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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.04.2007

Stellas Versuchung
Tatjana Zilg

In den 50er Jahren f├╝hlt sich die feinsinnige, sehr attraktive Stella in ihrer Ehe mit einem Landpsychiater gefangen. Sie beginnt eine leidenschaftliche Aff├Ąre mit einem Klinikpatienten ...



Bei der Berlinale 2007 sorgte der Regisseur David Mac Kenzie mit seiner Kom├Âdie "Hallam Foe" f├╝r etliche heitere Momente beim Wettbewerbspublikum, auch wenn die Geschichte ├╝ber das Heranwachsen des jungen Schotten Hallam einen tragischen Kern beinhaltet.

Zwei Jahre zuvor nahm der schottische Regisseur mit einem Film am Wettbewerb teil, der viel melodramatischer angelegt ist.

In einer psychiatrischen Klinik im Norden Englands sind die Regeln streng und die InsassInnen werden mit klassischen Methoden behandelt. Der Psychiater Max Raphael (Hugh Bonneville) hofft mit dem Umzug von London in die Provinz etwas mehr Ruhe in sein Familienleben zu bekommen. Zugleich ist die neue Stelle f├╝r ihn eine gro├če Karrierechance. Von seiner Frau Stella (Natasha Richardson) erwartet er, dass sie ihn in jeder Hinsicht unterst├╝tzt. Diese kann aber nicht viel mit dem l├Ąndlichen Leben und der k├╝hlen Atmosph├Ąre der Gro├čklinik anfangen. Ihr einziger Halt ist ihr Sohn Charlie (Gus Lewis). Die Tage vergehen eint├Ânig, bis Stella w├Ąhrend der Gartenarbeiten Edgar (Marton Czokas) auff├Ąllt, ein Klinikpatient, der das Privileg hat, sich mit Arbeiten am Gew├Ąchshaus n├╝tzlich zu machen.

In intensiv beobachtenden Bildern, die kleinste erotische Anspannung aufsp├╝rend, zeigt David Mac Kenzie, wie eine verh├Ąngnisvolle Aff├Ąre ihren Anfang nimmt. Dabei wird viel Wert gelegt auf eine nuancierte Entwicklung der Charaktere. Edgar wird vom ersten Moment an nicht als Monster dargestellt, sondern als nachdenklicher, aber impulsiver Mann, der mit seinem ambivalenten Inneren zu k├Ąmpfen hat. Erst nach und nach erfahren die ZuschauerInnen mehr ├╝ber seine Vorgeschichte, die Tat und seine Motive. ÔÇô So wie auch Stella selbst, die sich nie von dem, was sie erf├Ąhrt, abschrecken l├Ąsst, sondern immer intensivere Gef├╝hle zu Edgar entwickelt. Ihr Mann nimmt ihren Seitensprung mit distanzierter Hilflosigkeit wahr, dann l├Ąsst er sich urpl├Âtzlich zu j├Ąhzornigen Eifersuchtsanf├Ąllen hinrei├čen.

Edgar gelingt schlie├člich die Flucht aus der Klinik und Stella folgt ihm nach einer Weile in eine verborgene Existenz in London. Ihren geliebten Sohn Charlie l├Ąsst sie bei ihrem Mann zur├╝ck.
Das Leben im Jetzt hat f├╝r die beiden Gesuchten bald ein j├Ąhes Ende. Stella entscheidet sich, wegen ihres Sohnes zu ihrem Mann zur├╝ckzukehren. Aber die Leidenschaft l├Ąsst sie nicht mehr los. Sie w├╝nscht sich nichts mehr, als Edgar wiederzusehen. - Ein fatales Verh├Ąngnis ist die Folge.

Die Schauspielerin Natasha Richardson wurde f├╝r ihre gro├čartige Interpretation der Stella mit dem Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater Standard British Film Award (2006) ausgezeichnet und f├╝r den British Independent Film Award (2005) nominiert. Ihr Spiel besticht durchgehend mit hoher Authentizit├Ąt und tiefer Emotionalit├Ąt. Kein Wunder, denn sie begann ihre Karriere als Schauspielerin am Theater, wo sie unter anderem die Helena in Shakespeares Sommernachtstraum und die Ophelia in Hamlet spielte. 1986 wurde sie f├╝r ihre Darbietung der Nina in "Die M├Âwe" von der Londoner Theaterkritik zur vielversprechendsten Newcomerin gew├Ąhlt und spielte in der Folgezeit Rollen in verschiedenen Musicals und schlie├člich auch am Broadway.

1987 gab sie ihr Kinodebut als Mary Shelley in Ken Russels "Gothic". Der Regisseur Paul Schrader wurde durch diese Rolle auf die Schauspielerin aufmerksam und besetzte sie f├╝r die Titelrolle in "Schrei im Dunkel". In den folgenden Jahren spielte sie unter anderem in Pat OÔÇÖConners "A Month in the Country", Volker Schl├Ândorffs "Die Geschichte der Dienerin" und Paul Schraders "Der Trost von Fremden". F├╝r ihre Hauptrolle in "Die Witwen von Widows Peak" gewann sie 1994 den Preis als Beste Darstellerin auf dem Karlovy Vary Festival.

AVIVA-Tipp: Ein erotischer Thriller, der sich mit stilvollen, ├Ąsthetischen Bildern in warmen Herbstfarben mit den Themen Leidenschaft, Begierde und Eifersucht gekonnt auseinandersetzt, aber mit seiner tiefgr├╝ndigen Tragik auch eine depressive, fast schwerm├╝tige Stimmung transferiert.

Stellas Versuchung (Asylum)
Regie: David Mackenzie
England / Irland 2005, 100 Minuten
Drehbuch: Patrick Marber nach einem Roman von Patrick McGrath
DarstellerInnen: Natasha Richardson, Ian McKellen, Marton Czokas, Hugh Bonneville, Judy Parfitt, Sean Harris, Nick Gus Lewis, Wanda Ventham, Anna Keaveney, Joss Ackland
Kinostart: 29. M├Ąrz 2007
Verleih: Salzgeber

www.salzgeber.de


Kultur Beitrag vom 01.04.2007 AVIVA-Redaktion 





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