Ąre Projektteam am 15. Juni 2010 neue multimediale Unterrichtsmaterialien mit ZeitzeugInnen-Interviews speziell f├╝r die Nutzung in Schulen vor. Diese Arbeit basiert auf einer Sammlung von fast 600 Audio- und Video-Interviews mit ehemaligen ZwangsarbeiterInnen, die in einem digitalen Interview-Archiv zusammengefasst wurden.
Bei der Vorstellung in der Sophie-Scholl-Oberschule wurden nun die neuen Bildungsmaterialien und eine erweiterte Version des Online-Archivs pr├Ąsentiert. ZeitzeugInnen, Sch├╝lerInnen und LehrerInnen sprachen ├╝ber Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Deutschland und dar├╝ber, wie heute daran erinnert werden kann.

"Lange haben die Opfer geschwiegen, lange Zeit wollte die Gesellschaft ihre Erinnerungen nicht zur Kenntnis nehmen", sagte G├╝nter Saathoff, Vorstand der Stiftung EVZ bei der Pressekonferenz. "Die Erinnerung an die Zwangsarbeit w├Ąhrend des Nationalsozialismus in Deutschland wach und lebendig zu halten, ist von besonderer Wichtigkeit in unserer Zeit. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, es zu erm├Âglichen, dass Zeitzeugen auch k├╝nftig in Klassenzimmern ├╝ber ihr Leid und ihre Erfahrungen berichten k├Ânnen."

Mit der F├Ârderung des Interview-Projekts "Dokumentation lebensgeschichtlicher Interviews mit ehemaligen Sklaven- und Zwangsarbeitern" in den Jahren 2005ÔÇô2006 hat die Stiftung hierf├╝r den Grundstein gelegt. Dabei entstanden fast 600 Interviews mit ZeitzeugInnen aus 27 L├Ąndern. HistorikerInnen, InformatikerInnen und MedienexpertInnen der Freien Universit├Ąt entwickelten ein digitales Archiv und stellten damit im Januar 2009 die Interviews erstmals online. Seitdem arbeitet das Projektteam an der wissenschaftlichen Erschlie├čung des Materials und erweitert das Archiv technisch und inhaltlich. Die neue Version des Archivs ist nun mit einer verfeinerten Suchfunktion sowie Transkripten und ├ťbersetzungen ins Deutsche verf├╝gbar.

Das neue Unterrichtsmaterial umfasst eine Video-DVD mit f├╝nf exemplarischen Zeitzeugen-Interviews und Filmen ├╝ber die Sammlung und den historischen Hintergrund, eine multimediale Lernsoftware und ein Begleitheft f├╝r LehrerInnen. Mit der Lernsoftware k├Ânnen sich Sch├╝lerInnen, angeleitet durch LehrerInnen oder im Selbststudium am eigenen Computer, mit dem Thema Zwangsarbeit besch├Ąftigen. "Multimediale Zeitzeugen-Archive haben in Forschung und Lehre sowie im Bereich technischer Entwicklung einen hohen Stellenwert an der Freien Universit├Ąt. Die Potenziale der m├╝ndlichen ├ťberlieferung von Geschichte f├╝r eine Vielzahl von Disziplinen und Nutzungsszenarien sind bedeutsam", erkl├Ąrte Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos, Leiter des Centers f├╝r Digitale Systeme (CeDiS), an dem das Archiv und die Bildungsmaterialien erarbeitet wurden. "Es ist uns ein gro├čes Anliegen, digitale Technologien gerade auch f├╝r die historisch-politische Bildung in Schulen und anderen au├čeruniversit├Ąren Einrichtungen zu entwickeln, einen breiten Zugang zu den Quellen zu erm├Âglichen und diese mit didaktischen und gut durchdachten Materialien bereitzustellen."

Bodo F├Ârster, Geschichtslehrer an der Sophie-Scholl-Schule, erkl├Ąrte, an Schulen bestehe ein gro├čer Bedarf an multimedialem Lehr- und Lernmaterial zum Thema NS-Zwangsarbeit, das den Anforderungen an Schulen Rechnung trage. "An unserer Schule spielt das Thema Zwangsarbeit sicherlich eine gr├Â├čere Rolle als an vielen anderen Schulen, weil unser Geb├Ąude von 1943 bis 1945 als Zwangsarbeitslager genutzt wurde f├╝r Familien, deren als `arbeitsf├Ąhig` eingestufte Angeh├Ârige den Hochbunker in der Pallasstra├če bauen mussten", sagte F├Ârster. "Das Material aus dem Projekt `Zwangsarbeit 1939ÔÇô1945` allerdings erg├Ąnzt unsere Bem├╝hungen der Vermittlung und f├╝gt eine multimediale sowie pers├Ânliche Komponente hinzu. Damit k├Ânnen wir bei Sch├╝lern sehr viel leichter Interesse wecken als mit einem herk├Âmmlichen Geschichtsbuch."

Miriam Mogge hat in ihrem letzten Schuljahr vor dem Abitur an der Sophie-Scholl-Schule bei der Entwicklung der Lernsoftware mitgewirkt und diese getestet. Sie lernte auch die Zeitzeugin Jutta Pelz-Bergt kennen, die f├╝r das Archiv interviewt wurde. "Die Begegnung mit Menschen, die w├Ąhrend der NS-Zeit in Deutschland ausgebeutet und gequ├Ąlt wurden, ist sicherlich die eindrucksvollste Art und Weise, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. F├╝r alle uns folgenden Generationen, die irgendwann keine M├Âglichkeit mehr haben werden, Zeitzeugen zu treffen, sind die Filme und das Archiv daher eine sehr wichtige Quelle", sagte die 19-J├Ąhrige.

Verf├╝gbarkeit, Zugang und weitere Informationen:

Eine Kooperation mit der Bundeszentrale f├╝r politische Bildung ist in Planung. Demnach sollen die Bildungsmaterialien aus dem Projekt "Zwangsarbeit 1939ÔÇô1945" (Video-DVD, Lernsoftware und Lehrerheft) im Programm der Bundeszentrale f├╝r politische Bildung zu erhalten sein.

Interview-Ausschnitte aus dem Online-Archiv sind auch in einer multimedialen PC-Station in der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums zu sehen.

Zugang zum Archiv und weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter:
www.zwangsarbeit-archiv.de

Kontakt:
Katja Egli (Kommunikationsmanagement)
Freie Universit├Ąt Berlin
Center f├╝r Digitale Systeme (CeDiS)
Kompetenzzentrum E-Learning / Multimedia
Ihnestra├če 24
14195 Berlin
kegli@cedis.fu-berlin.de
www.cedis.fu-berlin.de

Weitere Informationen zur Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" finden Sie unter: www.stiftung-evz.de

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