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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 04.04.2012

Hinter der Tür - ein Film mit Helen Mirren von István Szabó. Kinostart 5. April 2012
Britta Meyer

Emerenc ist die wahrscheinlich grantigste Haush├Ąlterin Ungarns. Sie grummelt, schimpft und mischt sich in die Privatangelegenheiten ihrer ArbeitgeberInnen ein. Wenn sie zum Putzen kommt, dann...



... f├╝hlt sich dies an, wie der gn├Ądige Besuch eines Staatsoberhaupts.

Mensch will sie trotzdem nicht missen. Niemand reinigt das Haus gr├╝ndlicher als Emerenc (Helen Mirren) und die von ihr zubereiteten Speisen sind immer k├Âstlich. Au├čerdem geht von der stolzen Frau mit dem stechenden Blick die Faszination einer Herrscherin aus. So jedenfalls geht es der Schriftstellerin Magda (Martina Gedeck), die nach einer verl├Ąsslichen Hilfe suchte, um sich endlich ganz dem Schreiben widmen zu k├Ânnen. Mit ihr zurecht zu kommen ist jedoch ein t├Ąglicher Machtkampf: Emerenc beobachtet und beurteilt ihre Umwelt gnadenlos und l├Ąsst keine noch so kleine Charakterschw├Ąche unkommentiert. Wenn Magda sie einl├Ądt, mit ihr zusammen die Messe zu besuchen, darf sie sich erstmal Bigotterie vorwerfen lassen:

"Es gibt zwei Arten von Menschen auf der Welt: Die, die fegen, und die, die fegen lassen. Ihr Jesus, der hat gefegt."

In Magda allerdings hat sie einen genauso sturen Gegenpart gefunden, der sich durch nichts und niemanden davon abbringen l├Ąsst, um Emerencens Zuneigung zu werben. Nach und nach mischen sich pl├Âtzliche Momente warmer F├╝rsorglichkeit in das Benehmen der Haush├Ąlterin. Eine deutliche Grenze jedoch besteht: niemandem, auch nicht Magda, ist es gestattet, Emerencens kleine H├╝tte zu betreten oder auch nur einen Blick ├╝ber die T├╝rschwelle zu werfen.

Was verbirgt sie dort? Vielleicht geraubte Sch├Ątze der ermordeten j├╝dischen Familie, die fr├╝her in Magdas Haus gewohnt hat? Und was ist eigentlich mit der Tochter passiert, die sie einmal gehabt haben soll? Magdas zerbrechliche Freundschaft zu Emerenc wird auf die Probe gestellt, als sich die T├╝r der H├╝tte eines Tages nicht mehr ├Âffnet und niemand wei├č, was aus ihr geworden ist...

Es macht Spa├č, den zwei grundverschiedenen Frauen dabei zuzusehen, wie sie ├╝ber alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg eine vorsichtige Beziehung zueinander formen. Streckenweise bleibt es jedoch schwer verst├Ąndlich, wieso Magda so beharrlich den Respekt und das Vertrauen einer Frau sucht, die ihr kaum mehr Achtung entgegen bringt, als einem zwar geliebten, aber verzogenen Kind.

Die Hauptdarstellerinnen:

Helen Mirren, hie├č die ersten Jahre ihres Lebens noch Ilyena Vasilievna Mironov und wurde 1945 als Tochter einer russischen Familie in Chiswick geboren. Sie studierte Schauspiel an der Royal Shakespeare Company und gewann zahlreiche Auszeichnungen als Theater- und Kinodarstellerin, unter anderem den Oscar, den Golden Globe, den "Coppa Volpi", den "London Critics` Circle Film Award", den "Los Angeles Film Critics Association Award" und den Europ├Ąischen Filmpreis f├╝r ihre Rolle der englischen K├Ânigin Elisabeth II. in "The Queen" (2006). 2003 wurde ihr der Titel "Dame of the British Empire" verliehen. Zuletzt beeindruckte sie uns durch ihre Rolle einer Mossad-Agentin im Film Eine offene Rechnung. The Debt.

Martina Gedeck, geboren 1961 in M├╝nchen, studierte an der Max-Reinhardt-Schule und an der Berliner Hochschule der K├╝nste. Nach einer erfolgreichen Theaterkarriere begann sie Ende der 1980er Jahre, in Spielfilmen und Fernsehserien mitzuwirken. Neben vielen anderen Fernsehpreisen wurde sie f├╝r ihre Darstellung in "Bella Martha" (2002) mit dem Deutschen Filmpreis und dem Preis der Deutschen Filmkritik ausgezeichnet.

Zum Regisseur: Istv├ín Szab├│, geboren 1938 in Budapest, ├╝berlebte die Shoah bei FreundInnen, die ihn versteckten. Nach einem Studium an der Budapester Akademie f├╝r Theater und Filmkunst drehte er zun├Ąchst Kurzfilme und 1964 seinen ersten Spielfilm, "Zeit der Tr├Ąumereien". F├╝r "Mephisto" (1981) erhielt er den Oscar als Bester ausl├Ąndischer Film, den Preis f├╝r das beste Drehbuch beim Filmfestival in Cannes und den Gilde-Filmpreis in Gold.

AVIVA-Tipp: Die von dramatisch anschwellender Musik untermalten Gewitterwolken als st├Ąndig wiederkehrendes Symbol f├╝r kommendes Unheil sind zwar ├╝bertrieben kitschig, aber das Zusammenspiel von Gedeck und Mirren ist es vielfach wert.

Hinter der T├╝r
Originaltitel: The Door
nach dem Roman von Magda Szab├│
Regie: István Szabó
Drehbuch: Istv├ín Szab├│, Andrea V├ęszits
DarstellerInnen: Helen Mirren, Martina Gedeck, K├íroly Eperjes, G├íbor Koncz, Enik├Á B├Ârcs├Âk, ├ügi Szirtes, Erika Marozs├ín, Ildik├│ T├│th, Mari Nagy, P├ęter Andorai, u. a.
Verleih: Piffl Medien
Kamera: Elem├ęr Rag├ílyi HSC
Schnitt: R├ęka Lemh├ęnyi
Ausstattung: L├│r├índ J├ívor Volker Sch├Ąfer
Kost├╝me: Gy├Ârgyi Szak├ícs
Ton: Simon Kaye C.A.S.
Produktion: Jen├ H├íbermann, Sandor S├Âth
Kinostart: 5. April 2012
www.hinter-der-tuer.de


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