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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.05.2008

Odette Toulemonde auf DVD
Tatjana Zilg

Eine VerkĂ€uferin findet in den BĂŒchern eines Bestseller-Autors ein Lebenselixier, das sie die Schönheiten im grauen Alltag erkennen und jeden Tag mit guter Laune begehen lĂ€sst. MĂ€rchenhaft!



Die Sehnsucht nach dem GlĂŒck und ein weites Spektrum an intensiven Emotionen spiegeln sich in den BĂŒchern des französischen Schriftstellers Eric-Emmanuel Schmitt. Seine BĂŒcher "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran", "Die Schule der Egoisten" und "Mein Leben" wurden zu immer wieder gerne gelesenen und zitierten Bestsellern.

Jetzt wagte er den Wechsel der kĂŒnstlerischen Werkzeuge: Nicht fĂŒr den puren Lesegenuss ersann er die Geschichte von der bewundernswert charmanten Odette Toulemonde (Catherine Frot) Die visuelle Inszenierung auf der Leinwand war diesmal sein Ziel. Das Reich der Phantasie ist dabei wichtiger Bestandteil. Zum einen steht seine Heldin mit beiden Beinen fest auf den Boden, wenn sie morgens zu ihrer Arbeit in einem Kaufhaus geht und den KundInnen freundlich und hilfsbereit begegnet. Nach dem Feierabend nĂ€ht sie als Zuverdienst Federn auf BĂŒhnenkostĂŒme und sorgt fĂŒr ihre beiden, sehr unterschiedlichen Kinder, die zwar schon erwachsen sind, aber noch bei ihr wohnen.
Zum anderen kann sie hoch in den Himmel entschweben, wenn sie an die Romane von ihrem Lieblingsautor Balthazar Balsan (Albert Dupontel) denkt. Ihre ganz persönliche Lebensweisheit hat sie aus seinen Worten herausgefiltert. Sie ist fest davon ĂŒberzeugt, dass ihr Schwarm aufzeigen will, wie auch im tristesten Alltag Lebensfreude und GlĂŒck gefunden werden kann. TatsĂ€chlich begegnet sie ihrer Umgebung mit einer fröhlichen Neugierde und ĂŒberschwĂ€nglichen Optimismus.

Eines Tages nimmt sie all ihren Mut zusammen und fÀhrt mit einem Liebesbrief in der Tasche zu einer Signierstunde von Balthazar Balsan. Vor Ort versagt ihr die Stimme. Der Autor ist nicht besonders an ihr interessiert und schenkt ihr nur wenig Aufmerksamkeit. Etwas enttÀuscht fÀhrt Odette nach Hause, aber ihrer positiven Lebenseinstellung schadet dieses Ereignis nicht.
Dem Bestseller-Autor hingegen geht es schlechter als es den Ă€ußerlichen Anschein hat. Erreicht hat er alles, wovon er je getrĂ€umt hat. Er bewohnt mit seiner sehr attraktiven Ehefrau und seinen Sohn ein schönes Haus. Vom Schreiben kann er nicht nur leben, sondern er ist davon ĂŒberdurchschnittlich reich geworden. Aber die Fassade trĂŒgt: In seinem Inneren zweifelt er an sich selbst, die Ehe ist von Distanz gekennzeichnet.

Da verwundert es nicht, dass seine Welt zusammenbricht, als sein neuster Roman von einer Kritiker-KoryphÀe verrissen wird.
Wenig spĂ€ter kann Odette ihren Augen nicht trauen, als es an ihrer WohnungstĂŒr klingelt. Niemand anderes als ihr großes Idol steht auf ihrer Fußmatte und bittet sie, ein paar Tage bei ihr wohnen zu dĂŒrfen.

Die Teilzeit-TagtrÀumerin muss sich nun mit der RealitÀt auseinandersetzen. Ihr Schwarm sitzt in Fleisch und Blut auf ihrer Couch, aber er wirkt depressiv und ist manchmal kaum ansprechbar. Langsam nÀhern sich die beiden gegensÀtzlichen Menschen aneinander an und erkennen, dass sie viel voneinander lernen können. Doch zuvor geht Balthazar durch seine eigene ganz persönliche Hölle. Manches, was Odette so liebt, erscheint ihm kitschig und banal. In diesen Momenten sieht er ihre Bewunderung als KrÀnkung.
Odette hingegen beginnt zu verstehen, warum sie einen Menschen, der eigentlich so fern ist, so extrem wichtig fĂŒr ihr Leben werden ließ.

Dem Regisseur und Autor gelang es, die Wandlung und AnnĂ€herung dieser beiden kontrĂ€ren Charaktere unterhaltsam, feinsinnig und alltagsphilosophisch auf Zelluoid zu bannen. Mit Catherine Frot ("Das MĂ€dchen, das die Seiten umblĂ€ttert"), die in Frankreich schon seit lĂ€ngerem eine sehr beliebte Schauspielerin ist, fand er die perfekte Besetzung fĂŒr die Rolle der Odette, die auch in den surrealen Momenten, wo sie hoch in die Luft entschwebt, in der Badewanne plötzlich von einem Dschungel umhĂŒllt wird oder mit einem Schneebesen in der Hand singend und tanzend durch die Wohnung wirbelt, glaubhaft und ĂŒberzeugend bleibt.

AVIVA-Tipp: Dem Leben Freude einhauchen, gerade dann, wenn es scheint, dass es trostlos und grau ist: Das ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Wer hier gerne amĂŒsanten und anregenden Nachhilfeunterricht erhalten will, sollte sich Madame Jedermann (= französisch Toulemonde) nicht entgehen lassen.

Odette Toulemonde
Frankreich / Belgien 2007, 100 Minuten
Regie: Eric-Emmanuel Schmitt
Verleih: Senator
Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interview mit Eric-Emmanuel Schmitt, DVD Tipps
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Laufzeit: ca. 97 Minuten
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9
DVD-Release: 21.05.2008
HauptdarstellerInnen: Catherine Frot, Albert Dupontel, Jacques Weber, Fabrice Murgia, Nina Drecq
www.odette.senator.de

Kultur Beitrag vom 14.05.2008 AVIVA-Redaktion 





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