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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 18.02.2018

DIE VERLEGERIN. Originaltitel: The Post. Kinostart: 22. Februar 2018
Sharon Adler

Der Spielfilm von Steven Spielberg nach dem Drehbuch von Liz Hannah und Josh Singer ├╝ber die erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA, Katharine "Kay" Graham ist heute so aktuell wie damals. Er lenkt den Blick auf die Einflussnahme korrupter Politiker auf die Pressefreiheit, und macht einen der gr├Â├čten Politskandale sichtbar: Die Ver├Âffentlichung der Top-Secret "Pentagon-Papiere", die bewiesen, wie das Wei├če Haus jahrelang ├╝ber den Krieg in Vietnam gelogen und Regierungsgeheimnisse geh├╝tet hat. Erz├Ąhlt wird aber auch die Entwicklungsgeschichte einer Frau, die sich mutig ├╝ber das gesellschaftlich-politische Establishment stellte und damit ein gro├čes Risiko einging ÔÇô f├╝r sich selbst und alle JournalistInnen ihres Blatts, der Washington Post. Meryl Streep in einer Paraderolle.



Auch wenn diese Geschehnisse um mittlerweile 47 lange Jahre zur├╝ckliegen, erhalten sie doch heute eine neue Brisanz und Aktualit├Ąt. Wenn der 45. Pr├Ąsident der Vereinigten Staaten von Amerika einen Reporter von CNN stellvertretend f├╝r eine ganze Redaktion als "Fake News" verunglimpft, folgt er damit einer Tradition von (ausschlie├člich m├Ąnnlichen) Pr├Ąsidenten, die ihr Amt missbrauchten, belogen und betrogen, Fakten verbogen und vertuscht haben.

In diesem Fall geht es um den jahrzehntelangen Betrug der ├ľffentlichkeit, die Verf├Ąlschung von Tatsachen: Den Vietnam-"Krieg".

"DIE VERLEGERIN" (Originaltitel: The Post) stellt eine Frau in den Fokus, die eben dies publizierte und damit die "Watergate Aff├Ąre" ausl├Âste, die schlie├člich ÔÇô 1974 - zum Fall des US-Pr├Ąsidenten Richard Nixon f├╝hrte: Katharine "Kay" Graham (Meryl Streep) war keine Journalistin, wie Bob Woodward und Carl Bernstein. Sie war vor allem die Frau, die der Washington Post zum Aufstieg vom eher unpolitischen Provinzblatt zur einer der wichtigsten Zeitungen der USA verhalf: Katharine Graham, deren Karriere als Verlagschefin in jenem Jahr startete, in dem ihr Ehemann Selbstmord beging.

Obwohl Graham seit fr├╝hester Kindheit mit der Zeitung aufgewachsen war, steht sie nun pl├Âtzlich 1971 selbst an der Spitze des Verlags, und ist damit die erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA. Damit, und als einzige Frau im Vorstand der Zeitung hat sie keinen leichten Stand, "man" traut ihr nichts zu, nimmt sie nicht wahr und blickt bei Meetings buchst├Ąblich durch sie hindurch.
Zudem steht die Zeitung kurz vor dem B├Ârsengang ÔÇô richtig brisant wird es jedoch, als Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) ├╝ber Umwege von einem gigantischen Vertuschungsskandal im Wei├čen Haus Wind bekommt, in den vier US-Pr├Ąsidenten verwickelt sind. Truman, Kennedy, Johnson und Nixon. Bradlee, der sich vor allem f├╝r den Qualit├Ątsjournalismus der Post stark macht, hat stets den Star-Journalisten Neil Sheehan im Blick, der f├╝r die New York Times und damit f├╝r die Konkurrenz arbeitet. Bradlee ist klar, dass Sheehan "an etwas dran sein muss", weil er schon seit Wochen keine Zeile mehr von ihm in der Times gelesen hat.

Um das herauszufinden, schickt er einen Botenjungen los, der Sheehan auftreiben soll. Der findet sich ehrf├╝rchtig in den heiligen Hallen der Times wieder, wo Hunderte von ReporterInnen zwischen klingelnden Telefonen und hektischem Schreibmaschinengeklapper ihre Texte verfassen. Nebenbei bekommt die Zuschauerin so auch einen Einblick in die Redaktionen dieser Zeit, in der es anders als heute weder Computer noch Handys sondern Farbb├Ąnder und Tastentelefone gab.

Und ja, Sheehan ist an etwas dran, an etwas ganz Gro├čem. Ihm wurden die Papiere zugespielt, um die es in diesem Film geht. 47 Ordner mit insgesamt 7000 Seiten Kopien, angelegt von Daniel Ellsberg, ziviler Mitarbeiter des US-Au├čenministeriums in Vietnam.
Er n├Ąmlich hatte Zugang zu den "Pentagon-Papieren", die die Rolle der Pr├Ąsidenten zu ihrer Haltung zum Vietnamkonflikt dokumentierten, und die in drastischem Gegensatz zu den offiziellen Erkl├Ąrungen standen. Eben dies wurde nun in der New York Times gedruckt. Nixon rast vor Wut. Per Gerichtsbeschluss wird der Times vom Obersten Gerichtshof verboten, weitere Ausz├╝ge der Dokumente zu drucken und so gelangen sie schlie├člich zur Washington Post.

Wir drucken! / Let┬┤s do it, let┬┤s publish!

F├╝r die Pressefreiheit riskieren Kay und Ben ihre Karrieren und die Zukunft der Zeitung, sogar Gef├Ąngnis droht ihnen ÔÇô ihr m├Ąchtigster Gegner ist dabei die US-Regierung, die alles versucht, um die Ver├Âffentlichungen zu verhindern und die Presse mundtot zu machen. Es ist ein nervenzerrei├čender Kampf und keine einfache Entscheidung, die in der letzten Instanz nur Graham selbst f├Ąllen kann. Und genau das traut ihr keiner zu.

Dennoch: 1971 entscheidet Graham die geschichtstr├Ąchtige Ver├Âffentlichung der "Pentagon Papiere" und l├Ąutet damit nicht blo├č den Anfang vom Ende des Vietnamkriegs ein, sondern auch die Erneuerung des Gesetzes zur Informationsfreiheit, welches es seitdem B├╝rgerInnen erlaubt, Einblick in Regierungsdokumente zu erhalten. F├╝r diese mutige Entscheidung im Kampf um die Pressefreiheit wurde sie 2002 posthum mit der Presidental Medal of Freedom ausgezeichnet.

Am 22. Februar 2018 bringt das fesselnde Politdrama DIE VERLEGERIN die Geschichte von "Kay" Graham - verk├Ârpert von keiner Geringeren als Hollywood-Star Meryl Streep - auf die gro├če Kinoleinwand.

Die Crew

Beinahe alle der an der Aufdeckung und Publikation beteiligten JournalistInnen wurden sp├Ąter mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Darunter ist auch die Journalistin Meg Greenfield, die sp├Ąter Chefredakteurin der Washington Post wurde. Katharine Graham schrieb das Vorwort von Greenfields Buch Washington das 2001 ver├Âffentlicht wurde. Dargestellt wird sie im Film von Carrie Coon, die unter anderem in zehn Episoden der Serie "Fargo" zu sehen war.
"DIE VERLEGERIN" wurde von Steven Spielberg (Schindlers Liste, Bridge of Spies ÔÇô Der Unterh├Ąndler, Lincoln) erstmals f├╝r die gro├če Leinwand aufgearbeitet und in weniger als nur einem Jahr abgedreht.
F├╝r Regisseur Spielberg und Star Tom Hanks ist DIE VERLEGERIN der f├╝nfte gemeinsame Film ÔÇô mit Ikone Meryl Streep arbeiten beide zum ersten Mal zusammen.

Meryl Streep, die sich f├╝r Frauenrechte, u.a. f├╝r die Gleichberechtigung der Frauen in der Filmindustrie einsetzt, Mitbegr├╝nderin der Initiative gegen sexuelle Bel├Ąstigung "Time┬┤s Up" ist, und sich ├Âffentlich zur #MeToo-Kampagne positioniert, ist ein unbestechlicher Garant f├╝r die direkte Konfrontation mit l├Ąstigen, korrupten US-Pr├Ąsidenten. Ob Nixon in "DIE VERLEGERIN" oder Trump vor laufenden Kameras w├Ąhrend der Verleihung der Golden Globe Awards 2017. Damals hielt die Ausnahme-Schauspielerin eine politische Rede, in der sie den US-Pr├Ąsidenten kritisierte, ohne dabei nur einmal seinen Namen zu nennen.

Meryl Streep, und das ist keine gro├če ├ťberraschung, f├╝llt die Rolle der Katharine "Kay" Graham bis in jede kleinste Nuance ebenso authentisch wie intensiv aus: ihre anf├Ąngliche Unsicherheit in der m├Ąnnerdominierten Zeitungsbranche, von der sie ausschlie├člich als Erbin, als Anh├Ąngsel wahrgenommen und keinesfalls akzeptiert wird, bis zur mutigen selbstbestimmten Verlegerin. Ihre inneren Konflikte zwischen Loyalit├Ąt alten Freunden gegen├╝ber versus Wahrheit und Unabh├Ąngigkeit der Presse und schlie├člich auch das Ringen um die Akzeptanz ihrer Position macht die dreifache Oscar-Gewinnerin Meryl Streep in jeder Szene gewohnt professionell und dabei ├Ąu├čerst sensibel sichtbar - mehr noch, sie macht den Prozess, die Entwicklung ihrer Figur durch minimalistisch, feindosiert eingesetztes Spiel deutlich. So stellt sie die anfangs zwar ambitionierte doch unsichere Nachfolgerin des Blatts mit eckigen Bewegungen dar, die sich nicht einmal traut, w├Ąhrend einer Sitzung das Wort zu ergreifen, obwohl sie besser als alle anderen vorbereitet ist. Bis sie sich zum Schluss mutig, eloquent und elegant ├╝ber alle Risiken und "gutgemeinten" Ratschl├Ąge falscher Freunde hinwegsetzt.

"What I essentially did was to put one foot in front of the other, shut my eyes and step off the ledge. The surprise was that I landed on my feet." (Katharine Graham)

Herstory. Jewstory.

Biographisches: Katharines katholische Mutter war Agnes E. Meyer, geborene Ernst, Tochter deutscher Einwanderer und 1907 die erste Reporterin der New York Morning Sun. Sie war mit Intellektuellen, K├╝nstlerInnen und WissenschaftlerInnen gleicherma├čen befreundet. Mit dem Exilliteraten Thomas Mann unterhielt sie einen intensiven Briefaustausch, unterst├╝tzte ihn, und leitete gemeinsam mit ihrem Mann, dem j├╝dischen Bankier und Finanzpolitiker Eugene Isaac Meyer, die Washington Post. Der hatte 1933 das bankrotte Blatt bei einer Auktion gekauft, und investierte im Lauf der kommenden 20 Jahr Millionen von Dollar in die Zeitung, wobei er sich vor allem auf die qualitative Entwicklung konzentrierte. Gemeinsam begr├╝ndeten die 1944 die Meyer Foundation, die bis heute besteht.

Demnach war Katharine "Kay" Graham nicht nur "die Witwe von", wie es im Film den Anschein hat, sondern wuchs ÔÇô privilegiert, beh├╝tet und protegiert - in einem verlegerischen, politischen und unternehmerischen Umfeld auf.
Zudem hatte Graham studiert, zun├Ąchst am Vassar College und sp├Ąter an der University of Chicago, wo sie 1938 ihr Studium abschloss. Danach arbeitete sie als Reporterin f├╝r die San Francisco News, bevor sie begann, f├╝r die Zeitung ihres Vaters, die Washington Post, zu schreiben.
Die wesentlich erfahrenere Graham w├Ąre demnach f├╝r den Posten der Herausgeberin die erste Wahl gewesen. F├╝r eine Frau zu dieser Zeit undenkbar war es jedoch, die Unternehmensnachfolge anzutreten, so dass diese Aufgabe ihrem Ehemann, einem im Zeitungswesen unerfahrenen Juristen, ├╝bertragen wurde. Erst nach dessen Selbstmord, und hier setzt der Film ein, kommt Katherine zum Zug, die sich ihrerseits jahrelang ausschlie├člich um die vier Kinder gek├╝mmert hatte.
Katherine Graham (16. Juni 1917 ÔÇô 17. Juli 2001) sollte die Post f├╝r mehr als drei Jahrzehnte leiten. Graham, die selbst keine Role Models gehabt hatte, war nun selbst ein Vorbild f├╝r junge Frauen. So setzte sie sich f├╝r Gleichberechtigung bei der Post ein, unterst├╝tzte engagierte Journalistinnen und das Women┬┤s Museum in Dallas.

"The thing women must do to rise to power is to redefine their femininity.
Once, power was considered a masculine attribute. In fact power has no sex."

(Katharine Graham)

Zu den gr├Â├čten Widerspr├╝chlichkeiten in ihrem Leben z├Ąhlt die Tatsache, dass sie zwar eine Verflechtung von Medien und Politik ablehnte, gleichzeitig aber als Mitglied der feinen Gesellschaft Washingtons mit u.a. John F. Kennedy, Jacqueline Kennedy Onassis, Robert, F. Kennedy, Lyndon B. Johnson, Robert McNamara, Henry Kissinger, Ronald und Nancy Reagan befreundet war.

1997 ver├Âffentlichte sie ihre Biographie "Personal History", f├╝r die sie mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Noch bis zu ihrem Tod bekleidete die Verlegerin den Posten der Vorstandsvorsitzenden der Washington Post.
Katharine "Kay" Graham starb am 17. Juli 2001 im Alter von 84 Jahren.

Steven Spielberg: "Mein Film ist eine Art Hymne auf die freie Presse. Ein Liebesgedicht an die Medien der Welt."

Ein gro├čartiger Film, keine Frage. Keine Erw├Ąhnung jedoch findet die Geschichte zur Washington Post, oder eine Andeutung darauf. Spielberg, selbst Jude und in jungen Jahren ├╝brigens auch mal Zeitungsbote, benennt den j├╝disch-amerikanischen Background der Katherine Graham weder explizit, noch andeutungsweise. Kein Wort, kein Bild im Film weist darauf hin. Eine Vorsichtsma├čnahme angesichts der antisemitischen Stimmung in den USA, nach der "Juden zuviel Einfluss, vor allem in den Medien" haben? Unwahrscheinlich aber m├Âglich. Fest steht, dass Spielberg neben Archivmaterial wie Gerichtsakten vor allem in den Memoiren von Katharine Graham recherchiert hat, die 2001 bei Rowohlt unter dem Titel Wir drucken! Die Chefin des Washington Post erz├Ąhlt die Geschichte ihres Lebens auf Deutsch erschienen sind. (Originaltitel Personal History)

AVIVA-Tipp: Spannend von der ersten bis zur letzten Minute steht Die Verlegerin in der Tradition von Polit-Enth├╝llungs-Dramen wie etwa Die Unbestechlichen ÔÇô mit einer Ausnahme: Hier ist es eine Frau, die im Fokus des Films steht, Katharine "Kay" Graham. Brillant verk├Ârpert Meryl Streep die Rolle der sophisticated unpolitischen Lady hin zur feministischen Unternehmerin und mutigen Zeitungsmacherin, die schlie├člich einen Sieg f├╝r die Pressefreiheit erringen kann. Der richtige Film zur richtigen Zeit. Jederzeit. Weltweit.

DIE VERLEGERIN
Originaltitel: The Post
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Liz Hannah, Josh Singer
Besetzung: Meryl Streep, Tom Hanks, Alison Brie, Bob Odenkirk, Sarah Paulson, Carrie Coon, Jesse Plemons
Produktion: Kristie Macosko Krieger, Amy Pascal, Steven Spielberg
L├Ąnge: 117 Min.
FSK: 6 Jahre
Ab 22. Februar 2018 im Kino
Im Verleih von Universal Pictures International Germany
Mehr zu "DIE VERLEGERIN" unter:
www.facebook.com/DieVerlegerin

Mehr Info zu Katharine Graham unter:

www.washingtonpost.com

www.fembio.org

Literatur:

Wir drucken! Die Chefin des Washington Post erz├Ąhlt die Geschichte ihres Lebens, von Katharine Graham. Rowohlt, 2001 (Originaltitel Personal History. Vintage Publishing, 1998

Power, Privilege, and the Post: The Katharine Graham Story von Carol Felsenthal. Penguin Random House, 1999

Starke Frauen in m├Ąchtigen Positionen:

Die wichtigsten deutschen Zeitungsverlage in weiblicher Hand


Als erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA inspirierte Graham Frauen weltweit. Doch es gibt noch weitere Erfolgsgeschichten von Frauen, die sich einflussreiche Positionen an der Spitze bedeutender Verlage erarbeitet haben. Auch hierzulande. Im Folgenden erhalten Sie einen Einblick ├╝ber die spannenden Lebenswege der drei bekanntesten Verlagschefinnen Deutschlands:

Yvonne Bauer

Als dritte von vier T├Âchtern am 29. M├Ąrz 1977 in Hamburg geboren. Zu diesem Zeitpunkt leitet ihr Vater Heinz Bauer den 1875 gegr├╝ndeten Familien-Verlag Bauer Media Group bereits seit mehr als 14 Jahren. Als 20-j├Ąhrige verl├Ąsst Yvonne ihr Elternhaus und zieht nach Bamberg, um dort Germanistik zu studieren. Nach dem Studium beginnt sie ein Volontariat beim Verlag Hoffmann und Campe, wo sie anschlie├čend als Lektorin arbeitet. Wenig sp├Ąter tritt sie ins Familiengesch├Ąft ein, ├╝bernimmt 2007 die F├╝hrung der Arbeitsgruppe, die die Bauer Vertriebs KG leitet, und hilft bei der Aufkl├Ąrung eines Schmiergeldskandal in der Vertriebsgesellschaft des Verlages. Die f├╝r ihren Ehrgeiz bekannte Yvonne, die mehr als blo├č die Tochter des Verlagschefs sein will, arbeitet hart und wird 2009 schlie├člich Mitglied der Konzerngesch├Ąftsleitung. Als ihr Vater 2010 abtritt, ernennt er mit seiner Tochter Yvonne zum ersten Mal in der Verlagsgeschichte eine Frau zur Nachfolgerin. In f├╝nfter Generation der Bauer Media Group steht sie derzeit an der Spitze des europaweit agierenden Verlagshauses und ist damit eine der wenigen weiblichen F├╝hrungskr├Ąfte in der m├Ąnnerdominierten Medienbranche.

Julia J├Ąkel

Seit 2012 im Vorstand des Gruner + Jahr Verlags, seit 2013 dessen Vorsitzende und seit 2015 Gesch├Ąftsf├╝hrerin ÔÇô diese Positionen hat sich Julia J├Ąkel hart erarbeitet. Geboren 1971 in der rheinland-pf├Ąlzischen Landeshauptstadt Mainz verfolgt die ├ärztInnen-Tochter schon fr├╝h einen anderen Berufsweg als ihre Eltern. In Heidelberg beginnt sie, Geschichte, Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre zu studieren. Einen Teil ihres Studiums verbringt sie in Harvard und beendet ihre akademische Karriere mit einem Master in International Relations an der University of Cambridge. Als sie 1997 als einzige Frau in das Bertelsmann Entrepreneurs Programm aufgenommen wird, entdeckt J├Ąkel ihre Liebe f├╝rs Verlagswesen. Anschlie├čend wechselt sie zu Gruner + Jahr, gr├╝ndet dort die Financial Times Deutschland und fungiert ├╝ber Jahre hinweg als Verlagsleiterin verschiedenster Medienmarken. Als sie 2012 in den Vorstand gew├Ąhlt wird, nutzt die innovative J├Ąkel die Printmedien-Krise als Chance, um mit dem Ausbau des Onlineangebots von Gruner + Jahr zu beginnen. Mit diesem Schritt konnte sie den Verlag in den letzten Jahren grundlegend und profitabel umstrukturieren und machte sich zugleich einen Namen in der Verlagsbranche.

Friede Springer

Elfriede Rewerts wird 1942 auf der Insel F├Âhr als Tochter eines G├Ąrtners und einer Hauswirtschaftsleiterin geboren. In jungen Jahren bricht sie ihre Lehre als Hotelkauffrau ab und zieht nach Hamburg, um der Enge der kleinen Insel zu entfliehen. Als sie 1965 im Hause Axel Springers als Kinderm├Ądchen eingestellt wird, ahnt sie noch nicht, dass sie eines Tages seine f├╝nfte und letzte Ehefrau werden wird. Im Laufe der Jahre wird sie Axel Springers Geliebte. 1978 feiern die beiden, die zu diesem Zeitpunkt seit ├╝ber zehn Jahren ein Paar sind, ihre Hochzeit. Als Axel Springer 1985 verstirbt, wird Friede nicht nur Erbin des Springer-Verm├Âgens, sondern auch Managerin des Axel Springer Verlags und Gesch├Ąftsf├╝hrerin der Springer Holding. Die pflichtbewusste Friede, die von heute auf morgen alles ├╝ber Zahlen und Bilanzen lernen muss, versucht den Verlag zusammenzuhalten, schl├Ągt Angebote von Kaufinteressenten aus und beginnt stattdessen jegliche Springer-Anteile zur├╝ckzukaufen und die restlichen Springer-ErbInnen auszuzahlen. Schlie├člich gewinnt sie 1996 die Aktienmehrheit zur├╝ck und wird alleinige Gesch├Ąftsf├╝hrerin. Heute blickt die 75-j├Ąhrige Verlegerin und Gr├╝nderin der gemeinn├╝tzigen Friede Springer Stiftung auf eine erfolgreiche Karriere zur├╝ck und fungiert nach wie vor als stellvertretende Aufsichtsratschefin der Axel Springer SE, einem der gr├Â├čten und umsatzst├Ąrksten Verlagsh├Ąuser Europas.

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Quellen: Universal Pictures International Germany, AVIVA-Berlin

Kultur Beitrag vom 18.02.2018 Sharon Adler 





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