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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 02.12.2012

Fatih Akin - M├╝ll im Garten Eden. Kinostart 6. Dezember 2012
Claire Horst

Gegen gro├če Firmen haben UmweltaktivistInnen kaum eine Chance ÔÇô insbesondere dann, wenn die Regierung hinter den Firmen steht. Auch Fatih Akins Dokumentation zeigt eigentlich eine Niederlage.



Denn obwohl seine ProtagonistInnen, die BewohnerInnen des Schwarzmeerdorfes Camburnu, von Anfang an gegen den Bau einer M├╝lldeponie in ihrem Dorf protestiert haben, wurde sie wie geplant errichtet und in Betrieb genommen. ├ťber Jahre hinweg begleiten Akin und sein Team die Bauarbeiten und die Proteste der EinwohnerInnen.

Von Anfang an ist klar, dass in dieser ber├╝ckend sch├Ânen Landschaft (einem internationalen Kinopublikum bekannt aus Semih Kaplanoglus Film "Bal", dem Gewinner des Goldenen B├Ąren von 2010), nichts mehr bleiben wird wie es ist. Verseuchtes Grundwasser, zerst├Ârte Teeernten und vergiftete Fische sind die Folgen. Heute, nur f├╝nf Jahre nach der Inbetriebnahme, haben junge Menschen in dem einst paradiesischen Ort keine Perspektive mehr. Fast alle ziehen weg, um sich in den gro├čen St├Ądten ein Leben aufzubauen. Zur├╝ck bleibt ein Dorf, das von wilden Hunden und Vogelschw├Ąrmen heimgesucht wird, Gem├╝se, das von den Exkrementen der Tiere verschmutzt wird und eine Ernte, die niemand mehr kaufen will. Auf den Feldern arbeiten die Menschen nur noch mit Mundschutz, weil der Gestank nicht auszuhalten ist.

Einen alternativen Standort gibt es nicht, meint die Landesregierung ÔÇô in der Region existiert bislang keine funktionierende Abfallentsorgung. Dass der Mindestabstand von einem Kilometer zur n├Ąchsten Siedlung nicht eingehalten wird, dass die ehemalige Mine, in der die Deponie angelegt wird, nur notd├╝rftig mit zerst├Ârungsanf├Ąlligen Planen ausgelegt wird, verst├Ârt die AnwohnerInnen. Vertreter des Umweltministeriums erscheinen allerdings erst, als der nahegelegene Fluss nur noch wei├čen Schaum f├╝hrt und schlie├člich eine Schutzmauer einbricht. Geschlossen ist die Deponie dennoch bis heute nicht. Die B├╝rgerInnen haben alle Gerichtsprozesse verloren.

Dass der Film die Zuschauerin trotz alldem nicht deprimiert, sondern mit neuer Energie angef├╝llt zur├╝ckl├Ąsst, liegt an der wunderbaren Kampfeslust der Protestierenden. Ob die B├Ąuerinnen gemeinsam auf das Firmengel├Ąnde eindringen, ob eine Schulklasse den Umweltminister ins Verh├Âr nimmt oder eine ├╝ber 60J├Ąhrige erkl├Ąrt, sie w├╝rde die ganze Anlage abfackeln, wenn sie nur j├╝nger w├Ąre ÔÇô die Zivilcourage dieser Menschen ist beeindruckend.

Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass "M├╝ll im Garten Eden" entstand: Im Jahr 2006 kam Fatih Akin in den Geburtsort seiner Gro├čeltern, um hier die letzten Szenen seines Films "Auf der anderen Seite" zu drehen. Dort wurde der Regisseur auf die Planungen aufmerksam und nahm sich etwas gr├Â├čenwahnsinnig vor, mit seinem Film den Bau zu stoppen. Dass er so lange filmen w├╝rde, war anfangs nicht geplant, ebenso wenig wie die Einbeziehung des Dorffotografen B├╝nyamin Seyrekbasan, der zum professionellen Kameramann wurde und alle Entwicklungen vor Ort dokumentierte.

AVIVA-Tipp: "M├╝ll im Garten Eden" ist eine ber├╝hrende Langzeitdokumentation, die insbesondere durch die Darstellung der k├Ąmpferischen und mutigen DorfbewohnerInnen ├╝berzeugt. Vom B├╝rgermeister, der sich gegen die Beschl├╝sse der eigenen Partei stellt, bis zur Sch├╝lerin, die mit ihren Fragen die Worth├╝lsen des zust├Ąndigen Umweltministers zerpfl├╝ckt, bestechen diese starken Menschen durch ihre Weigerung aufzugeben und ihre Heimat zerst├Âren zu lassen. Ein Gewinn ist der Film auch f├╝r sie ÔÇô vielleicht kann die internationale Aufmerksamkeit nicht nur in Camburnu, sondern in der gesamten T├╝rkei zu einem Umdenken in Bezug auf den Umweltschutz f├╝hren. Ein weiterer Bonus ist die Filmmusik, die Alexander Hacke schrieb. Mit ihm hatte Akin schon f├╝r "Gegen die Wand" und "Crossing the Bridge" zusammengearbeitet.

M├╝ll im Garten Eden
Deutschland, 2012
Verleih: Pandora
Buch und Regie: Fatih Akin
Produktion: Fatih Akin, Klaus Maeck, Alberto Fanni, Flaminio Zadra, Paolo Colombo
Kamera: B├╝nyamin Seyrekbasan, Herv├ę Dieu
L├Ąnge: 98 Min
Kinostart: 06. Dezember 2012
Der Film im Netz: www.muellimgarteneden.de


Kultur Beitrag vom 02.12.2012 Claire Horst 





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