Manifesto. Ein Film des Film- und Videok├╝nstlers Julian Rosefeldt mit der zweifachen Oscar┬«-Gewinnerin Cate Blanchett. Kinostart: 23. November 2017 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 21.11.2017

Manifesto. Ein Film des Film- und Videokünstlers Julian Rosefeldt mit der zweifachen Oscar®-Gewinnerin Cate Blanchett. Ab 25. Mai 2018 auf DVD
Tina Schreck

Die australische Schauspielerin und zweifache Oscar-Gewinnerin ("Aviator", "Blue Jasmine") ist in diesem au├čergew├Âhnlichen Werk in zw├Âlf gro├čartigen Episoden zu sehen, die allesamt diverse, zeitlose Manifeste verschiedener Kunststr├Âmungen des vergangenen Jahrhunderts behandeln. Vom Obdachlosen bis zur Brokerin, von der Pop-Art bis hin zu Dogma 95 ├╝berzeugt Cate Blanchett mit cham├Ąleonhaft schauspielerischem K├Ânnen.



"All that is solid melts into air"

Mit diesem frei ├╝bersetzten, einleitenden Satz aus Karl Marx und Friedrich Engels kommunistischem Manifest ("Alles St├Ąndische und Stehende verdampft") beginnt auch der Film unter der Regie des renommierten Film- und Videok├╝nstlers Julian Rosefeldt, in dem die fabelhafte Cate Blanchett mit enormer Wandlungsf├Ąhigkeit beeindruckt.

"Ein K├╝nstlermanifest ist ein Text voller Lebensfreude, Energie und absoluter ├ťberzeugung, der auf seiner juvenilen, jugendlichen, enthusiastischen Grundhaltung geschrieben ist und die Welt ver├Ąndern will", definiert der Regisseur den Begriff gegen├╝ber dem Bayrischen Rundfunk, welcher als Kooperationspartner des Films fungierte und somit auch die deutsche Fernsehpremiere ausstrahlen wird.

Die dreizehn poetischen Monologe und deren performative Energie werden von nur einer einzigen Protagonistin (Cate Blanchett) auf beeindruckende Weise zum Ausdruck gebracht. Die jeweiligen Zuh├Ârer_innen fungieren hierbei als stille, unbewegte Statist_innen, die den mantraartigen Proklamationen der Vortragenden folgen. Das daraus resultierende Gedankenspiel spiegelt verschiedene Etappen der Kunstgeschichte wieder und setzt sich mit der Frage auseinander, welche Rolle Kunst in der heutigen Zeit spielt.

MANIFESTO greift dabei auf die Texte von Futurist_innen, Dadaist_innen, Fluxus-K├╝nstler_innen, Suprematist_innen, Situationist_innen und anderer K├╝nstler_innengruppen zur├╝ck, ebenso wie auf die ├ťberlegungen einzelner K├╝nstler_innen, Architekt_innen, T├Ąnzer_innen und Filmemacher_innen. Rosefeldt hat diese Manifeste bearbeitet, in zw├Âlf brillanten Collagen neu zusammengef├╝gt und so die Ideen von Claes Oldenburg, Yvonne Rainer, Kazimir Malevich, Andr├ę Breton, Sturtevant, Sol LeWitt, Jim Jarmusch und vielen mehr miteinander verwoben.

13 Figuren, 12 Drehtage

Brokerin, Mutter, Managerin, Grabrednerin, Punkerin, Choreographin, Lehrerin, Fabrikarbeiterin, Nachrichtensprecherin, Reporterin, Puppenspielerin, Wissenschaftlerin und Obdachloser - Auf ph├Ąnomenale Weise switcht die Hauptdarstellerin zwischen den Charakteren, deren verschiedenen Akzenten sowie unterschiedlichen Milieus und Pers├Ânlichkeiten hin und her. Ein unglaublicher Kraftakt, nicht nur f├╝r die Schauspielerin selbst, die in k├╝rzester Zeit eine enorme Flut an Texten lernen musste, sondern f├╝r das gesamte Team, das gezwungen war, unter enormen Zeitdruck zu arbeiten. "Manchmal mussten wir aus logistischen ├ťberlegungen zwei Figuren an einem Tag zur H├Ąlfte drehen", erkl├Ąrt Julian Rosefeldt gegen├╝ber dem BR und unterstreicht das atemberaubende Spiel seiner Protagonistin: "Der Film ist auch eine Hommage an sie oder ihr schauspielerisches K├Ânnen und nicht nur an die Idee des k├╝nstlerischen Manifestes."

Facettenreiches Spiel

Cate Blanchett schl├╝pft furchtlos in jede Rolle, mal ist sie b├Ąrtiger, betrunkener Obdachloser, der seinen Einkaufswagen durch ein postindustrielles ├ľdland zieht und in einwandfreiem schottischem Akzent proklamiert: "We glorify the revolution aloud as the only engine of life. We glorify the vibrations of the inventors young and strong. They carry the flaming torch of the revolution!".

Dann als konservative Mutter, die ihrer Familie in biederer Schluppenbluse Claes Oldenburgs Pop-ArtÔÇôManifest vorbetet und somit einen herrlich-komischen Kontrast zu dem darstellt, f├╝r das die Popkultur eigentlich stand. "I am for art that comes out of a chimney like black hair and scatters in the sky,", murmelt sie, w├Ąhrend ihre Kinder hungrig auf den Thanks-Giving-Truthahn sp├Ąhen.

Ein anderes Mal als toughe B├Ârsenmaklerin, die ein futuristisches Manifest aus dem Jahre 1909 vortr├Ągt und sich entschlossen gegen die verstaubte Vergangenheit, hin zu einer glorreichen Zukunft wendet, wenn sie feierlich verk├╝ndet: "Shit on Montaigne, Wagner, Beethoven and Baudelaire. Look at us. We are not exhausted yet. Our hearts feel no weariness, for they feed on fire, on hatred, and on speed."

Statements der Kunstgeschichte

Zu sehen sind insgesamt 60 Manifeste, die zum Teil neu collagiert, editiert oder gek├╝rzt wurden und die allesamt die verschiedenen Kunststr├Âmungen des 20. Jahrhunderts behandeln. So greift Julian Rosefeldt unter anderem auf Texte der technik- und kriegshungrigen Futurist_innen, den nihilistischen Dadaist_innen oder den revolution├Ąren Surrealist_innen sowie einzelner K├╝nstler_innen, Architekt_innen oder T├Ąnzer_innen zur├╝ck und f├╝gt sie in zw├Âlf brillanten Episoden neu zusammen. Diese neu entstandenen Manifesttexte verbindet der Videok├╝nstler mit seinem Interesse an den Arbeits- und Lebenswelten der Gegenwart und f├╝hrt sie mit Situationen der heutigen Zeit zusammen. Die Ursprungsidee des Projekts, die f├╝r Julian Rosefeldt nach wie vor Vorrang hat, war die der gleichnamigen Videoinstallation, die unter anderem im Australian Centre for the Moving Image, der Park Avenue Armory in New York sowie vom 10. Februar bis 18. September 2016 im Hamburger Bahnhof - Museum f├╝r Gegenwart ÔÇô Berlin jeweils auf zw├Âlf Screens simultan gezeigt wurde. Daraus wurde dann eine etwas k├╝rzere Singlescreen-Variante zusammengeschnitten, aus der die jetzige Kinofassung resultiert, die am 26. Januar 2017 auf dem Sundance Film Festival ihre Premiere feierte.

Schlussbild

Am Ende werden alle Episoden zeitgleich eingeblendet und aus den klaren Monologen entsteht ein chaotisches Stimmgewirr, das nach und nach in harmonischen Chorgesang ├╝bergeht. Eine sch├Âne Schlussszene, die den Film wieder zur urspr├╝nglichen Museumsinstallation werden l├Ąsst, wo alle Manifeste zusammenflie├čen und zu einem gro├čen Ganzen werden.



AVIVA-Tipp: "Manifesto" ist ein Film voller Kraft und Leidenschaft, der auf intelligente Weise die jeweiligen ├ťberzeugungen verschiedener Kunststr├Âmungen beschreibt. Ein anspruchsvolles Werk, das ├ästhetik, Poesie und Rebellion zu einer geistreichen Symphonie durch eine starke Protagonistin, Cate Blanchett, zusammenf├╝gt.

Manifesto
Deutschland/Australien 2017
Regie und Drehbuch: Julian Rosefeldt
Darsteller*innen: Cate Blanchett
Make-up: Morag Ross
Kost├╝m: Bina Daigeler
Verleih: DCM Film Distribution GmbH
Laufl├Ąnge: 95 Minuten
Kinostart: 23.11.2017
Ab 25. Mai 2018 auf DVD. Im Verleih von DCM
Technische Daten:
Laufl├Ąnge Hauptfilm: 95min
Bildformat: 1,85:1 (16:9 anamorph)
FSK: Freigegeben ab 0 Jahren
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Englisch / Untertitel: Deutsch

Filmwebsite und Trailer: dcmworld.com
Facebook: www.facebook.com

LEGENDE:
SITUATIONISMUS: Obdachlose
FUTURISMUS: B├Ârsenmaklerin
ARCHITEKTUR: Arbeiterin in einer M├╝llverbrennungsanlage
VORTIZISMUS / BLAUER REITER / ABSTRAKTER EXPRESSIONISMUS: Gesch├Ąftsf├╝hrerin bei einem privaten Empfang
ESTRIDENTISMUS / KREATIONISMUS: T├Ątowierte Punkerin
SUPREMATISMUS / KONSTRUCTIVISMUS: Wissenschaftlerin
DADAISMUS: Trauerrednerin
SURREALISMUS / SPATIALISMUS: Puppenspielerin
POP ART: Konservative Mutter mit Familie
FLUXUS / MERZ / PERFORMANCE: Choreographin
KONZEPTKUNST / MINIMALISMUS: Nachrichtensprecherin und Reporterin
FILM / EPILOG: Lehrerin

Zur Hauptdarstellerin: Cate Blanchett wurde am 14. Mai 1969 in Melbourne, Australien geboren. Bereits 1997 in ihrer Heimat avancierte sie zur mehrfach ausgezeichneten Theatermimin. Mit Bruce Beresfords "Paradise Road" (1997) gab die Schauspielerin schlie├člich ihr Filmdeb├╝t. Ihren Durchbruch feierte sie nur wenige Monate sp├Ąter als leidenschaftliche und charismatische Spielerin in Gillian Armstrongs "Oscar und Lucinda"(1997). Seitdem erhielt sie f├╝r ihre Filme "Elizabeth" (1998) sowie "Tagebuch eines Skandals" (2007) jeweils eine Oscar- als auch eine Golden Globe- Nominierung. F├╝r ihre Darstellung in "Die Journalistin" (2003) wurde sie ebenfalls f├╝r den Golden Globe nominiert und f├╝r ihre herausragende Bob Dylan-Interpretation in "I┬┤m Not There" (2008) mit dem Coppa Volpi, dem Darsteller_innenpreis der 64. Filmfestspiele von Venedig, ausgezeichnet. Einen Oscar erhielt sie schlie├člich f├╝r ihre jeweiligen Glanzleistungen in "Aviator" (2004) sowie "Blue Jasmine" (2013). Insgesamt wurde die Schauspielerin mit ├╝ber 70 internationalen Film- und Festivalpreisen geehrt.
Weitere Infos zu Cate Blanchett unter: www.imdb.com


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Copyright Fotos/Grafik: DCM

Kultur Beitrag vom 21.11.2017 Tina Schreck 





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