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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 04.09.2013

Jalda und Anna - Erste Generation danach
Barbara Degen

Eine Wohnung in Berlin wird renoviert, die alten Tapeten heruntergerissen. Die neuen Bewohnerinnen arbeiten intensiv, entfernen Schicht um Schicht. Die beiden Frauen, Jalda Rebling und Anna Adam,..



... ein Frauenpaar, die sich ihre neue Wohnung einrichten wollen.

So beginnt der Film "Jalda und Anna" und nimmt damit leitmotivisch sein zentrales Thema vorweg: die Herausforderung an die Beiden, mit ihrer Vergangenheit und ihren jeweiligen Erinnerungen umzugehen und sie in ihren Alltag zu integrieren. Beide sind Jüdinnen, deren Mütter in Auschwitz waren. Das gegenwärtige Lebensmotto der beiden Frauen stellt uns die Regisseurin und Kamerafrau Katinka Zeuner (Co-Regisseur Ben Laser) ebenfalls gleich am Anfang vor: "Es darf Spaß machen, jüdisch zu sein, wenn auch der Weg dazu sehr schwer ist". Im Laufe des Films nehmen wir an dem Leben der Beiden teil. Sie zeigen uns ihre Hochzeitfotos und erzählen über ihre jüdische Hochzeit, die – wen wundert es – ein wenig von den üblichen jüdischen Hochzeitsritualen abweicht.

Beide haben eine alternative jüdische Gemeinde gegründet, "Ohel Hachidusch – Zelt der Erneuerung", die einerseits die jüdischen Rituale beachtet und wertschätzt, andererseits aber in einigen Punkten so verändert, dass sie dem Anspruch auf Gleichberechtigung und Basisdemokratie gerechter wird. Jalda und Anna sind Künstlerinnen. Jalda, Tochter einer bekannten Sängerin und Tänzerin in der DDR, Lin Jaldati, arbeitet als Kantorin und begleitet und untermalt den Film mit ihrer wunderbar ausdrucksvollen Stimme. Anna ist bildende Künstlerin, Malerin, Buchillustratorin und Aktionskünstlerin. Wir erleben sie in ihrem Atelier und auf der Reise mit ihrem "Happy Hippie Jew Bus". Satire und Provokation gehört zu ihren künstlerischen Mitteln, mit denen sie Kinder- und Jugendliche und die oft in Abwehr oder in ritualisiertem Gedenken erstarrten Erwachsene auflockern und zu neuen Fragen anregen will. Ihr Programm "Feinkost Anna" definiert sie als Satire zur "Heilung der deutsch-jüdischen Krankheit".

Jalda hatte drei Kinder, als sich die beiden vor 16 Jahren kennen gelernt haben. Inzwischen sind die Söhne aus dem Haus und die Frauen haben nun Zeit für sich und ihre Wünsche. Sie fühlen sich - zu ihrer eigenen Überraschung wie es scheint - in Berlin wohl und zu Hause und leben einen Alltag, der von der "Schnittmenge" zwischen den jeweiligen Einzelinteressen und den Wünschen und Bedürfnissen nach Gemeinsamkeit geprägt ist. Ihr hoch reflektierter Gegenwartsalltag ist von der Vergangenheit und den Erfahrungen mit der Shoah nicht zu trennen. Immer wieder werfen Beide die Frage auf, wie die Erinnerungen, insbesondere die ihrer Mütter, ihr Leben geprägt haben. Diese Erfahrungen spiegeln sich in ihren eigenen Wünschen wieder, z.B. depressive Stimmungen aus den Herkunftsfamilien in Freude umzuwandeln, in dem Trotz, die Verzweifelung und die Wut nicht überhand nehmen zu lassen, die Trauer für sich selbst und nicht nur durch die Gefühle ihrer Mütter neu zu entdecken und in der Hartnäckigkeit, mir der sie diese Ziele leben.
Der Film begleitet Jalda auf einer Reise nach Jerusalem und notiert ihre Bemerkung, daß dort die Geschlechtertrennung in den letzten Jahren zugenommen hat. Jalda erzählt auch von einer USA-Reise, die sie in eine tiefe Krise geworfen hat und ihren Weg, aus der Krise herauszufinden. Dass der Zusammenhalt der Frauen und ihr Austausch untereinander dabei eine zentrale Rolle spielt, wird in dem Film immer wieder sichtbar.
Zum Schluss kehrt der Film noch einmal zu der Ausgangsszene, der Renovierung der neuen Wohnung, zurück und schließt den Kreis, der das Leben der Beiden und ihre Erfahrungen umschließt. Es sind Hoffnungsbilder für einen neuen Anfang.

"Jalda und Anna" ist der erste längere Dokumentarfilm der jungen Filmemacherin Katinka Zeuner. Sie hat das Paar zwei Jahre lang begleitet. Der Film zeichnet sich nicht nur durch Empathie, präzise Beobachtung und eine sorgfältige Umsetzung in Bilder aus. Es ist der Regisseurin gelungen, einen Film zu machen, der aus einer oft wie betoniert erscheinenden Sackgasse des Gedenkens und Erinnerns hinausführt: Der vielfach formelhaften und oberflächlichen Beschwörung des Schreckens auf der einen und des Ignorierens und Verdrängens auf der anderen Seite. Der menschliche und differenzierte Blick des Films kann allen Beteiligten nicht hoch genug angerechnet werden. Zu Recht hat der Film einen ersten Preis gewonnnen, den William-Dieterle- Sonderpreis der Stadt Ludwigshafen.

AVIVA-Tipp: Ein farbenfrohes und begeisterndes Portrait zweier jüdischer Künstlerinnen aus Berlin.


Jalda und Anna – Erste Generation danach
D 2012, mit Untertiteln engl./spanisch, 75 min
Regie und Kamera: Katinka Zeuner
Co-Regie: Ben Laser
Montage: Anna Theil
Bezugsadresse: Die DVD kann für 15 Euro zzgl. Versandkosten unter zeuner@globale-medienwerkstatt.debestellt werden.
Termine unter: www.globale-medienwerkstatt.de

www.jalda-und-anna.de

Trailer: www.youtube.com

Rezensentin: Barbara Degen, Haus der Frauengeschichte, Bonn
September 2013



Kultur Beitrag vom 04.09.2013 AVIVA-Redaktion 





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