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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.08.2016

Looping - Das Kinospielfilmdeb√ľt von Leonie Krippendorff. Mit Jella Haase, Lana Cooper und Marie-Lou Sellem. Kinostart: 25. August 2016
Laura Seibert

Leila, Frenja und Ann treffen sich als Patientinnen einer psychiatrischen Klinik an der Ostsee. Die Au√üenwelt fliehend, verbindet sie fast unmittelbar eine z√§rtlich-verliebte Dreisamkeit, die sie bald wieder aufgeben m√ľssen.



Drei Frauen, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben, werden im gleichen Zimmer untergebracht:

Leila, 19 Jahre, lebt auf Rummelplätzen. Frenja, Mitte dreißig, hat eine kleine Tochter und wohnt mit ihrem Partner Ole zusammen. Ann, 52 Jahre, ist die älteste und eine Abenteurerin. Nicht selten mischt sie die Stimmung auf, organisiert Marihuana und stiftet zum nächtlichen Nacktbaden an. Dabei gibt sie sich nie preis. Warum sie in der Klinik ist, weiß nur Frenja, aber auch sie hält dicht.

Fluchtpunkt Utopie

Zu dritt lassen sie ihre schmerzhaften Leben hinter sich, schaffen einen intimen und privaten R√ľckzugsort in einer Institution, die am wenigsten Geborgenheit verhei√üt. Leila, von ihrer besten Freundin Sarah f√ľr Paul verschm√§ht, trifft endlich andere Frauen, mit denen sie schlafen, einschlafen und zusammen sein kann. Ewig scheinen diese Momente der Dreisamkeit anzudauern. F√ľrsorge, Z√§rtlichkeit und Begehren verbinden Leila, Frenja und Ann, die sich innerhalb des Kliniklebens nicht mehr im Stich lassen. Doch die Realit√§t, die zur√ľckgelassenen Leben, aus denen sie sich vor√ľbergehend befreit haben, dringt immer wieder in ihre Parallelwelt durch.

Mit reduzierten, aber umso st√§rkeren Dialogen, kommt Vieles im Ungesagten zur Sprache. Als Leilas Vater sie in die Klinik begleitet, verabschiedet er seine Tochter, ohne zu verstehen, was vor sich geht. "Willst du es wissen?" Sprichw√∂rtliches Schweigen. Die vielen wortlosen Sequenzen werden untermalt von einem atmosph√§rischen, experimentellen Soundtrack der in Berlin lebenden Folkmusikerin Tammy Ingram, der die aufgeladenen, beklemmenden und manchmal euphorischen Gef√ľhle musikalisch erfahrbar macht.

Und was kommt dann?

In R√ľckblenden erf√§hrt die Zuschauerin nach und nach Einzelheiten √ľber die unterschiedlichen Biographien der Protagonistinnen, sowohl durch eindeutige als auch nur angedeutete, episodenhafte Bilder. Gewalterfahrungen und Missbrauch haben tiefe Spuren hinterlassen. Aber auch Verlassen-Werden und der zerm√ľrbende Alltagswahnsinn forderten ihre Kr√§fte heraus. Umso kostbarer wird die vertrauensvolle Intimit√§t zwischen Leila, Frenja und Ann. Rauchend, lachend, tanzend, verbringen sie fast jede Minute zusammen.

Leila: "Ich muss mal raus hier aus diesem Kaff - Hey! Ich hab gar nicht richtig gezogen."
Frenja: "Das solltest du auch nicht. Vielleicht habe ich dich ja geschwängert." (Lachen)
Leila: "Also?"
Ann: "Also gut. Was unsere Prinzessin möchte."

Obwohl die Klinik ihr einziger Zufluchtsort bleibt, rei√üen sie nachts regelm√§√üig aus. Unausweichlich sehen sie sich immer dringender mit der Frage konfrontiert, was kommen wird, wenn ihre gemeinsame Zeit wieder vorbei ist. Frenja will zur√ľck zu ihrer Tochter Lilli. Leila tr√§umt von einem gemeinsamen Leben als Schaustellerinnen, ein Traum, in dem Lilli, Frenja und Ann Platz haben, Frenjas Partner Ole jedoch nicht. Und Ann verschwindet immer wieder, kapselt sich ab.

AVIVA-Tipp: Ein ber√ľhrendes und au√üergew√∂hnlich intensives Drama √ľber drei Frauen, die au√üerhalb der Klinik kaum etwas verbindet, sich aber trotz ihrer Verschiedenheit darauf einlassen, eine Beziehung zueinander aufzubauen. Gleichzeitig birgt der Film die hoch relevante Kritik einer frauenfeindlichen Gesellschaft, in der Frauen an kaum einem Ort frei sein k√∂nnen, √ľber ihre Lebensentw√ľrfe und sexuellen Orientierungen selbst zu bestimmen. In ihrem ersten Langspielfilm beweist die Regisseurin Leonie Krippendorff eine beeindruckend sensible Beobachtungsgabe, welche in der reduzierten Erz√§hlweise dramaturgisch wirkungsvoll zur Geltung kommt und das Wesentliche gekonnt einf√§ngt.

Zur Regisseurin: Leonie Krippendorff wurde 1985 in West-Berlin geboren. Nach dem Realschul-Abschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur Fotografin. Im Jahr 2009 begann sie ein Regiestudium an der Filmuniversit√§t Babelsberg Konrad Wolf. Seit September 2015 ist die Meistersch√ľlerin bei Prof. Andreas Kleinert. "Looping" ist ihr Diplom- und erster Langspielfilm. Derzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Spielfilm, "Elefantenkinder".

Die Hauptdarstellerinnen:

Die Berlinerin Jella Haase, geboren 1992, spielt schon seit ihrer fr√ľhen Kindheit Theater. Mit 17 hatte sie ihre erste Hauptrolle in dem Fernsehfilm "Mama kommt!". F√ľr ihren Auftritt in Ziska Riemanns "Lollipop Monster" (2011) und David Wnendts "Kriegerin" (2011) erhielt sie den Bayrischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin. F√ľr ihre Rolle als minderj√§hrige Prosituierte in dem Bremer Tatort "Puppenspieler" wurde sie zwei Jahre sp√§ter mit dem G√ľnter-Strack-Fernsehpreis geehrt. 2013 spielte sie auch in dem Spielfilm "Puppe" mit. Dem breiten Kinopublikum ist Haase aus den Schulkom√∂dien "Fack ju G√∂hte" 1 und 2 bekannt. Auf der Berlinale 2016 wurde sie daf√ľr mit dem Preis Europ√§ischer Shootingstar geehrt.

Lana Cooper wurde 1981 in Hamburg geboren, wo sie von 2002 bis 2004 als Mitglied des Jugendtheaterclubs Backstage am Deutschen Schauspielhaus erste B√ľhnenerfahrung sammeln konnte und im Anschluss am Schauspiel-Studio Frese studierte. Ihr Kinodeb√ľt hatte Cooper im Jahr 2008 in der gefeierten Verfilmung von Heinz Strunz¬ī Bestseller "Fleisch ist mein Gem√ľse". Ihre erste Hauptrolle spielte sie in R. P. Kahls "Bedways" (2010). Den endg√ľltigen Kino-Durchbruch schaffte sie mit Jakob Lass¬ī Liebeskom√∂die "Love Steaks" (2013). F√ľr ihre Rolle als K√ľchenangestellte erhielt Cooper beim Filmfest M√ľnchen den F√∂rderpreis Neues Deutsches Kino in der Kategorie Schauspiel.

Marie-Lou Sellem, 1966 in G√∂ttingen geboren, wuchs im franz√∂sischen Rennes auf. Nach einem Schauspielstudium an der Essener Folkwang-Hochschule erhielt sie an der Philharmonie Essen ihr erstes Theaterengagement. Einem breiten Publikum wurde sie mit Tom Tykwers "Winterschl√§fer" (1997) bekannt. Im Jahr 2002 war sie beim Deutschen Filmpreis f√ľr ihre Leistung in gleich drei Filmen nominiert: "Mein Bruder, der Vampir", "Nichts bereuen" und "Hilfe, ich bin ein Junge". Im deutschen Fernsehen tritt sie immer wieder in Krimi-Formaten in Erscheinung (u.a. Tatort, Der Kriminalist, Ein Fall f√ľr zwei). 2013 spielte sie in Caroline Links Kinofilm "Exit Marrakech" mit.

Looping
D 2016
Buch und Regie: Leonie Krippendorff
Darstellerinnen: Jella Haase, Lana Cooper, Marie-Lou Sellem
Kamera: Jieun Yi
Schnitt: Jihyeon Park
Produktion: Alexander Säidow, Thorsten Lenz, Johannes Wöpkemeier
Musik: Tammy Ingram
Tongestaltung: Christoph Walter
Szenenbild: Sophia Kuhn
Kost√ľmbild: Lena Nienaber
Maske: Anna Kunz
Casting: Bettina Kamps
Lauflänge: 106 Min.
Kinostart: 25. August 2016
Der Film im Netz: www.josthering.de

Die Musikerin Tammy Ingram im Netz: www.tammyingram.net


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Kultur Beitrag vom 08.08.2016 AVIVA-Redaktion 





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