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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 06.08.2013

The Bling Ring - ein Film von Sofia Coppola. Kinostart: 15. August 2013
Julia Lorenz

Die unertr├Ągliche Leichtigkeit des Seins in einem Vorort von L.A. setzt in f├╝nf gelangweilten "Rich Kids" kriminelle Energien frei: Arglos und hochhackig erleichtern sie die Hollywood-Prominenz um..



... ihre Habseligkeiten - und die Frisur h├Ąlt.

"Live fast, die young/ Bad girls do it well" wummert aus dem Lautsprecher, wenn Rebecca (Katie Chang), Nicki (Emma Watson), Chloe (Claire Julien) und Sam (Taissa Farmiga) nachts durch Los Angeles steuern. Schulschw├Ąnzen, Feiern in den angesagtesten Clubs der Stadt und Drogen entlocken den Teenagern aus gehobenen Verh├Ąltnissen maximal ein m├╝des L├Ącheln f├╝r den n├Ąchsten Partyschnappschuss.

Als Mark (Israel Broussard), ein eher unscheinbarer Junge, der sich im Epizentrum des Starkults zun├Ąchst v├Âllig deplatziert f├╝hlt, von Cliquen-K├Ânigin Rebecca unter ihre Fittiche genommen und zu ihrem besten Kumpel auserkoren wird, erliegt auch er dem Reiz des glamour├Âsen Lebens: Ausgedehnte Shoppingtouren beschleunigen seine Transformation zum hippen Gangmitglied und machen ihn vertraut mit der Welt der Upper-Class-Teens, die in ihrem Wachkoma zwischen materiellem ├ťberfluss und Tristesse st├Ąndig auf der Suche nach Nervenkitzel sind. Als die Jugendlichen entdecken, wie verbl├╝ffend einfach sich ein kleiner Autodiebstahl zwischen After-Hour-Drink und Discobesuch gestaltet, fallen auch die letzten Hemmungen: Angefixt vom Tabubruch und gewillt, dem Lebensstil ihrer prominenten Idole in den Hollywood Hills so nahe wie m├Âglich zu kommen, brechen sie in die Villen von Paris Hilton und anderen Stars ein - und lassen Medien und Polizei zun├Ąchst im Dunklen tappen.

Ein Plot, der unglaubw├╝rdiger kaum sein k├Ânnte? Keineswegs: Coppolas Drehbuch basiert auf dem Vanity-Fair-Artikel "The Suspects Wore Louboutins", der ├╝ber eine Einbruchserie in L.A. berichtet. Die Bande, in der Berichterstattung rei├čerisch als "The Bling Ring" bezeichnet, lie├č Stars wie Megan Fox und Orlando Bloom monatelang um ihre Wertgegenst├Ąnde bangen. Existenzangst? Finanzielle N├Âte? Fehlanzeige: Die DiebInnen entpuppten sich schlie├člich als gut situierte Mittelschichts-Teenager.

Ihrem Lieblingsthema - Einsamkeit und Langeweile im Leben der High Society - bleibt Regisseurin Sofia Coppola so auch mit ihrem neuen Werk in gewisser Weise treu. Doch statt mit melancholischen Gro├čstadtbildern wie im modernen Klassiker "Lost in Translation" ihrem Faible f├╝r Zeitgeist-Portraits und Popkultur zu huldigen, begibt sich die Regisseurin in "The Bling Ring" auf einen kompromisslosen ├Ąsthetischen Streifzug durch den Fundus der US-amerikanischen Reality-Shows: Schillernde Farben, knappe Outfits und ein wuchtiger Soundtrack mit Songs von Hip-Hop-K├╝nstlerInnen wie M.I.A. und Kanye West inszenieren den Ausverkauf auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten als grelle Party. Ganz nebenbei kommt die Website zum Werk im Stil eines Tumblr-Blogs, das Filmprospekt als Lifestyle-Magazin, daher.
Wie bereits im Vorg├Ąnger "Somewhere" setzt Coppola auf Redundanz, um sich der Lebensrealit├Ąt ihrer ProtagonistInnen anzun├Ąhern: Scheinbar endlose Sequenzen, die Rebecca und ihre GespielInnen auf illegalen Beutez├╝gen im Mode-Schlaraffenland begleiten, reproduzieren jene Mischung aus Voyeurismus und Inhaltsleere, die in Form von Celebrity-Dokus Millionen ZuschauerInnen fesseln und nicht zuletzt symptomatisch f├╝r den monotonen Alltag der Teenager sind.

Doch trotz Coppolas starker visueller Sprache, trotz ihres Gesp├╝rs f├╝r das Lebensgef├╝hl der jungen Kriminellen scheint es unm├Âglich, Zugang zur Mehrheit der Charaktere zu finden - und das beabsichtigt die Regisseurin auch: "Schlie├člich gibt es in dieser Geschichte keine wirklichen Sympathietr├Ąger. Nick [den "echten", von der Regisseurin interviewten Mark - Anm. d. Red] fand ich am zug├Ąnglichsten, und ich habe ihn f├╝r den Film auch noch ein wenig sympathischer gemacht", erkl├Ąrt sie im Interview mit dem Musikmagazin Intro. W├Ąhrend Protagonist Mark bereuen, analysieren und reflektieren darf, bleiben die ├╝brigen Charaktere ├╝berwiegend flach und statisch - und erf├╝llen so lediglich ihre Funktion als mal belustigende, mal ersch├╝tternde Zeugnisse f├╝r die Oberfl├Ąchlichkeit der Wohlstandsgesellschaft.

Daf├╝r spielt das Ensemble das satirische Potential der Figuren perfide aus: Vor allem Emma Watson, auf den ersten Blick eine kuriose Besetzung f├╝r die Rolle der verw├Âhnten Lolita, und Leslie Mann als ├╝berforderte Mutter, die sich beim Heimunterricht f├╝r ihre T├Âchter mit Angelina-Jolie-Collagen behilft, beweisen viel Feingef├╝hl beim Balanceakt zwischen Persiflage und Zynismus.
Wenn nach einer Prom-Night-w├╝rdigen Rede von Nicki aka Emma Watson die Lichter im Kinosaal angehen, bleibt dennoch die Unsicherheit dar├╝ber, was Sofia Coppola mit ihrem neuen Film eigentlich leisten m├Âchte. Sozialkritik? Satire? Eine Milieustudie oder Momentaufnahme? Ratlos und ein wenig ├╝berfordert nach einem neunzigmin├╝tigen Glamour-Dauerbeschuss fragt sich der/die ZuschauerIn, ob das wirklich alles ist, was ├╝ber die im Film portraitierte Gesellschaft gesagt werden kann. Vielleicht ist es Sofia Coppolas Intention, die Antwort jedem/r selbst zu ├╝berlassen.

AVIVA-Tipp: Zu feinsinnig, um Hollywood und seinen Starkult gnadenlos vorzuf├╝hren, jedoch nicht tief genug, um Verst├Ąndnis f├╝r die starversessene Westk├╝sten-Jugend zu generieren, entzieht sich "The Bling Ring" allen Etikettierungen. Die maximale Distanz zu den ProtagonistInnen erweckt einerseits den Eindruck, Sofia Coppola kratze lediglich an der Oberfl├Ąche des sch├Ânen Scheins, anstatt in die Tiefe vorzudringen. Andererseits erm├Âglicht eben diese Zur├╝ckhaltung den ZuschauerInnen eine eigene Urteilsbildung - solange diese bereit sind, hinter die gl├Ąnzende Fassade des Films zu schauen.

Zur Regisseurin: Sofia Coppola, geboren 1971 in New York City, hat als Tochter der FilmemacherInnen Eleanor und Francis Ford Coppola schon fr├╝h Leinwanderfahrungen gesammelt: Bereits als wenige Wochen altes Baby besetzte sie ihr Vater f├╝r eine Rolle im Mafia-Epos "Der Pate". Nach ihrem Studium der Malerei und Fotografie f├╝hrte sie in den Neunzigern Regie bei diversen Musikvideos (u.a. der Band "The Flaming Lips") und legte 1999 mit "The Virgin Suicides" schlie├člich ihr Spielfilmdebut vor, das vom Feuilleton positiv aufgenommen wurde und internationale Preise gewann. Der endg├╝ltige Durchbruch gelang ihr - wie auch ihrer Hauptdarstellerin Scarlett Johansson - im Jahre 2003 mit dem Film "Lost in Translation", der Coppola den Oscar f├╝r das beste Originaldrehbuch einbrachte. Auch ihre Werke "Marie Antoinette" (2006) und "Somewhere" (2010) gewannen Preise bei den Filmfestspielen in Cannes und Venedig.
Sofia Coppola ist mit Thomas Mars, S├Ąnger der franz├Âsischen Band Phoenix, verheiratet. Das Paar hat zwei T├Âchter.
Weitere Infos unter: www.imdb.com


The Bling Ring
USA 2013
Regie: Sofia Coppola
DarstellerInnen: Katie Chang, Israel Broussard, Emma Watson, Claire Julien, Taissa Farmiga, Georgia Rock, Leslie Mann, Gavin Rossdale
Drehbuch: Sofia Coppola, basierend auf einem Vanity-Fair-Artikel von Nancy Jo Sales
Kamera: Harris Savides ASC und Christopher Blauvelt
Schnitt: Sarah Flack ACE
ProduzentInnen: Roman Coppola, Sofia Coppola, Youree Henley
Musik: Brian Reitzell
Kost├╝me: Stacey Battat
Filml├Ąnge: 90 Minuten
Verleih: TOBIS Film-GmbH & Co. KG

Kinostart: 15. August 2013

Der Film im Netz
www.theblingring.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Lost in Translation - ein Film von Sofia Coppola

My Week with Marilyn - ein Film mit Emma Watson




Kultur Beitrag vom 06.08.2013 Julia Lorenz 





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