Se├▒ora Teresas Aufbruch in ein neues Leben. Ein Film von Cecilia At├ín und Valeria Pivato mit Paulina Garcia. Kinostart: 30. November 2017 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.11.2017

Señora Teresas Aufbruch in ein neues Leben. Ein Film von Cecilia Atán und Valeria Pivato mit Paulina Garcia. Kinostart: 30. November 2017
Tina Schreck

Nach dem Welterfolg "Gloria" (2013) begeistert die chilenische Ausnahmeschauspielerin Paulina Garcia nun in diesem charmanten Roadmovie, der viel mehr als eine gew├Âhnliche Liebesgeschichte ist. Vielmehr geht es um die Liebe zu sich selbst und um verstecktes Potenzial, das manchmal erst in unw├Ągbaren Situationen an die Oberfl├Ąche gelangt. Der Deb├╝tfilm der beiden Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen wurde bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes in der Sektion "Un Certain Regard" aufgef├╝hrt.



"The starting point was my wish to portray a feeling of not being tied to a place through a character", antwortet Cecilia At├ín im Cannes-Interview auf die Frage, wie die Idee zum Film entstand. Dieses Gef├╝hl der Ungebundenheit entwickelt sich in dem charmanten Roadmovie peu ├á peu, leise und mit Bedacht. Es ist der Prozess einer Frau, die unerwartet aus ihrer Komfortzone gerissen wird und deren ungeahnte, innere St├Ąrken sich erst durch diesen pl├Âtzlichen Sicherheitsverlust entfalten. Das Unvorhergesehene wird zur treibenden Kraft, die sie lehrt, loszulassen und ihre neue Freiheit zu genie├čen.

Die Reise durch die W├╝ste

Seit Jahrzehnten schon arbeitet die 54-j├Ąhrige Teresa als Haush├Ąlterin f├╝r eine Familie in Buenos Aires. Sie ist fest davon ├╝berzeugt, Teil dieser Familie zu sein, der sie ihr ganzes Leben gewidmet hat. Als diese jedoch ihr Haus verkaufen muss, verliert Teresa nicht nur ihren Job, sondern alles, was sie hat. Aus ihrer heilen Welt gesto├čen, klammert sie sich an das bisschen, was ihr bleibt: eine Tasche mit einigen wenigen Habseligkeiten. Widerwillig macht sie sich auf den Weg zu einer neuen Familie im 700 Meilen entfernten San Juan, um ihr Leben neu zu ordnen. Doch dann kommt alles ganz anders als es soll.

La Difunta Correa

"Mysteri├Âse Dinge haben immer mit der Heiligen zu tun", wird Teresa gleich zu Beginn ihrer Reise durch die argentinische W├╝ste von einer Fremden aufgekl├Ąrt. Gemeint ist Deolinda Correa, die einst mit ihrem S├Ąugling dieselbe W├╝ste durchquerte, um ihren von spanischen Soldaten verschleppten Ehemann wiederzufinden. Nach wenigen Tagen verdurstete sie mit ihrem Baby in den Armen, das ├╝berlebte, indem es von den Br├╝sten seiner toten Mutter trank. Bis heute wird sie von vielen Menschen die Schutzheilige der Reisenden verehrt, die als Sinnbild f├╝r die treue, liebende Frau und aufopferungsvolle Mutter gesehen wird. So wie die W├╝ste die Metapher f├╝r das Unbehagen der Selbsterfahrung ist, steht die Correa im Film allerdings f├╝r die Kraft der Natur, die allen Widrigkeiten trotzt. In diesem mythischen und doch sehr lebendigen Kontext muss Teresa ihren ersten, schicksalhaften R├╝ckschlag einstecken: Sie vergisst ihre Tasche mit all ihrem Hab und Gut in dem Truck des fahrenden H├Ąndlers Gringo (Claudio Rissi). Verzweifelt begibt sich Teresa zun├Ąchst auf die Suche nach dem charismatischen Reisenden, um schlie├člich mit dessen Hilfe ihre verlorenen Habseligkeiten wiederzufinden. Gemeinsam fahren sie mit seinem Pickup die verschiedenen Stationen ab, an denen Gringo die Nacht zuvor seine Ware abgeladen hat.

Die Verwandlung

W├Ąhrend des gemeinsamen Roadtrips f├╝llt sich die stille, introvertierte Teresa langsam mit Leben und Farbe. Mit vollkommener Akribie interpretiert die chilenische Schauspielerin Paulina Garc├şa diese zaghafte Metamorphose, die sich vor allem in Mimik und K├Ârperhaltung widerspiegelt. Teresa, die zu Beginn penibel darauf bedacht ist, jegliche Emotionen zu unterdr├╝cken und Blickkontakte zu meiden, bl├╝ht mit der Zeit immer mehr auf. Auch dass der charmante, enigmatische Gringo sie nicht kalt l├Ąsst, erschlie├čt sich lediglich aus einer kurzen, unspektakul├Ąren Szene, in der sie sich verstohlen im Autospiegel betrachtet und mit einem beinahe unmerklichen L├Ącheln einzelne Haarstr├Ąhnen ins Gesicht zupft. Angeregt durch Gringos Leichtigkeit, traut sie sich erstmals, Gef├╝hle zuzulassen und auf ihr Herz zu h├Âren. Nach und nach l├Âst sie sich so aus ihrer Starrheit und erwacht zu neuem Leben, in dem alles m├Âglich zu sein scheint.

AVIVA-Tipp: "Se├▒ora Teresas Aufbruch in ein neues Leben" lebt von den beeindruckenden Bildern der weiten W├╝ste, inmitten derer sich auf wundersame Weise zwei Schicksale kreuzen. Langsam und leise entwickelt sich eine zarte Romanze, die auf wundersch├Âne Weise auf das verweist, was wirklich wichtig ist: wir selbst.

Se├▒ora Teresas Aufbruch in ein neues Leben
Argentinien/Chile 2017
Regie und Drehbuch: Cecilia Atán und Valeria Pivato
Darsteller*innen: Paulina Garcia, Claudio Rissi, u.a.
Verleih: Arsenal Filmverleih GmbH
Laufl├Ąnge: 78 Minuten
Kinostart: 30.11.2017
Filmwebsite und Trailer: www.arsenalfilm.de

Auszeichnungen:

Un Certain Regard - Cannes Filmfestival 2017
Gewinner Cinema in Construction - Cinelatino - Toulouse 2017

Zu den Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen:

Cecilia At├ín wurde am 14. Dezember 1978 in Buenos Aires, Argentinien geboren. Sie begann ihre Karriere als Praktikantin bei Regisseur Eduardo Mignogna auf dem Set von "El faro" (1998). Danach arbeitete sie Regieassistentin, ehe sie ihren ersten eigenen Kurzfilm "El mar" drehte, der 2012 nach Cannes in die Kurzfilmreihe eingeladen wurde, bevor er bei Wettbewerben in Biarritz und Mar del Plata lief. 2015 f├╝hrte sie bei acht Episoden der Dokumentarserie "Madres de Plaza de Mayo. La historia" Regie, die 2016 f├╝r den Internationalen Emmy nominiert wurde. "Se├▒ora Teresas Aufbruch in ein neues Leben" ist ihr erster Spielfilm. Neben ihrer T├Ątigkeit als Regisseurin und Drehbuchautorin gr├╝ndete Cecilia At├ín 2004 gemeinsam mit Sebasti├ín Mignogna und Guido Mignogna die Produktionsfirma El Perro en la Luna.
Weitere Infos zu Cecilia Atán unter: www.imdb.com

Valeria Pivato wurde 1973 in Buenos Aires, Argentinien geboren. Nachdem sie ihr Studium f├╝r Design und Film absolvierte, war sie als Regieassistentin, Script Supervisor und Casting Director t├Ątig. So arbeitete sie unter anderem mit dem argentinischen Filmregisseur Juan Jos├ę Campanella an "Le Fils de la mari├ęe" (2001) sowie an "Dans ses yeux" (2010), der den Oskar f├╝r den Besten Fremdsprachigen Film erhielt. F├╝r den Film "Nordeste", der 2005 in Cannes bei "Un Certain Regard" aufgef├╝hrt wurde, fungierte sie als Script Supervisor. 2008 arbeitete sie mit Pablo Trapero an dem Drama "Leonera", der in Cannes im Wettbewerb lief. Mit "Before and afterÔÇŽ and after again" gewann sie 2013 die Patagonik International Screenwriters Competition und 2017 drehte sie gemeinsam mit Cecilia At├ín ihren ersten Langfilm "Se├▒ora Teresas Aufbruch in ein neues Leben".
Weitere Infos zu Valeria Pivato unter: www.imdb.com

Zur Hauptdarstellerin Paulina Garc├şa: Die Schauspielerin, Regisseurin und Dramaturgin wurde am 27. November 1960 in Santiago de Chile geboren und hat in ihrer langen Karriere zahlreiche Preise sowohl f├╝r ihre Filme wie auch f├╝r ihr B├╝hnenwerk gewonnen. Mit der Titelrolle in Sebasti├ín Leilos "Gloria" (2013) gelang ihr schlie├člich der internationale Durchbruch. F├╝r ihre beeindruckende Darstellung wurde sie auf der Berlinale mit dem Silbernen B├Ąren preisgekr├Ânt. Seither hat sie sowohl in US-Independent-Filmen wie "Little Men", als auch in gro├čen internationalen Produktionen wie der Netflix-Serie "Narcos" mitgespielt. Daneben wirkte sie in lateinamerikanischen wie Alejandro Fernandez Almendras┬┤ "Tout va bien" mit.
Weitere Infos zu Paulina Garc├şa unter: www.imdb.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

GLORIA
Hauptdarstellerin Paulina Garc├şa gewann f├╝r ihre ├╝berzeugende Darstellung der Gloria, einer Frau Ende 50, verdienterma├čen den Silbernen B├Ąren 2013. Diese Frau muss frau einfach lieben! Gloria ist 58 Jahre alt, geschieden und ihre Kinder sind schon aus dem Haus. Doch allein will sie ihre Tage und N├Ąchte nicht verbringen. (2014)

Kultur Beitrag vom 26.11.2017 Tina Schreck 





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