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23.06.2018

Maryam Zaree im Interview
Evelyn Gaida

In "Shahada" st├╝rzt sie in eine schwere Krise: Die 27-j├Ąhrige Schauspielerin stellt die Sch├╝lerin Maryam dar, Tochter eines weltoffenen Berliner Imam, die ungewollt schwanger wird, das Kind ...



... illegal abtreibt und sich in ihrer Verzweiflung einem radikalen Glaubensverst├Ąndnis zuwendet. "Shahada" setzt sich auf sehr humane, statt politische Weise mit den Glaubens- und Identit├Ątskonflikten von drei jungen Menschen aus Berlin mit muslimischem Hintergrund auseinander. Der Diplomfilm des afghanischst├Ąmmigen Regisseurs Burhan Qurbani fand sich prompt im Wettbewerb der diesj├Ąhrigen Berlinale wieder.

Weder das vergessene Handy der AVIVA-Redakteurin (nutzlos lag es daheim auf dem B├╝gelbrett herum) noch Maryam Zarees Synchronisationsstress f├╝r ihren n├Ąchsten Film konnten das Interview vereiteln. Ersch├Âpft, aber hellwach und engagiert, sprach Zaree ├╝ber Empathief├Ąhigkeit, den existenziellen Konflikt und Hilfeschrei ihrer Figur, Misskommunikation, vielbeschworene "Allgemeinmigranten" und ihre Leidenschaft f├╝r ihre Arbeit.


AVIVA-Berlin: Was war dein Eindruck als du das "Shahada"-Drehbuch bekommen hast? Was hat dir besonders daran gefallen?
Maryam Zaree: Ich habe das Drehbuch gelesen und war begeistert, ich habe die Rolle gesehen und gedacht, "ich muss das spielen." Es dreht sich ja um einen Konflikt, in dem man wirklich etwas zu spielen, einen Bogen darzustellen hat, etwas erz├Ąhlt, das differenziert ist. Es geht um Situationen, die existenziell sind. Das ist f├╝r einen Schauspieler besonders herausfordernd und war eben kein Klischee. Was mich am meisten begeistert hat, war die Geschichte zwischen diesem alleinerziehenden Vater und seiner Tochter, wie sie zusammenleben, aber ihre Welten so auseinanderklaffen, dass sie nicht mehr zueinanderfinden.

AVIVA-Berlin: Hast du dich in einer besonderen Weise darauf vorbereitet, dich in eine so extreme Situation hineinzufinden?
Maryam Zaree: Wenn man nicht viel Zeit zum Proben hat, dann muss man selbst unheimlich viel arbeiten im Vorfeld. Eine Sache ist Recherche. Sich mit der Religion auseinanderzusetzen und zu sehen, was es mir gibt, wirklich in den Koran hineinzuschauen. Gleichzeitig auch Hintergrundrecherche zu dem medizinischen Aspekt: Was ist diese Abtreibungspille, wie wird sie genutzt? Was sind die k├Ârperlichen Reaktionen darauf und was ist, wenn das schiefl├Ąuft? Wie f├╝hlt sich das an? Dar├╝ber habe ich l├Ąnger mit einem Arzt gesprochen. Dann ging es aber auch darum, mich wirklich mit dem Menschen auseinanderzusetzen, um den es geht. Was liegt dem, was geschieht, eigentlich zu Grunde?

AVIVA-Berlin: Hast du im Lauf deiner Recherche auch jemanden getroffen, dem etwas Ähnliches wirklich passiert ist?
Maryam Zaree: Nein, aber nat├╝rlich gibt es da bestimmte Sachen, die einem helfen: eine bestimmte Musik zu h├Âren, durch Kreuzberg zu laufen und zu versuchen, das Umfeld der Figur noch intensiver kennen zu lernen. Was aber die Hauptauseinandersetzung war: herauszufinden, was diese Figur antreibt und in diese Radikalit├Ąt treibt. Da gab es diesen totalen Aha-Moment f├╝r mich: Es geht eigentlich darum, dass sie in dieser Krise keine Hilfe bekommt. St├╝ck f├╝r St├╝ck isoliert sie sich von ihrem Umfeld und sucht Halt in diesem Glauben, weil ein Halt ihr fehlt, sucht nach einem Regelwerk ÔÇô obwohl sie sich eigentlich jemanden gew├╝nscht hat, der sagt: "Ich bin da, ich kann dir Rat geben, ich kann dir Hilfe leisten." Zuletzt war ihr Hauptanliegen, glaube ich, einfach diese Aufmerksamkeit des Vaters zu erlangen. Es ist wie ein auffallender Hilfeschrei und am Ende schreit sie ja wirklich die Moschee zusammen, das Terrain des Vaters, und sagt im Grunde: "Du hast mich vergessen, du hast mich nicht gesehen."

Maryam Zaree ┬ę Evelyn Gaida


AVIVA-Berlin: Maryams Vater ist ein besonders toleranter und einf├╝hlsamer Imam, aber die Kommunikation mit seiner eigenen Tochter funktioniert nicht. Woran, glaubst du, liegt das?
Maryam Zaree: Zuerst liegt es nat├╝rlich daran, dass sie sich nicht artikuliert. Sie traut sich nicht, sie sch├Ąmt sich und geht ja nicht in den wirklichen Dialog. Andererseits ÔÇô ich selbst bin das Kind von zwei Therapeuten und es ist so, dass sie ganz vielen Leuten viel Beistand leisten, aber auch ihre allt├Ąglichen Probleme und menschlichen Beziehungen haben, in denen sie auch scheitern. Ich glaube, das ist ganz normal. Da ist diese junge Frau, der die Mutterfigur fehlt, und ich glaube, da existiert einfach sehr viel Scham, die ├╝ber den Kulturkreis hinausgeht. Dann ist da auf der anderen Seite dieser Mann, der pl├Âtzlich seine heranwachsende Tochter als Frau entdeckt. Da spielen ├ängste eine Rolle, Ber├╝hrungs├Ąngste, und die Frage, "wie begegne ich ihr und wie kann ich ihr ├╝berhaupt helfen?" Es ist leichter, sich in der Moschee auf seine Funktion zur├╝ckzuziehen und zu fragen, "wie reagiere ich als Imam, als Freund?" Am Ende erkennt er ja auch, "wie verhalte ich mich als Vater und in welchen Momenten scheitere ich?" Er wei├č selber nicht weiter. Es ist also eine Misskommunikation, nicht aufgrund mangelnder Liebe, aber es gibt einfach Momente, wo man an die Eltern nicht herankommt und umgekehrt.

AVIVA-Berlin: Gab es eine Szene, die dir selbst sehr viel bedeutet hat, oder umgekehrt, sehr schwer f├╝r dich zu spielen war?
Maryam Zaree: Ich muss sagen, nachdem ich den Film gesehen habe, gibt es eine Szene, die ich sehr mag und die mir auch etwas bedeutet. Das ist ein ganz kurzer und kleiner Moment: Wenn ich im Film nach der Abtreibung nach Hause komme, und er schon wach ist und sein erstes Morgengebet macht. Ich gehe zu dieser T├╝r und ich will, will mit ihm reden und ihm sagen: "Bitte, bitte hilf mir, mir geht┬┤s beschissen, ich habe einen gro├čen Fehler begangen, wie konnte ich das auf diese Art und Weise nur machen?" Er kann es nicht, weil er glaubt, sie war wieder nur feiern ÔÇô diese Vorurteile, die man auch voreinander hat. Sie sagt: "Papa..." und er sagt: "Mach die T├╝r hinter dir zu." Und sonst nichts. Das baut sich im Film immer mehr auf und ist sehr subtil erz├Ąhlt.

AVIVA-Berlin: Am Ende sagt sie: "Als meine Mutter gestorben ist, hat er mich alles machen lassen. Das alles ist seine Schuld" und verurteilt die Freiheit, die er ihr gegeben hat. Gibt es etwas, das du der Maryam im Film darauf erwidern w├╝rdest?
Maryam Zaree: Diese Form der Radikalit├Ąt ist ja auch ein psychotischer Zustand, d.h. sie kann nicht mehr wirklich einsch├Ątzen, wie ihr Leben vorher war. Es gibt nur Schwarz und Wei├č. Es ist diese Hilflosigkeit, zu sagen, man braucht gewisse Regeln, und mein Vater hat sie mir nicht gegeben. An dieser Stelle spricht sie wirklich ihr Gef├╝hl aus. Sonst sagt sie immer: "Du bist kein richtiger Imam, Gott vergibt uns nicht" und argumentiert auf einer Religionsebene, die sie selbst gar nicht wirklich versteht. Aber an diesem Punkt sagt sie zum ersten Mal: "Nein, es ist mein Vater. Ich wurde konkret von jemandem allein gelassen. Und das war er. Er war keine Unterst├╝tzung und er hat mich machen lassen, was ich will." Das ist wirklich paradox, denn sie hat sich die Freiheiten ja auch erk├Ąmpft.

AVIVA-Berlin: Das fand ich sehr heftig an diesem Film, dass sie die Freiheiten verdammt, die sie sich erk├Ąmpft hat.
Maryam Zaree: Das glaube ich eben nicht. Die wirkliche Auseinandersetzung und die wirkliche Trauerarbeit f├Ąngt an, als sie an der Br├╝cke steht. Das ist ja eine Form von rauschhaftem Zustand, auch diese Wut, es ist ganz existenziell. Dieser Erkenntnismoment, wo sie sagen muss: "Nat├╝rlich kann ich nicht meine besten Freundinnen, mit denen ich aufgewachsen bin, komplett verurteilen. Das sind Menschen, die Teil meines Lebens waren und sind, genauso wie mein Vater." Alle diese Dinge, die sie getan hat, schiebt sie ihrem Vater in die Schuhe, aber ich glaube, was eigentlich darunterliegt, ist die Frage: "Wo warst du die ganzen Jahre? Dass meine Mutter gestorben ist, hei├čt nicht, dass ich auch gestorben bin."

AVIVA-Berlin: Deine Eltern kommen aus dem Iran. Hast du selbst jemals einen Konflikt empfunden zwischen zwei Kulturen oder Lebensweisen? Hat der Islam in deinem eigenen Leben eine Rolle gespielt?
Maryam Zaree: Nein, meine Eltern sind strenge Atheisten. Der Zugang zum Glauben war eigentlich bei uns kein Thema. Mein Stiefvater, mit dem ich aufgewachsen bin, ist Jude, und wir haben Chanukkah und Weihnachten gefeiert, was wir nicht gefeiert haben, sind muslimische Feiertage, weil meine Eltern einfach keine Muslime sind.
Das waren auch einige neue Herausforderungen, sich f├╝r die Rolle mit dem muslimischen Glauben zu besch├Ąftigen. Ich denke, es ging mir so, wie vielen Leuten in Deutschland, die eigentlich nicht wirklich wissen, was es mit diesem Glauben auf sich hat.

AVIVA-Berlin: Die Kultur an sich war f├╝r dich auch kein Widerspruch in irgendeinem Sinne?
Maryam Zaree: Meine Eltern sind sehr westlich integriert und Teil dieser Gesellschaft. Meine Mutter war sehr jung, als sie nach Deutschland gekommen ist, und ist mehr oder weniger auch hier gro├čgeworden, aber nat├╝rlich gibt es einen anderen Kulturbezug. Sie kommt aus dem Iran und hat dort den ersten Teil ihres Lebens verbracht, aber ich empfinde das als eine Bereicherung. Man erh├Ąlt einen Einblick in eine andere Mentalit├Ąt und eine andere Kulturperspektive auf die Welt, so wie es mit der j├╝dischen ja auch ist. Ich glaube, dass ich da sehr viele verschiedene Einfl├╝sse hatte und mich nicht wirklich in einem Zwiespalt gefunden habe. Eher umgekehrt: Ich habe immer das Gef├╝hl, ich bin mit einer viel gr├Â├čeren Selbstverst├Ąndlichkeit aufgewachsen, dass ich anders aussehe und mich trotzdem als Deutsche f├╝hle, weil ich auch noch nie im Iran war. Ich hatte eher das Gef├╝hl, mich f├╝r etwas erkl├Ąren zu m├╝ssen, mit dem ich mich viel weniger verbinden kann. Da gab es immer die Frage: "Wo kommst du denn eigentlich her?" Und ich sagte immer: "Ich komme eigentlich doch wirklich aus Frankfurt". Dann hie├č es: "Ja, aber eigentlich..." und ich dachte: "Was soll ich denn jetzt erfinden? Es ist doch einfach so." (lacht)

Maryam Zaree ┬ę Evelyn Gaida


AVIVA-Berlin: In einem Interview auf stern.de hast du in Bezug auf die Thesen von Thilo Sarrazin gesagt: "Ich k├Ąmpfe seit Jahren daf├╝r zu sagen: ┬┤Ich bin Deutsche, ich bin Teil dieser Gesellschaft und als solche will ich auch wahrgenommen werden.┬┤ Trotzdem werde ich in so einer Diskussion zur├╝ckgeworfen auf: ┬┤Nein, du bist Migrantin.┬┤" Du sagtest eben schon, dass du dich oft erkl├Ąren musst. Wogegen k├Ąmpfst du sonst an?
Maryam Zaree: Gegen eine Pauschalisierung und gegen Vorurteile, wo es hei├čt: "Deine Eltern kommen aus dem und dem Kulturkreis, also bist du so und so." Das ist ein Vorurteil, das auf keinem Fundament basiert, wie z.B. "was sind meine Werte, meine Moral, woran glaube ich?" Das finde ich schade. Im besten Fall sollte man sagen: "Es geht hier nicht nur um den Islam, sondern es geht um Menschen. Menschen, die hier mit ihren Konflikten zu k├Ąmpfen haben. Manchmal haben sie mit der Religion zu tun, manchmal auch nicht. Das ist keine Frage von Schuld, es ist die Frage, wie man sein Leben bew├Ąltigt, wie man herausfindet, wer man ist." Ich glaube, diese Pauschalisierung "Das sind die Migranten, die wollen sich hier nicht integrieren" ist sehr vereinfacht. Auf der anderen Seite, klar, es ist eine Realit├Ąt, dass es Konflikte gibt, und dass man dar├╝ber sprechen muss, dass man wirklich gemeinsam L├Âsungen suchen soll, aber eben auf einer respektvollen Ebene, und die vermisse ich manchmal.

AVIVA-Berlin: Hat dir "Shahada" aus dem Herzen gesprochen? Siehst du den Film als Beitrag zu einem ver├Ąnderten Bewusstsein?
Maryam Zaree: Wenn ich nicht an die Ver├Ąnderungskraft von Kunst glauben w├╝rde, dann w├Ąre es schwierig. Aber ich denke, es geht vielmehr darum, Empathie zu entwickeln. Dass man auf beiden Ebenen merkt, wer der andere ist, sich einfach mit offenem Geist begegnet. Nat├╝rlich gibt es auch eine Realit├Ąt, die hart ist, und an unsere demokratischen Grundgesetze muss man sich halten. Da bin ich streng und rigide. Das sind die Werte, auf denen unsere Gesellschaft aufbaut. Trotzdem muss man wegkommen von diesen Verallgemeinerungen. Ich merke es auch an Fernsehrollen, dass der Bruder des t├╝rkischen M├Ądchens prinzipiell gewaltt├Ątig ist, prinzipiell seine Schwester schl├Ągt, meistens Cem hei├čt. Das ist keine Figur, das ist einfach "der Allgemeinmigrant".

AVIVA-Berlin: Hast du bislang das Gef├╝hl, der Film wird so aufgenommen, wie ihr euch das gew├╝nscht habt, oder eher nicht so?
Maryam Zaree: Wir haben ganz, ganz viele tolle Publikumsreaktionen von Leuten, die gesagt haben: "Vielen Dank, dass ihr das mal so zeigt. Gott sei Dank ist der Vater nicht jemand, der vorhat, seine Tochter umzubringen, sondern ein guter Imam." Trotzdem nicht schwarz-wei├č, weil auch er scheitert. Ich glaube, dass in den K├Âpfen der Leute etwas passiert. Der Film hat sie zum Denken angeregt und das ist nat├╝rlich das Beste, was passieren kann. Was die Presse angeht, hat der Film polarisiert. Da w├╝rde ich mir w├╝nschen, dass er weniger f├╝r eine tagesaktuelle Debatte herh├Ąlt, sondern man sich wirklich inhaltlich und k├╝nstlerisch damit auseinandersetzt und ihn auch so bewertet. Er soll zu Diskussionen anregen, aber eben nicht f├╝r eine vorgeschobene Debatte benutzt werden. Das wird dem Film nicht gerecht und das kann er auch nicht leisten.

AVIVA-Berlin: "Shahada" wurde f├╝r den Wettbewerb der diesj├Ąhrigen Berlinale ausgew├Ąhlt. Wie hast du das erlebt?
Maryam Zaree: Es war unglaublich. Damit hat keiner von uns gerechnet. Es ist ja seit zwanzig Jahren nicht mehr passiert, dass ein Studentenfilm f├╝r die Berlinale ausgew├Ąhlt wurde. Dann ist es auch noch die 60. Berlinale, die Jubil├Ąumsberlinale. Unser Regisseur ist erst 29, das ist sein Diplomfilm! Da muss ich auch nochmal richtig ausdr├╝cken, dass das eine ganz gro├če Leistung ist, was er sich getraut hat, und dass so viele Leute dazu eine Meinung haben und einen Anspruch.

AVIVA-Berlin: Es ist nat├╝rlich auch ein brisantes Thema.
Maryam Zaree: Ich glaube es geht um etwas, das Burhan sehr pers├Ânlich am Herzen gelegen hat und nicht, dass er sagte: "Ich will jetzt mal ein brisantes Thema behandeln". Es ging darum, etwas zu erz├Ąhlen, was ihm auf der Seele lag und wof├╝r er Situationen und Bilder geschaffen hat.

AVIVA-Berlin: In welchen Rollen bist du demn├Ąchst zu sehen?
Maryam Zaree: Ich habe nach der Berlinale eine tolle Rolle gespielt, die nichts mit dem Thema zu tun hat. Es ging um das Burnout-Syndrom und eine junge Mutter, die mit 24 schon drei Kinder hat, damit total ├╝berfordert ist und auf eine Mutter-Kind-Kur geschickt wird ("Ausgebrannt"). Das war ein ZDF "Kleines Fernsehspiel". Ich mache auch eine Tatort-Rolle ("Der illegale Tod"), in der der Tatort wirklich ganz mutig ist und wo der Drehbuchautor Themen anspricht, die komplex und differenziert sind.

AVIVA-Berlin: Gibt es schon einen Sendetermin f├╝r "Ausgebrannt"?
Maryam Zaree: Nein, wir versuchen erstmal, ├Ąhnlich wie bei "Shahada", auf die Festivals zu kommen, den Film auch bei der Berlinale einzureichen, und gucken dann, was passiert, ob er eine Kinoauswertung bekommt, das wird sich dann herausstellen. Im Fernsehen wird er auf jeden Fall gezeigt.

AVIVA-Berlin: Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?
Maryam Zaree: Ich hatte einen ganz fantastischen Theater-AG-Lehrer und wir hatten das Unterrichtsfach "Darstellendes Spiel", das es in manchen Bundesl├Ąndern gibt, jedoch nicht deutschlandweit. Das hat mir sehr, sehr viel Spa├č gemacht und auch den Leuten, die sp├Ąter keine Schauspieler geworden sind. Ich glaube, dass es gut ist, wenn man sich anderen Menschen n├Ąhert, auch empathief├Ârdernd (lacht). Wenn man sich vorstellt, was in jemand anderem vorgeht, wird man ein bisschen mehr Verst├Ąndnis f├╝r andere haben. Nach der Schule habe ich mich dann an Schauspielschulen beworben und bin genommen worden. Es war ein relativ konventioneller Weg.

AVIVA-Berlin: Du bist vor acht Jahren von Frankfurt a.M. nach Berlin gezogen. Welche Unterschiede stellst du fest, vielleicht auch nochmal im Hinblick auf das Zusammenleben verschiedener Kulturen?
Maryam Zaree: Frankfurt hat einen Ausl├Ąnderanteil von ├╝ber 42%, jeder Zweite kommt irgendwo anders her. Ich bin mit einer Selbstverst├Ąndlichkeit aufgewachsen, dass jeder in der Klasse zumindest eine polnische Oma hat (lacht). Es war ganz normal und eigentlich egal. Es ging mir in Berlin dann schon so, dass ich diese Selbstverst├Ąndlichkeit vermisst habe. Aber es liegt auch daran, dass es in Frankfurt nicht eine gro├če, zum Beispiel t├╝rkische Gemeinde gibt, die sich in sich verschlie├čen kann, sondern es leben alle zusammen. In Berlin wurde ich viel h├Ąufiger darauf angesprochen, wo ich herkomme und es hat nicht gereicht, wenn ich sagte: "aus Frankfurt". Ich habe das Gef├╝hl, hier lebt man doch ein bisschen mehr nebeneinander, als dass man zusammenlebt.

AVIVA-Berlin: Herzlichen Dank f├╝r das Interview, alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

Maryam Zaree: Ich wollte noch sagen: Ich finde es ganz toll, dass es AVIVA als alternatives Frauenmagazin gibt. Ich finde, dass es in der Sicht auf die Frau eine totale Beschr├Ąnkung gibt und dass Frauen sich mit mehr herumschlagen als Cellulite, Schlanksein und Mode. Vorhin ging es darum, wie Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund im Film dargestellt werden, und es ist ├Ąhnlich wie bei Frauen. Meistens ist es nicht gro├č differenziert. Frauenrollen sind h├Ąufig viel weniger interessant gestaltet als M├Ąnnerrollen.

AVIVA-Berlin: Auch daf├╝r vielen Dank!

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.shahada-der-film.de

www.facebook.com/shahadafilm

www.3rosen.com

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