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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.08.2012

Goldrausch. Die Geschichte der Treuhand. Kinostart: 30. August 2012
Britta Leudolph

Im Zuge der Wiedervereinigung muss die sozialistische Wirtschaft der DDR an die Marktwirtschaft der BRD angepasst werden. Die Dokumentation zeigt, wie die Treuhandanstalt tausende Betriebe ...



... schließt und sich um viele Milliarden Mark betrügen lässt.

Als im November 1989 die Mauer zwischen der DDR und der Bundesrepublik fiel, ging für viele Menschen in Ostdeutschland ein Traum in Erfüllung, den die meisten zuvor nicht zu träumen gewagt hätten. Plötzlich schien alles möglich: politische Mitbestimmung, ferne Reisen oder auch Konsum ohne Ende. Schnell war die Rede von Wiedervereinigung, andere Ideen - etwa die langsame Annäherung dieser doch so unterschiedlichen Systeme - wurden im Taumel des Glücks verworfen und verlacht. Doch was sollte mit den Betrieben der DDR geschehen, schließlich waren diese überwiegend Volkseigentum.

Der Dokumentarfilm "Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand" beschäftigt sich mit der Treuhandanstalt, gegründet im Frühsommer 1990, einer Institution mit dem Auftrag, die etwa 8.500 volkseigenen Betriebe zu privatisieren. Bis 1994 werden rund 4.000 dieser Betriebe geschlossen, zweieinhalb Millionen Arbeitsplätze gehen verloren. Eine Kontrollinstanz, parlamentarische Kontrolle und Innenrevision sind nicht vorgesehen. Bis zu ihrer Schließung Ende 1994 macht die Treuhandanstalt Schulden in Höhe von 256 Milliarden Mark. Der Vorsitzende der Treuhandanstalt, Detlev Rohwedder, verfolgt das Prinzip, möglichst schnell zu privatisieren. Im Eiltempo werden Manager aus dem Westen engagiert, ob sie nun für solch eine Tätigkeit geeignet sind, steht nicht im Vordergrund. Zudem versuchen sich windige Ex-Genossen und Berater ihren Teil des Kuchens einzuverleiben. Die Treuhand öffnet BetrügerInnen Tür und Tor, viele Milliarden Mark verschwinden, ein Skandal, der nie vollständig aufgeklärt wird. Viele TäterInnen gehen straffrei aus oder werden erst gar nicht angeklagt.

Die Wiedervereinigung war ein historisch einmaliger Vorgang. Was passiert also, wenn eine sozialistische Planwirtschaft im Eiltempo an die globalisierte Marktwirtschaft angepasst wird? "Goldrausch" versucht dieser Frage auf den Grund zu gehen. Zu Wort kommen ehemalige MitarbeiterInnen der Treuhand, die schildern, was sie als AbwicklerInnen von Hunderten, Tausenden oder gar Millionen von Arbeitsplätzen gedacht und gefühlt haben. Wie etwa Detlef Scheunert, einer der wenigen Ostdeutschen mit einer Spitzenposition in der Treuhand. Zunächst ist er noch froh über die Herausforderung und begierig zu lernen wie Marktwirtschaft funktioniert. Schnell merkt er jedoch, dass seine Entscheidungen erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen und viele VerliererInnen zurückbleiben.

Besonders interessant sind die Einlassungen von DDR-BürgerrechtlerInnen wie Werner Schulz. Die Idee der Treuhand stammt ursprünglich von ihnen, allerdings mit einem ganz anderen Grundgedanken: Die erzielten Gewinne aus dem Verkauf der Betriebe und Fabriken sollen gerecht unter den DDR-BürgerInnen der verteilt werden.

Zum Regisseur: Der Film wurde von einem Regisseur begleitet, der durch viele journalistische und investigative Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht hat. Nach zweijähriger, intensiver Recherche fanden die Dreharbeiten 2010 statt. Der Film wurde von Andrew Bird geschnitten, im April 2011 lag ein erster Entwurf zu einem Rohschnitt vor, dieser als auch zwei weitere Fassungen wurden jedoch weder von der Produktion, der Redaktion noch vom Verleih akzeptiert.
Die wesentlichen Mängel lagen vor allem im erzählerischen Duktus. Daraufhin wurde in Absprache mit dem Regisseur ein Dramaturg hinzugezogen. Eine in dieser Konstellation überarbeitete Fassung fand die Zustimmung der Sender, jedoch nicht des Regisseurs. Der Regisseur erhielt nochmals die Möglichkeit, seinen Film ohne dramaturgische Hilfe zu verändern. Die beteiligten PartnerInnen entschieden sich jedoch letztlich für die erste, die sogenannte Produktionsfassung. Der Regisseur zog daraufhin seinen Namen vom Film zurück. (Produzentenstatement)

AVIVA-Tipp: "Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand" ist ein spannender Dokumentarfilm, der die Jahre der Wende in einem anderen Licht erscheinen lässt. Während in der Öffentlichkeit häufig ein sehr positives Bild der "Wende" gezeichnet wird, beleuchtet "Goldrausch" die Wild-West-Mentalität, mit der ostdeutsche Werte verscherbelt wurden und damit Millionen Menschen neben dem Arbeitsplatz auch die Perspektive verloren. Fast ausnahmslos werden die ostdeutschen Betriebe an westdeutsche Unternehmen verkauft, die sich damit zum Teil lästiger Konkurrenz entledigten. "Goldrausch" lässt die ZuschauerInnen an vielen Stellen einfach fassungslos zurück.

Goldrausch. Die Geschichte der Treuhand
Deutschland 2011
Produzent: Thomas Kufus
Schnitt: Andrew Bird
Kamera: Thomas Plenert
Musik: Ulrike Haage
Mit: Klaus Klamroth, Gerd Gebhardt, Werner Schulz, Vera Teller u.a.
Weitere Infos:
www.realfictionfilme.de

Kultur Beitrag vom 29.08.2012 Britta Leudolph 





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