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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.12.2013

Sofia┬┤s Last Ambulance. DVD-Start: 6. Dezember 2013
Lou Zucker

13 Ambulanzen f├╝r eine Zwei-Millionen-Metropole. Ilian Metevs Dokumentation begleitet das Team eines Krankenwagens in der bulgarischen Hauptstadt durch den Wahnsinn ihres Alltags...



...- mit stringenter Ästhetik, ohne Sensationalismus und Held_innenpathos.

"Ich habe den falschen Beruf gew├Ąhlt", sagt Krankenschwester Mila. Nein, sie bezieht sich nicht auf die schlechte Bezahlung, die k├Ârperliche und emotionale Belastung, die ├ťberstunden bis sp├Ąt in die Nacht hinein, w├Ąhrend derer sie ihrem Kind zwischen zwei Notrufen am Telefon gute Nacht sagen muss. "Hab ich dir nicht gesagt, dass es eine Hirnblutung ist? (...) Zum n├Ąchsten Geburtstag k├Ânnt ihr mir eine Kristallkugel kaufen!" Der Rettungsfahrer neben ihr lacht. Irgendjemand w├╝nscht gutes Durchhalten und die T├╝ren des Krankenwagens werden zugeschlagen.

Plamen, der Fahrer, rechts, Krassi, der Arzt, links, in der Mitte Mila. Das ist die Besatzung einer von Sofias 13 Ambulanzen. Das ist auch das Panorama, an das sich Ilian Metev den Gro├čteil des Films ├╝ber h├Ąlt. Das Chaos auf den Stra├čen und in der Kommunikation zwischen Patient_innen, Telefonzentrale und Krankenwagen f├Ąngt der Regisseur in einem klaren Bildrahmen ein. Dem Stress und der Ersch├Âpfung seiner Protagonist_innen setzt er ruhige, geduldige Einstellungen entgegen. Keine klaffenden Wunden, keine aufgel├Âsten Angeh├Ârigen: die kleinen Freuden, gro├čen Anstrengungen und mittelm├Ą├čigen Desaster fremder Schicksale oder des eigenen Privatlebens werden fast ausschlie├člich ├╝ber die Portraits der drei Hauptdarsteller_innen und ihrer Dialoge transportiert.

Die Bilder, die dabei entstehen, sind von schlichter ├ästhetik und eindringlicher Authentizit├Ąt. Der stringente Minimalismus der Kameraeinstellungen hat allerdings auch seinen Nachteil: Einige Szenen ziehen sich, das Auge sehnt sich nach Abwechslung. Wir m├Âchten die Patient_innen sehen, mit denen gesprochen wird, wir m├Âchten Krassis Garten, Milas Familie sehen, wir m├Âchten Sofia sehen. Dem Spektakelgew├Âhnten Zuschauer_innenauge bleiben diese W├╝nsche verwehrt. Vorteil: Es bleibt viel Platz f├╝r die eigene Fantasie und keiner f├╝r Kitsch und rei├čerische Bilder. Ilian Metev zeigt das Leben wie es ist. Und das Leben ist kein Hollywood-Film.

Noch nicht einmal ein romantisiertes Klischee von Rettungssanit├Ąter_innen als hauptberuflichen Lebensretter_innen bedient die Doku. Im Gegenteil: Oft genug irren die Protagonist_innen durch die halbe Stadt und finden unter der angegebenen Adresse eine verschlossene T├╝r, eine Leiche, die schon so lange tot ist, dass die streunenden Hunde Zeit hatten, ihren halben Kopf aufzufressen oder eine Frau, die ihren Mann haupts├Ąchlich ins Krankenhaus einweisen m├Âchte um ihn loszuwerden und weniger, weil es sich um einen Notfall handelt.

Dennoch sind die Drei wahre Held_innen, allen voran Mila: Sie bringt ihre zwei Kollegen zum Lachen und macht ihnen Mut, auch wenn sie sich selbst nur noch von einer Zigarette zur n├Ąchsten hangelt. Sie tr├Âstet ein Kind, das unter einen umfallenden Schrank geraten ist, ├╝ber jedes schmerzhafte Schlagloch hinweg. Sie gibt der Mutter eines Langzeit-Drogenabh├Ąngigen Ratschl├Ąge. Alle drei riskieren t├Ąglich in Sofias Stra├čenverkehr ihr eigenes Leben, bei miesem Gehalt und unmenschlichen Arbeitszeiten, und bleiben dennoch, w├Ąhrend andere Kolleg_innen k├╝ndigen oder zu besser zahlenden Privatkliniken wechseln. Ilian Metevs sparsame ├ästhetik l├Ąsst die einzelnen Schicksale dabei besonders eindringlich und bewegend hervortreten.

AVIVA-Tipp: "Sofia┬┤s Last Ambulance" kommt ohne rasante Schnitte und Hintergrundgeigen aus. Denn das Leben an sich ist schon dramatisch genug und Held_innen k├Ânnen uns jeden Tag auf der Stra├če begegnen. Drei von ihnen widmet Metev mit seiner Doku eine Hommage voller tragikomischer Episoden, deren strenger Bildausschnitt zwar an einigen Stellen Ungeduld hervorruft, gleichzeitig aber drei besonders einf├╝hlsame und ehrliche Portraits entstehen l├Ąsst ÔÇô einhergehend mit einer scharfen Kritik an das bulgarische Gesundheitssystem.

Zum Regisseur: Ilian Metev wurde 1981 in Sofia, Bulgarien geboren. Als Jugendlicher kam er nach Deutschland und verfolgte zun├Ąchst eine Karriere als Konzertviolinist, bevor er an der Central Saint Martins Universit├Ąt in London ein Kunststudium aufnahm. 2008 beendete Metev seinen Master an der britischen National Film and Television School mit der Dokumentation "Goleshovo", die auf 60 Festivals gezeigt und mit 17 verschiedenen Preisen ausgezeichnet wurde. 2010 gr├╝ndete er zusammen mit der K├╝nstlerin und Neurowissenschaftlerin Betina Ip die Produktionsfirma "Chaconna", angesiedelt in Sofia und Oxfort, deren Ziel es ist "to playfully push the boundaries of cinema". "Sofia┬┤s Last Ambulance" ist Metevs erster abendf├╝llender Kinofilm.

"Sofia┬┤s Last Ambulance" wurde ausgezeichnet mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis und auf Filmfestivals weltweit, darunter: Visionary Award Cannes (Semaine de la Critique), Silberne Taube DOKLeipzig und Grand Prix Karlovy Vary Filmfestival.


Sofia┬┤s Last Ambulance
D/BUL/KRO 2012
Buch und Regie: Ilian Metev
Darsteller_innen: Krassimir Yordanov, Mila Mikhailova, Plamen Slavkov
Verleih: W-film Distribution
Dauer: 75 Minuten
OF mit dt. Untertiteln
FSK ab 0
DVD-Start: 6. Dezember 2013

Weitere Infos unter:

www.chaconna-films.com

www.sofia.wfilm.de



Kultur Beitrag vom 01.12.2013 AVIVA-Redaktion 





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