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19.06.2018

Das Labyrinth der W├Ârter - ab 9. Juni 2011 auf DVD und Blu-ray Disc. Verlosung
Evelyn Gaida

Ein Dichter mit zerrauften Haaren, der fiebrig seine Gehirnwindungen durchpfl├╝gt? Im Grunde ganz ├Ąhnlich. Ein "bildungsferner" Bauarbeiter... AVIVA verlost 2 DVDs



... (G├ęrard Depardieu) namens Germain, dem eine zuf├Ąllige Begegnung im Park durch Vorlesen allm├Ąhlich eine ganze Welt er├Âffnet: das titelgebende Labyrinth der W├Ârter. Klingt wiederum nach Liebesgeschichte und ist auch eine, blo├č ist die Dame (Gis├Ęle Casadesus) in der Gr├╝nanlage schon um die 90 Jahre alt, das Verh├Ąltnis rein platonisch.

Alles an dieser Geschichte l├Ąsst an diverse Filmmotive denken, die man schon irgendwo mal gesehen zu haben glaubt ÔÇô goldige Omi adoptiert gutm├╝tigen Bauarbeiter mit ungehobelten Manieren, fertig scheint das R├╝hrst├╝ck. Zwar bedient der Film diese kitschigen "Schon-gesehen-Klischees", gibt ihnen jedoch immer wieder eine weitere Dimension, die tats├Ąchlich ber├╝hrt, am├╝siert und, mit einer Art kindhaftem Tiefsinn, die lebensgebeutelten Kinog├ĄngerInnen auf warmherzigere Gedanken bringt. Es ist ein M├Ąrchen, aber keines, das eine(n) f├╝r dumm verkauft. Die filmkritischen BetrachterInnen der Pressevorf├╝hrung verlie├čen den Saal jedenfalls mit auffallend beseeltem L├Ącheln.

Apropos `adoptieren┬┤: Er steht wirklich wie ein gro├čes Kind in der Landschaft herum, dieser Germain, liebevoll und mitrei├čend gespielt von der ultimativ leibgeschneiderten Besetzung, G├ęrard Depardieu: Kugelbauch, Latzhose, Karohemd, Maurerh├Ąnde, sperrige Beine und die ├╝bliche Frisur, die mit dem tolpatschigen Gang hin und her schaukelt ÔÇô ein Einfaltspinsel und lauter Geselle, der den Pointen st├Ąndig hinterherstolpert oder selbst f├╝r welche sorgt, nur ohne es zu beabsichtigen. Doch so lustig ist das Ganze auch wieder nicht: "Man sollte aufpassen, bevor man Kinder macht, denn man kann sie nicht aussetzen wie K├Âter ... `Das da!┬┤ ... Nicht mal meinen Hund w├╝rde ich so nennen", grummelt der H├╝ne vor dem Zubettgehen, von schauerlichen Kindheitserinnerungen heimgesucht. Er hatte nichts zu lachen. W├╝rde es sich um ein Sozialdrama handeln, m├╝sste man sagen, seine Kindheit war grausam. Gezeugt bei einem One-Night-Stand der Mutter verglich sie "das da", ihren ungeliebten und ungelenken Sohn, schlie├člich mit einem pfundigen Sack Kartoffeln, der ihr schon bei der Geburt das Leben schwer gemacht habe. Der sadistische Klassenlehrer trug das ├ťbrige zum verkorksten Selbstbild bei: "eine Null". Trotzdem ein grundg├╝tiger und einfacher Mensch mit elefantengro├čem Herz geworden, liefert Germain damit ein weiteres Klischee - dahinter verbirgt sich jedoch die bewundernswerte Errungenschaft einer Selbstakzeptanz, die auf Bescheidenheit fu├čt. So bewerkstelligt es der Geschm├Ąhte, weder als Menschenhasser noch Selbsthasser durchs Leben zu gehen, stattdessen eine gro├če Liebe zu schlichten Freuden und zu seiner ebenso gutartigen Freundin (Sophie Guillemin) hervorzubringen, der Busfahrerin des kleinen Ortes. Selbst f├╝r seine Mutter hat er noch treue Zuneigung ├╝brig, sodass er mit himmelw├Ąrts verdrehten Augen ihre hysterischen Anf├Ąlle ertragen kann.

In der Mittagspause trifft Germain eines sonnigen Tages auf Margueritte, mit Doppel-T, auch ihr Vater nahm es beim Ausf├╝llen der Geburtsurkunde nicht so genau mit der Rechtschreibung. Dennoch wurden die B├╝cher Marguerittes Droge, wurde die Tochter eine Wissenschaftlerin und schlie├člich eine schalkhaft liebensw├╝rdige alte Dame von fragiler Statur, die sich von Germains wuchtiger und derber Schale nicht abschrecken l├Ąsst. Seine kindliche Aufgeschlossenheit f├╝r kleine Gl├╝cksspender des Alltags (Taubenz├Ąhlen und mit Namen ausstatten) schafft sofort eine unmittelbare Gemeinsamkeit und Verbindung zwischen dem sonst so ungleichen Paar. Die elegante und betagte Lady auf der Parkbank wird schnell zu Germains Dealerin eines kostbaren Stoffs. Mit ansteckender Begeisterung, frei von jeder elit├Ąren Arroganz und stupiden PaukerInnenmentalit├Ąt liest sie ihm vor: die Passagen ├╝ber die Ratten in Camus┬┤ "Pest" oder die ├╝ber Mutterliebe bei Romain Gary, und, siehe da, das Wortelixier tut in dem brachliegenden Kopf (der Originaltitel: "La T├¬te En Friche") seine berauschende Wirkung. "Schlafen Sie?!?" Nein, er sehe nur bei geschlossenen Augen die Bilder aus dem Lesefluss auftauchen, antwortet der ehemalige "Schulversager".

Beide entdecken eine neue Welt ÔÇô die emeritierte Wissenschaftlerin durch den staunenden Blick des unverbildeten Gem├╝ts und der Bauarbeiter durch den freigeistigen Reichtum und bildgewaltigen Jungbrunnen der alten Dame. Die Wortverliebtheit des Films entspringt dabei nicht nur den B├╝chern, sondern auch Germains unverbl├╝mter Bauernpoesie: "Verknittert wie Klatschmohn" und zart wie ein Glasfig├╝rchen ist Margueritte seiner Beschreibung nach, "in alten T├Âpfen kocht es sich doch am besten" lauten seine "tr├Âstenden" Worte f├╝r die 50-j├Ąhrige Barfrau, die gerade von ihrem j├╝ngeren Liebhaber sitzengelassen wurde. Margueritte halte Germain "bei den Ohren gefangen wie man einen Hasen f├Ąngt", wenn sie vorliest. "Als gebe man einem Kurzsichtigen eine Brille" ver├Ąndert sie auf diese Weise seinen Blick auf die Dinge, schlie├člich wird er umgekehrt zu ihrem Augenlicht, als ihre physische Sehkraft schwindet.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Sch├Ân w├Ąr┬┤s auf jeden Fall!

AVIVA-Tipp: Eine liebensw├╝rdige "M├Ąrchenerz├Ąhlung" ├╝ber die berauschende Reise auf dem Strom der Worte, eine kleine Parabel ├╝ber die unbegrenzten M├Âglichkeiten kindlich gebliebener Herzen und ein implizites Pl├Ądoyer gegen den gelehrten Unverstand elit├Ąren Bildungsd├╝nkels. Mitrei├čende und hervorragende HauptdarstellerInnen inklusive.

Zum Regisseur: Jean Becker wurde 1938 in Paris geboren. Er arbeitete als Regieassistent f├╝r seinen Vater, den Regisseur Jacques Becker, und f├╝r Henri Verneuil. Als sein Vater 1960 unerwartet starb, f├╝hrte Jean die Dreharbeiten von dessen Ausbruchsdrama LE TROU "Das Loch" zu Ende. Danach blieb er dem Metier treu, drehte drei Krimis bzw. Kriminalkom├Âdien mit Jean-Paul Belmondo und arbeitete f├╝rs Werbefernsehen. 17 Jahre sp├Ąter feierte er mit seinem Leinwandcomeback L┬┤├ëT├ë MEURTRIER ("Ein m├Ârderischer Sommer") Triumphe. Nach einer weiteren mehrj├Ąhrigen Auszeit sorgte er mit ELISA ("Elisa") mit G├ęrard Depardieu f├╝r Furore. Der Film machte S├Ąngerin Vanessa Paradis zum Star und wurde mit dem C├ęsar in der Kategorie Beste Musik ausgezeichnet. In der Literaturverfilmung LES ENFANTS DU MARAIS ("Ein Sommer auf dem Lande") mit Gis├Ęle Casadesus schuf er ein stimmungsvolles Portr├Ąt der "kleinen Leute" voller Menschlichkeit.


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Das Labyrinth der W├Ârter
La Tête En Friche
Frankreich 2009
Buch und Regie: Jean Becker
DarstellerInnen: G├ęrard Depardieu, Gis├Ęle Casadesus, Fran├žois-Xavier Demaison, Maurane, Patrick Bouchitey, Jean-Fran├žois St├ęvenin, Claire Maurier, Sophie Guillemin u.a.
Verleih: Concorde
DVD-Start: 09. Juni 2011

DVD
Technische Infos:
Laufzeit: ca. 80 Minuten
Sprachen: Deutsch, Englisch, Untertitel: Deutsch (ausblendbar)
FSK: 6 Jahre
Bildformat: 2,35:1 (16:9)
Tonformat: DD 5.1, DTS 5.1
Bonus: Making Of (ca. 20 Minuten)
EAN: 4010324028617

Blu-ray Disc
Technische Infos:
Laufzeit: ca. 80 Minuten
Sprachen: Deutsch, Franz├Âsisch, Untertitel: Deutsch (ausblendbar)
FSK 6 Jahre
Bildformat: 2,35:1 (16:9), 1080p High Definition
Tonformat: Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1
Franz├Âsisch DTS-HD Master Audio 5.1
Bonus: Making Of, Deutscher und Original-Trailer (ca. 20 Minuten)
EAN: 4010324037909

Weitere Informationen finden Sie unter:

labyrinth-derfilm.de


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