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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 29.08.2015

Cindy Sherman. Works from the Olbricht Collection K├╝nstlerin im me Collectors Room
AVIVA-Redaktion

Mit Arbeiten aus nahezu allen Schaffensperioden gew├Ąhrt die retrospektiv angelegte Ausstellung vom 16. September 2015 ÔÇô 28. August (verl├Ąngert!) 2016 einen guten ├ťberblick ├╝ber das Gesamtwerk der Fotok├╝nstlerin.



In der "Cindy Sherman ÔÇô Works from the Olbricht Collection" werden ab dem 16. September 2015, zur Berlin Art Week, 65 Fotografien der K├╝nstlerin im me Collectors Room in der Auguststra├če zu sehen sein.

Ein unschuldiger Blick vom Sp├╝ltisch im Schwarz-Wei├č der 50er Jahre, eine goldblonde Maria lactans mit leeren Augen und Plastikbrust oder eine alternde Upper Class-Beauty mit zu viel Schmuck und viel zu viel Make-Up, Cindy Sherman (geboren 1954 in den USA) ist eine Meisterin der Maskerade. Anfangs noch sehr am Medium Film interessiert, inszenierte sie 1975 eine Serie von Fotoportraits, in denen sie Elemente der Verkleidung und des Rollenspiels nutzte. Sie erschafft dabei einen Typus und setzt diesen in einen atmosph├Ąrischen Kontext. Sherman benutzt nur ihre eigene Person oder Puppen als Modelle. Ihre Bilder entstehen in einmaliger Eigenregie, sie hat keine AssistentInnen f├╝r die Aufnahmen, das Kost├╝m oder Maske. Diese Herangehensweise zieht sich durch ihr gesamtes fotografisches Werk.

Bekanntheit erlangte die K├╝nstlerin in den 1970er Jahren mit der schwarz-wei├čen Serie "Untitled Film Stills", in denen sie klischeehafte Frauenfiguren der 40er und 50er Jahre in fiktiven Filmszenen verk├Ârpert. Ab 1980 folgte nicht nur der Wechsel zu farbigen Abz├╝gen und gro├čen Formaten, sondern mit den "Centerfolds" auch der gro├če k├╝nstlerische Erfolg. Provokant an die Bildsprache des Playboy angelehnt, zeigen sie Frauen in mysteri├Âsen emotionalen Krisen. Dieses R├Ątselhafte dominiert auch die "Fairy Tales" (1985) und "History Portraits/Old Masters" (1988-1990), auf denen Sherman meist mit Hilfe sichtbarer Prothesen oder Puppen Figuren und Szenerien aus der Welt der M├Ąrchen und altmeisterlicher Gem├Ąlde verzerrt.

Parodistisch und bissig nutzt sie die unterschiedlichen M├Âglichkeiten der Darstellung durch Werbung, Kino oder klassische Malerei und reflektiert in ihren Arrangements Identit├Ąten, die mit Stereotypen und symbolischer Macht k├Ąmpfen und mit dem Frauenbild einer m├Ąnnlich dominierten Gesellschaft zusammenprallen.
├ťbergro├če Z├Ąhne, plastikblonde Haare oder hausm├╝tterliche Einfalt verk├Ârpern die Figuren der "Hollywood/Hampton Types" (2000-2002), w├Ąhrend sich das humoristisch Unheimliche der Maskerade in der Serie der "Clowns" (2003-2004) verdichtet, um in den traurig vulg├Ąren Portr├Ąts alternder "Society-Ladies" (2008) zu gipfeln. Alle ihre Serien liefern eine subtile Analyse, lenken den Blick auf das Ringen des Individuellen mit kollektiven Klischees und der Macht des Symbolischen.

Cindy Sherman hat ein unverwechselbares und wegweisendes Werk geschaffen, das die Formensprache der Fotografie auf ungeahnte Weise erweitert hat.
Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit Cindy Sherman entstanden.

Im Rahmen von "Cindy Sherman ÔÇô Works from the Olbricht Collection" erscheint eine umfangreiche Brosch├╝re: 96 Seiten, 69 Abbildungen, Texte von Thomas Olbricht "Meine pers├Ânlichen Erlebnisse mit Cindy Sherman und ihrer Kunst" und Sarah Sonderkamp "Enzyklop├Ądie der Stereotype". Au├čerdem steht den Besucher_innen eine kostenlose App mit Videof├╝hrung und vielen weiteren Informationen zur Verf├╝gung. F├╝r Schulklassen werden F├╝hrungen inkl. praxisbezogene Workshops angeboten zum Thema: Rollenspiel und Inszenierung an. Im begleitenden Rahmenprogramm finden dar├╝ber hinaus die Vorf├╝hrung des Films "Office Killer" (1997) statt, bei dem Cindy Sherman Regie gef├╝hrt hat sowie Expert_innengespr├Ąche.

Parallel er├Âffnet in der Lounge die Ausstellung "Falling Fictions" (16.09. ÔÇô 15.11.2015). Sie und die begleitende Publikation sind das Ergebnis einer Kooperation des me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht mit der London Metropolitan University und der Whitechapel Gallery im Rahmen des Masterprogramms "Curating the Contemporary". Bereits zum vierten Mal l├Ądt die Stiftung Olbricht junge KuratorInnen ein, ihren eigenen Blick auf die Olbricht Collection zu entwickeln und im Rahmen ihrer Abschlussarbeit eine Ausstellung im me Collectors Room Berlin zu realisieren.

CINDY SHERMAN
Works from the Olbricht Collection

16. September 2015 ÔÇô 28. August 2016
me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht
Auguststra├če 68, 10117 Berlin
├ľffnungszeiten: Di-So, 12-18 Uhr
www.me-berlin.com

Spr├╝th Magers Berlin er├Âffnet zeitgleich die Ausstellung "Jenny Holzer, Barbara Kruger, Louise Lawler, Cindy Sherman, Rosemarie Trockel" (17.09. ÔÇô 21.10.2015 / Er├Âffnung: 16.09., 18-21 Uhr). Teil der Pr├Ąsentation sind neue Arbeiten Shermans aus dem Jahr 2015, in welchen die K├╝nstlerin erstmals eigene Werke aus verschiedenen Phasen ihres ┼ĺuvres in ├ťberblendungen und Zusammenschnitten auf eine gemeinsame Bildfl├Ąche bringt. www.spruethmagers.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Female Trouble - Die Kamera als Spiegel und B├╝hne weiblicher Inszenierungen - Inka Graeve Ingelmann



Quelle Text: me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht. Clarissa Lempp, AVIVA-Berlin)

Kultur Beitrag vom 29.08.2015 AVIVA-Redaktion 





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