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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 11.07.2012

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Kristina Schr├Âder schickt Eva Maria Welskop-Deffaa in die W├╝ste - LandesFrauenRat schickt ihr einen offenen Brief
Sharon Adler

Ramona Pisal, Pr├Ąsidentin des Deutschen Juristinnenbunds, die Bundessprecherinnen Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) kommunaler Frauenb├╝ros und Gleichstellungsstellen und AVIVA-Berlin kritisieren ...



... die Entlassung der engagierten Abteilungsleiterin Gleichstellung im Bundesministerium f├╝r Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Eva Maria Welskop-Deffaa.

Damit hat sich Ministerin Kristina Schr├Âder mal wieder selbst ein Armutszeugnis ausgestellt. Ganz offensichtlich war ihr Welskop-Deffaa unbequem, da diese, ganz im Gegensatz zu der r├╝cksichtsgewandten Ministerin, die Frauen und ihre Belange im Blick hatte.

Wie mensch jetzt sch├Ân ├╝bersichtlich im Organigramm des Ministeriums im ├ťberblick sehen kann, verfolgt Schr├Âder die Taktik, ihr Ministerium rein m├Ąnnlich zu besetzen. Es bleibt die Frage: Wer stoppt diese Frau? G├Ąbe es ├╝berhaupt ein geeignetes Jobprofil f├╝r sie? Wir schlagen vor: Frau Schr├Âder m├Âge ÔÇô f├╝r mindestens vier Wochen ÔÇô einmal versuchen, einen geeigneten Teilzeitjob zu finden, um dann mit dem durchschnittlichen Gehalt einer alleinerziehenden Mutter ihr Kind und sich ├╝ber die Runden zu bringen. Probieren kann sie ja auch einmal, einen Kitaplatz in der N├Ąhe ihres Wohnorts zu finden, um Job und Kind unter einen Hut zu bekommen.
Vielleicht w├╝rde selbst ihr dann aufgehen, wie viel Wahlfreiheit das Angebot einer 150-Euro-Herdpr├Ąmie so bietet.

Der LandesFrauenRat nahm in einem offenen Brief vom 17. Juli 2012 an Schr├Âder mit deutlichen Worten Stellung zu Welskop-Deffaas Entlassung:


"Sehr geehrte Frau Ministerin Schr├Âder,

mit Best├╝rzung und gro├čem Unverst├Ąndnis haben wir die Versetzung der Leiterin Ihrer Abteilung Gleichstellung und Chancengleichheit, Eva Maria Welskop-Deffaa, mit sofortiger Wirkung in den einstweiligen Ruhestand zur Kenntnis genommen. Frau Welskop-Deffaa ist eine ├╝ber die Grenzen Deutschlands hinaus allseits angesehene, gut vernetzte und exzellente Gleichstellungsexpertin. Auch und gerade f├╝r die bundesweit zahlreichen Frauenorganisationen ist sie eine kompetente Ansprechpartnerin. Wir sind emp├Ârt ├╝ber den Umgang mit dieser hervorragenden Fachfrau, die stets die Politik Ihres Hauses vermittelt und daf├╝r manch Gegenwind in Diskussionsrunden mit Vertreterinnen der Fraueninfrastruktur empfangen hat.

Mit Ihrer Personalentscheidung verst├Ąrken Sie den Eindruck, dass die Frauenpolitik in Ihrem Ministerium an letzter Stelle kommt. Daf├╝r spricht auch Ihr Rechenbeispiel beim Frauenanteil in den Spitzenpositionen Ihres Hauses. Zwar beabsichtigen Sie, die derzeit zwei vakanten Abteilungsleitungen mit Frauen zu besetzen. Das w├Ąren dann aber auch die einzigen F├╝hrungsfrauen in ihrem Leitungsstab. Sonst setzen Sie angefangen vom neuen Staatssekret├Ąr und dem bew├Ąhrten Parlamentarischen Staatssekret├Ąr ├╝ber drei Abteilungsleiter und dem Leiter des Arbeitsstabs Freiwilligendienste bis hin zum Pressesprecher und seinem Stellvertreter Ihr Vertrauen ausschlie├člich in M├Ąnner. Das ist keine Frauenf├Ârderung! Von einer Frauenministerin erwarten wir mehr!

Wir fordern Sie dringend auf, Ihre Personalpolitik grunds├Ątzlich zu ├╝berdenken. Entscheiden Sie sich f├╝r eine konsequente F├Ârderung von Frauen ÔÇô in allen Politikfeldern unserer Gesellschaft. Vollziehen Sie die Kehrtwende: Entscheiden Sie sich f├╝r eine konsequente Frauen- und Gleichstellungspolitik!

Mit freundlichen Gr├╝├čen
Regina Seidel
Vorsitzende LandesFrauenRat"



Auch der Deutsche Juristinnenbund (djb) bedauert in einer Pressemitteilung vom 11. Juli 2012 die Entlassung der Abteilungsleiterin:

"Mit gro├čem Bedauern hat der djb die Nachricht von der ├╝berraschenden Entlassung aufgenommen. Frau Welskop-Deffaa war am Tag nach dem letzten Treffen von Frau Ministerin Schr├Âder mit den Vorst├Ąnden der DAX30-Unternehmen am 28. Juni ├╝ber ihre geplante Versetzung in den einstweiligen Ruhestand informiert worden."

Dazu Ramona Pisal, Pr├Ąsidentin des djb:

"Mit der Entlassung von Frau Welskop-Deffaa verliert die Gleichstellungspolitik auf Bundesebene eine ihrer engagiertesten Vork├Ąmpferinnen. Hoch kompetent, mit profunder Sachkunde und professionellem Augenma├č f├╝r das politisch Machbare war sie uns wie vielen weiteren Verb├Ąnden eine jederzeit aufmerksame und zugewandte Ansprechpartnerin.

Die tats├Ąchliche Gleichstellung der Frau in der bundesdeutschen Gesellschaft vom Papier in die Lebenswirklichkeit zu ├╝bertragen, ist ihr ein ernsthaftes Anliegen. Zahlreiche Projekte und Initiativen hat sie mit angesto├čen und ma├čgeblich durch Rat und Tat unterst├╝tzt. Dabei verdient neben der Anerkennung f├╝r ihr glaubw├╝rdiges Engagement und ein immens hohes Arbeitspensum insbesondere ihre loyale und umsichtige Moderation der aktuell durchaus kontrovers diskutierten gleichstellungspolitischen Themen besonderen Respekt."




An dieser Stelle ver├Âffentlicht AVIVA-Berlin auch den Offenen Brief "Versetzung in den einstweiligen Ruhestand von Frau Welskop-Deffaa (BMFSFJ)" der Bundessprecherinnen Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) kommunaler Frauenb├╝ros und Gleichstellungsstellen:

"Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

wir, die BAG kommunaler Frauenb├╝ros und Gleichstellungsstellen, vernetzen bundesweit mehr als 1.600 kommunale Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte.

Wie Sie sicherlich aus Ihrer Zeit als Frauenministerin wissen, haben wir immer aufmerksam verfolgt, welche Ankn├╝pfungspunkte f├╝r unsere Arbeit auf kommunaler Ebene Programme, Publikationen und Veranstaltungen aus dem Bundesministerium f├╝r Familie, Senioren, Frauen und Jugend bieten.

Diese Ankn├╝pfungspunkte waren ÔÇô egal welcher Partei die Frauenministerin angeh├Ârte ÔÇô immer vorhanden, leb- und kommunizierbar. Jede Ministerin hat in ihrer Funktion einen neuen Schwerpunkt gesetzt, das Ziel ÔÇô die Gleichstellung von Frauen und M├Ąnnern ÔÇô aber nicht aus den Augen verloren.

Die Versetzung von Frau Welskop-Deffaa in den einstweiligen Ruhestand ist f├╝r uns ein best├╝rzendes Signal.

Frau Welskop-Deffaa war f├╝r uns eine ├Ąu├čerst kompetente, gut informierte und strategisch kluge Ansprechpartnerin.

Sie hat mit ihrer Abteilung den Bundesgleichstellungsbericht auf den Weg gebracht, erstmals eine umfassende Standortbestimmung zur Gleichstellungspolitik in Deutschland mit Handlungsoptionen.

Sie hat es geschafft, das Thema ÔÇ×Frauen in F├╝hrungÔÇť in die ├ľffentlichkeit zu bringen und damit gesellschaftliche Ver├Ąnderungen angesto├čen.

Sie hat im Bereich Gewalt gegen Frauen erstmalig Forschungsdaten vorgelegt und die Hilfem├Âglichkeiten f├╝r Opfer weiterentwickelt.

Und: Sie hat auf die sich ver├Ąndernde Gesellschaft mit der Einrichtung eines Referates f├╝r Jungen und M├Ąnner reagiert.

Daf├╝r hat ihre Abteilung sowohl national als auch international Lob und Anerkennung erhalten.

Wir sind besorgt um die Ausrichtung der Abteilung Gleichstellung/ Chancengleichheit durch ihre Versetzung in den einstweiligen Ruhestand. Bisher hatten wir die Gewissheit, dass wir ÔÇô wenn auch auf unterschiedlichen Wegen ÔÇô f├╝r ein Ziel arbeiten. Diese Gewissheit haben wir nicht mehr.

Da Frau Ministerin Schr├Âder bisher alle f├╝hrenden Leitungsfunktionen mit M├Ąnnern besetzt hat, ist zu bef├╝rchten, dass auch die Abteilung Gleichstellung/Chancengleichheit zuk├╝nftig von einem Mann geleitet wird. Entt├Ąuschender k├Ânnte damit die Schwerpunktsetzung einer Frauenministerin nicht sein."


Mit freundlichen Gr├╝├čen
Die Bundessprecherinnen

Mehr Infos unter:

www.djb.de

www.frauenbeauftragte.de

Weiterlesen:

Beitrag in der TAZ vom 09.07.2012

"Rauswurf im Familienministerium. Unfreiwillig in den Ruhestand"

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Nicht meine Ministerin - Kristina Schr├Âder dr├╝ckt sich vor Annahme der Unterschriften

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┬ę Fotos von Eva Maria Welskop-Deffaa: Sharon Adler

Public Affairs > Politik + Wirtschaft Beitrag vom 11.07.2012 Sharon Adler 





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