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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.08.2014

Die langen hellen Tage. Ein Spielfilm von Nana Ekvtimishvili und Simon Gro├č. Kinostart am 21. August 2014
Dorothee Kr├Âger

In starken Bildern mit virtuoser Erz├Ąhlkraft ├Âffnet sich die Kulisse des postsowjetischen Tiflis, vor der die Teenager Eka und Natia zu jungen erwachsenen Frauen heran-, aber auch...



... ├╝ber gesellschaftliche Konventionen hinauswachsen.

Weibliche Identit├Ąt und t├Ągliche Gewalt

In ihrem ersten gemeinsamen Film, einer georgisch-deutsch-franz├Âsischen Zusammenarbeit, zeigen die RegisseurInnen Ekvtimishvili und Gro├č ein ├╝bliches Ph├Ąnomen in Konfrontation mit dem Ausnahmezustand: Zwei Teenager, Eka (Lika Babluani)und Natia (Mariam Bokeria), gehen den nervenaufreibenden Weg zur Adoleszenz in den fr├╝hen 1990er Jahren Tiflis┬┤. Ihre Suche nach weiblicher Identit├Ąt steht im Kontext einer Gesellschaft, in der sich Gewalt, Willk├╝r und Selbstjustiz vor den jungen Frauen aufbauen und diese zu erdr├╝cken drohen. Der Kameramann Oleg Mutu ├╝berf├╝hrt die pers├Ânlichen Erinnerungen Ekvtimishvilis in eine eindrucksvolle Bilderwelt, die historischen und pers├Ânlichen Wandel verzahnt und diesen im Spannungsfeld "Vergangenheit-Zukunft" aussagekr├Ąftig einspannt.

Fragile Bed├╝rfnisse

Die Hauptstadt Georgiens ist nach der Sowjetzeit und der Unabh├Ąngigkeit 1991 Schauplatz eines B├╝rgerkrieges und in den Abchasien-Konflikt verwickelt. Dieser wird im Film meist medial, ├╝ber Fernsehen und Radiomeldungen, vermittelt. Die Gewalt, welche Morde auf der Stra├če, Alkoholismus und patriarchale Familienverh├Ąltnisse zur Norm erhebt, zeigen die FilmemacherInnen im Detail anhand des Lebens der zwei Freundinnen Natia und Eka. Ihr Alltag verlangt nach einem Teenagerleben: Heimliches Rauchen, gegen LehrerInnen rebellieren, erste Liebesgest├Ąndnisse. Diese Bed├╝rfnisse sind fragil und bedroht, an dem Status Quo Georgiens zu zerbrechen, in welchem die beiden sich wiederfinden, in dessen Tr├╝mmern sie sich jedoch auch emanzipieren.
Eka macht dies durch einen traditionellen M├Ąnnertanz, den sie auf der Hochzeit Natias voll Widerstand vorf├╝hrt, deutlich.

Durch den Tanz vollzieht Eka ihre Emanzipation dergestalt, dass sie aus der zur├╝ckhaltenden Rolle, in welcher sie das Leben Natias beobachtend kommentierte, heraustritt. Sie ist befangen von der beklemmenden Gesellschaft, ihr Vater sitzt im Gef├Ąngnis und ihre beste Freundin heiratet einen Mann, der Natia einschr├Ąnkt und mit Befehlen ├╝bersch├╝ttet.

Lado, ein sensibler Verehrer Natias, schenkt dieser vor ihrer Hochzeit eine Pistole zum Selbstschutz. Diese r├╝ckt in das Zentrum der Beziehung zwischen Natia und Eka und entz├╝ndet einen Konflikt zwischen den beiden. Paradoxerweise symbolisiert die Waffe die Liebe Lados, birgt jedoch die Frage, mit welchen Mitteln Eka und Natia sich unabh├Ąngig machen wollen.

Im Verlauf des Films w├Ąchst Natias Unzufriedenheit gegen├╝ber ihrer Ehe mit Kote und dem Zusammenleben mit dessen Eltern. An ihrem Geburtstag entflieht sie dieser Bedr├Ąngnis gemeinsam mit Eka und kehrt in ihr altes Zuhause zur├╝ck, wo ein liebevoll von der Gro├čmutter zubereitetes Essen bereitsteht. Der Moment der Unbeschwertheit verstreicht schnell: Lado, der fr├╝here Verehrer Natias wartet auf der Stra├če und singt ein Liebeslied, wodurch er von Kote, Natias Ehemann, bedroht wird.

Kulturelle Grenzen

Der Film geht der Frage nach, was als Teil einer Kultur akzeptiert werden kann und wo die Grenze dieser verl├Ąuft. Damit einhergehend stellt sich die Frage nach der Relevanz und dem Verlust von Vorbildern und Werten. Eltern und LehrerInnen stiften keine Ordnung mehr und werden direkt und indirekt stark von den Teenagern beschimpft und kritisiert. Diese richten den Blick bewusst, im Gegensatz zu den in Alkoholismus, Streit und erstarrter Autorit├Ąt versinkenden Erwachsenen, nach vorn. In einer Szene, in der die Freundinnen der Schwester Ekas versammelt sind, hei├čt es:"You people are so backward. What century are you living in?"

Auszeichnungen
"Die langen hellen Tage" wurde mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem C.I.C.A.E. Art Cinema Award bei der Berlinale 2013, dem "Herz von Sarajevo" (Preis f├╝r den besten Film des Sarajevo Film Festival), dem SKODA Film Award beim 13. Festival des mittel- und osteurop├Ąischen Films GoEast, Wiesbaden und dem Grazia Magazine Award beim Paris Cinema International Film Festival. Des Weiteren wurde er als georgischer Beitrag zu den Academy Awards 2014 ausgew├Ąhlt.

Zu den RegisseurInnen:
Nana Ekvtimishvili
, geboren 1978 in Tbilisi, Georgien, startete ihre Karriere als Schriftstellerin bereits im Teenageralter. Sie schrieb Kurzgeschichten f├╝r ein georgisches Magazin. Nach einem Philosophiestudium in Tiflis machte sie einen Abschluss in Dramaturgie und Drehbuchschreiben an der Hochschule f├╝r Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam. Dort traf sie Simon Gro├č, Produzent und Co-Regisseur von "Die langen hellen Tage". Ekvtimishvili und Gro├č sind mittlerweile verheiratet und leben in Tiflis, wo sie mit Erfolg eine Eisdielen-Kette betreiben. Nana arbeitet derzeit an einem neuen Roman.
Simon Gro├č, 1976 in Berlin geboren, studierte Filmregie an der Hochschule f├╝r Fernsehen und Film M├╝nchen. Nach einigen Kurzfilmen drehte er seinen ersten abendf├╝llenden Spielfilm "Fata Morgana" 2006 in Marokko, f├╝r den er den F├Ârderpreis Deutscher Film f├╝r die beste Regie auf dem Filmfest M├╝nchen erhielt. Er gr├╝ndete in Deutschland und Georgien eigene Produktionsfirmen und drehte 2012 in Georgien "Die langen hellen Tage" als Co-Regisseur und Produzent.

AVIVA-Tipp: In "Die langen hellen Tage" erleben die Laiendarstellerinnen und Filmdeb├╝tantinnen Lika Babluani und Mariam Bokeria als Eka und Natia die langen Sommertage Tiflis┬┤ im Jahr 1992 in gestochen scharfen Bildern, getragen durch diffus-reduzierte Farben. Umso pr├Ągnanter und leuchtender sind die Darstellungen der Blumen gezeichnet, die auf das Wachsen der M├Ądchen verweisen. Es ist eine Freundschaft, durch die beide zu ihrer weiblichen Identit├Ąt finden. Ihren mutigen, notwendigen Weg d├╝rfen die ZuschauerInnen in diesem ber├╝hrenden Film ein St├╝ck mitgehen.

Die langen hellen Tage
(Grzeli Nateli Dgeebi ÔÇô In Bloom)

Deutschland/Frankreich/Georgien 2013
Georgisch mit deutschen Untertiteln / Synchronfassung
Regie und Drehbuch: Nana Ekvtimishvili, Simon Gro├č
Kamera: Oleg Mutu
HauptdarstellerInnen: Mariam Bokeria, Lika Babluani.
Laufl├Ąnge: 102 Minuten
Kinostart: 21. August 2014
Eine Produktion von Indiz Film, Polare Film und Arizona Films
in Ko-Produktion mit ZDF-Das kleine Fernsehspiel und arte
Verleih: BeMovie
Weitere Infos unter:
www.dielangenhellentage.de und www.facebook.com/DieLangenHellenTage

Quelle: BeMovie/Greenhouse PR



Kultur Beitrag vom 07.08.2014 AVIVA-Redaktion 





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