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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 02.10.2017

Happy End. Der neue Film von Michael Haneke mit Isabelle Huppert und Fantine Harduin. Kinostart: 12. Oktober 2017
Tina Schreck

Wie schon in seinem k├╝hlen Thriller "Cach├ę" setzt sich der preisgekr├Ânte Regisseur und Drehbuchautor mit bourgeoiser Schuld auseinander und zeichnet mit seinem Cast anhand eines schonungslosen Portr├Ąts einer b├╝rgerlichen, wei├čen, europ├Ąischen Mittelschichtfamilie ein verst├Ârendes Bild einer ignoranten Gesellschaft.



Damit ist Haneke erneut im Rennen um die Oscars® und steht zum dritten Mal im Wettbewerb um die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes, mit der er bereits für "Amour" (2012) und "Das weisse Band" (2009) ausgezeichnet wurde.

"Rundherum die Welt und wir mittendrin, blind", so der knappe Kommentar von Michael Haneke im Vorfeld zur Urauff├╝hrung seines j├╝ngsten Werks, "Happy EndÔÇť auf den Filmfestspielen in Cannes.

Damit gemeint sind wir alle, die wir uns eher mit unseren eigenen Problemen besch├Ąftigen und das Leid der Anderen h├Ąufig lediglich in den Medien verfolgen, w├Ąhrend vor unseren T├╝ren die Fl├╝chtlingskrise tobt. Diese jedoch wird im Film im Hintergrund gehalten, da Michael Haneke nach eigener Aussage ausschlie├člich Themen behandelt, von denen er etwas versteht. "Ich kann keinen Film ├╝ber Immigranten machen, weil ich zu wenig ├╝ber sie wei├č. Ich habe weder mit ihnen gelebt, noch bin ich selber einer. Es w├Ąre frivol", wie er gegen├╝ber dem Internetportal kurier.at in einem Interview erkl├Ąrt. Sichtbar wird die Thematik im Film trotzdem, wenn auch nur in einigen, wenigen Sequenzen. So wirkt das Verh├Ąltnis, das die reichen Laurents zu dem Immigrant_innen-Ehepaar pflegen, das f├╝r sie arbeitet, forciert und unterk├╝hlt. Unangebrachte Scherze wie "Jamila ist unsere marokkanische Sklavin", werden nach kurzer Emp├Ârung einfach weggel├Ąchelt. Denn die Etikette zu wahren hat im Hause Laurent oberste Priorit├Ąt.

Les Laurent:

Der lebensm├╝de Georges stellt das Familienoberhaupt dar. Er hat das Sagen in der Stadtvilla und alle ordnen sich ihm unter. Seine Tochter Anne leitet das Familienunternehmen, das trotz ihrer strengen F├╝hrung kurz vor dem Ruin steht. In ihre Fu├čstapfen soll ihr chronisch ungl├╝cklicher Sohn Pierre treten, der sich aber ausschlie├člich f├╝r seine Alkoholexzesse interessiert. Georges┬┤ Sohn und Annes Bruder Thomas, liebloser Ehemann und frischgebackener Vater, bringt die zw├Âlfj├Ąhrige ├łve, seine Tochter aus erster Ehe mit, die seit der lebensbedrohlichen Tabletten-├ťberdosis ihrer depressiven Mutter mit in dem riesigen Anwesen lebt. Anstatt das M├Ądchen liebevoll in ihrer neuen Umgebung willkommen zu hei├čen, ist die Familie sichtlich ├╝berfordert mit der Situation und zieht es vor, nicht ├╝ber den Vorfall zu sprechen.

Vom Totschweigen und Wegsehen

Wichtige Angelegenheiten werden bei den Laurents ohnehin lieber unter den Teppich gekehrt. Als Georges seinem Leben ein Ende setzen will, wird der gescheiterte, jedoch offensichtliche Versuch von der Familie geflissentlich als ungl├╝cklicher Unfall abgetan. Auch der drohende Konkurs der Firma, Pierres Alkoholsucht oder die verkorkste Beziehung zwischen Thomas und seiner Frau Ana├»s sind nicht der Rede wert. Une vision de famille d├ęsesper├ęe? Nicht f├╝r Regisseur Michael Haneke, der das von ihm kreierte Familienmodell als durchaus realistisch empfindet, wie er der franz├Âsischen Presse in Cannes mitteilte.

Schuld ohne S├╝hne

Chronische Gleichg├╝ltigkeit, Ehebruch oder sogar Mord - schuldig sind sie alle auf eine Art und Weise. Sich damit auseinandersetzen, geschweige denn, f├╝r ihre/seine Taten(losigkeit) Verantwortung ├╝bernehmen, m├Âchte allerdings niemand. Besonders drastisch spiegeln sich diese egomanen, r├╝cksichtslosen Z├╝ge bei der jungen ├łve wider, die ebenso apathisch auf den Suizidversuch ihres Gro├čvaters wie auch auf die Medikamentenvergiftung ihrer Mutter reagiert. Als sie nach deren Tod im Chatverlauf ihres Vaters verf├Ąngliche Sexbotschaften an seine Geliebte entdeckt, zeigt das M├Ądchen erste, wenn auch h├Âchst selbstbezogene Gef├╝hle: "Du hast Mama nicht geliebt. Du liebst Ana├»s nicht. Du liebst mich nicht. Das ist nicht weiter schlimm. Ich will nur nicht in ein Heim."

Generation Internet

In ihrer Freizeit besch├Ąftigt sich die Teenagerin vornehmlich mit ihrem Smartphone. Sie schaut Youtube-Videos und chattet viel. Zur realen Welt hat sie kaum Bezug. Den tristen Alltag ihrer an Depressionen leidenden Mutter sowie den eigenh├Ąndig herbeigef├╝hrten Tablettentod ihres Hamsters filmt sie teilnahmslos mit ihrer Handykamera, um die Clips sp├Ąter mit gleichg├╝ltigen Kommentaren versehen ins Netz zu stellen.

Realit├Ątsverlust und fehlende Empathie der jungen Generation stellt seit "Benny┬┤s Video" (1992) eines der Haupthemen in Michael Hanekes Arbeit dar, das er auch in "Happy End" wieder aufgreift. Die 2005 geborene, belgische Schauspielerin Fantine Harduin schl├╝pft ├╝berzeugend in die Rolle der internetaffinen ├łve, deren Grenzen zwischen digitaler und realer Welt verschwimmen. Eine Jugendliche, die nicht gleichg├╝ltiger mit Leid und Tod, selbst mit ihrem eigenen, umgehen k├Ânnte. Glaubw├╝rdig repr├Ąsentiert sie die Verrohung der modernen Gesellschaft durch den t├Ąglichen ├ťberschuss an Gewalt und Stumpfsinnigkeit durch die sozialen Netzwerke, w├Ąhrend sich das Elend ungehindert und in unmittelbarer N├Ąhe ausbreitet.

AVIVA-Tipp: Auf das Happy End im gleichnamigen Film warten die Zuschauer_innen vergeblich. Vielmehr verlieren sich die Figuren immer tiefer in den dunklen Abgr├╝nden ihrer jeweiligen Pers├Ânlichkeit. Ein satirischer Alptraum, bedr├╝ckend und d├╝ster ÔÇô eine Familie ├á la Haneke eben. Ein filmisch brillant umgesetztes Vexierbild unserer modernen Gesellschaft.

Zur Hauptdarstellerin: Isabelle Huppert wurde am 16.M├Ąrz 1953 als Tochter der Englischlehrerin Annick Huppert und des Sicherheitsingenieurs Raymond Huppert in Paris geboren und nahm bereits im Alter von vierzehn Jahren am Conservatoire de Versailles Schauspielunterricht. Ihr Studium absolvierte sie dann auf dem Conservatoire d┬┤Art Dramatique und startete zun├Ąchst eine beeindruckende Theaterkarriere. Sie spielte unter anderem in B├╝hnenwerken wie "A Month in the Country" von Ivan Turgenev oder als Hauptdarstellerin in Euripides┬┤ "Medea" mit und ├╝bernahm Hauptrollen in klassischen St├╝cken wie Shakespeares Kom├Âdie "Ma├č f├╝r Ma├č" (1991) und Schillers "Maria Stuart" (1996). Ihr Filmdeb├╝t gab sie 1972 mit Nina Companeez┬┤ Verfilmung des Dramas "Faustine et le bel ├ęt├ę". Neben nationalen Erfolgen wie "Madame Bovary" (1991) oder "8 Frauen" (2002) war sie zudem in vielen internationalen Filmen zu sehen. In der deutsch-├Âsterreichischen Produktion "Malina" sowie in dem phillippinischen Film "Captive" (2012), an dem deutsche, franz├Âsische und britische Coproduzent_innen beteiligt waren, spielte sie jeweils die Hauptrolle. Auch f├╝r Michael Haneke stand sie bereits 2012 f├╝r "Amour" vor der Kamera.
Mehr Infos zu Isabelle Huppert unter: www.imdb.com

Zur Hauptdarstellerin: Fantine Harduin wurde am 23. Januar in Mouscron in Belgien geboren. Im Alter von sieben Jahren nahm sie gemeinsam mit ihrem Vater in der Fernseh-Show "Belgium got Talent" teil und war erstmals erstmals auf dem Bildschirm zu sehen. 2014 bekam sie die Hauptrolle in Maria Castillejo Carmen┬┤s Kurzfilm "Taram Tarambola" und spielte in zwei Folgen der f├╝nften Staffel der franz├Âsischen Krimiserie "Engrenages" sowie in den Filmen "The New Adventures of Aladdin" (2015) und "Fannys Reise" (2016) mit.
Weitere Infos zu unter: www.fantineharduin.be oder unter www.imdb.com

Happy End
Frankreich/├ľsterreich/Deutschland 2017
Regie: Michael Haneke
Produzent_innen: Margaret Menegoz, Stefan Arndt, Uwe Schott, Michael Katz
Darsteller_innen: Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant, Fantine Harduin, Mathieu Kassovitz, Franz Rogowski, Laura Verlinden
L├Ąnge: 107 Minuten
Kinostart: 12.10.2017
Trailer: www.youtube.com
Filmwebsite: www.x-verleih.de/filme/happy-end
Facebook: www.facebook.com

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Kultur Beitrag vom 02.10.2017 Tina Schreck 





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