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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 09.12.2008

Polska Love Serenade - ein Film von Monika Anna Wojtyllo
Henriette Jankow

Die Nachwuchsregisseurin hat mit ihrem Spielfilmdeb√ľt eine augenzwinkernde Liebeserkl√§rung ans Nachbarland geschaffen, die vom 11. bis 17. Dezember 2008 t√§glich im Moviemento zu sehen sein wird.



"Herzlich willkommen im polnischen Teil der Europ√§ischen Union!" Anna (Claudia Eisinger) - eine typische Berliner G√∂re, schlagfertig und ein bisschen alternativ - und Max (Sebastian Schwarz) - ein aufdringlich korrekter und nicht minder √ľberheblicher Fast-Anwalt - trieb sicher nicht ein tiefergehendes Interesse am vereinten Europa ins Nachbarland. Anna will ihr Auto klauen lassen, damit bei der Versicherung etwas Kohle f√ľr die junge Studentin herausspringt und Max verfolgt das Ziel, das Haus seines Gro√üvaters in Lubomierz (Liebenthal) zur√ľckzuklagen.

Woran kann man schlie√ülich bei dem Schlagwort Polen noch denken, au√üer an Autoklau und die Sp√§tfolgen der Vertreibung? An Wodka, richtig! Und an eine herzliche Gastfreundschaft, die nat√ľrlich immer eng an Hochprozentiges gekn√ľpft ist. So irren Anna und Max durch das vorweihnachtliche Polen, wo religi√∂se Ikonen sogar die Landstra√üen s√§umen und den beiden zuweilen zwinkernd den Weg weisen. Dabei sto√üen die zwei unbedarften Deutschen schon mal auf eine als heiliger K√∂nig verkleidete Landsfrau (Katharina Wackernagel), die hauptberuflich mit Wodka handelt. Ebenso machen sie Bekanntschaft mit einer Horde freundlicher Weihnachtsm√§nner, die ihnen ein Dach √ľber dem Kopf gew√§hrt und sie mit dem N√∂tigsten versorgt: Wodka, Gurken, Kielbasa und dem Redeschwall fr√∂hlicher polnischer DorfbewohnerInnen.

In Liebenthal ‚Äď und somit am vorl√§ufigen Ziel ‚Äď angekommen, trennen sich zun√§chst die Wege des ungleichen Paares Max und Anna. W√§hrend Max irgendwie entt√§uscht mit einer Wodkaflasche vor dem Grab seines Gro√üvaters kauert, kommt Anna erneut in den Genuss polnischer Gastfreundschaft. Diese scheint jedoch weniger von Herzen zu kommen, als vielmehr dem christlichen Brauch zu folgen, an Weihnachten einen Platz f√ľr heimlose G√§ste freizuhalten. Dass es nun aber ausgerechnet eine Deutsche sein muss, die den Platz einnimmt, freut die Familie Sobieski weniger. (Der Name kommt √ľbrigens nicht von ungef√§hr. Jan Sobieski war ein polnischer K√∂nig im 17. Jahrhundert, der dem Land zu Ruhm und Ehre verhalf.) Die dreisten Vertriebenenanspr√ľche, die der wenig sp√§ter zugesto√üene Max an die Familie stellt, wirken in dieser Szenerie unglaublich skurril. Sie werden dank der √úbersetzung des Pfarrers nicht als Einklagung verstanden, sondern als Investitionen in die ortsans√§ssige Firma. Besiegelt werden die missverst√§ndlichen Gesch√§fte in weihnachtlicher Atmosph√§re nat√ľrlich mit Wodka.

Der Film deckt wirklich alles an g√§ngigen Stereotypen ab: Der polnische Patriotismus, die windigen Autoh√§ndler, die Altlasten der deutsch-polnischen Vergangenheit, der Katholizismus als kategorischer Imperativ polnischer Lebensart, die Unmengen an Wodka und die herzerw√§rmende Liebensw√ľrdigkeit der polnischen Charaktere brechen √ľber die steifen, ach so rechtschaffenen Reisenden herein.

Die Regisseurin Monika Anna Wojtyllo ist selbst Polin und im Alter von f√ľnf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland √ľbergesiedelt. Der Film ist eine pers√∂nliche Liebeserkl√§rung an ihr Geburtsland, in welcher sie einen unkonventionellen Ansatz der deutsch-polnischen V√∂lkerverst√§ndigung verfolgt: Den Vorurteilen und Missverst√§ndnissen mit einer geh√∂rigen Portion Humor die Stirn zu bieten, war Wojtyllos Anliegen. Dies ist ihr nicht nur mit der Umsetzung des Stoffes, sondern auch mit der Auswahl der gro√üartigen SchauspielerInnen gelungen. Die beiden (noch) wenig bekannten HauptdarstellerInnen Claudia Eisinger und Sebastian Schwarz entpuppen sich als Idealbesetzung f√ľr die "typischen Deutschen" und erf√ľllen den Anspruch an Selbstironie ebenso gut wie ihre polnischen KollegInnen.
Bei allen, die l√§ngere Zeit in Polen gelebt haben, d√ľrfte dieser Film eine warme Sehnsucht nach dem Land der sauren Gurken und des Wodkas erwecken.

Der Film wird vom 11. Dezember 2008 bis bis zum 17. Dezember 2008 täglich um 20:15 Uhr im Kreuzberger Moviemento zu sehen sein.

AVIVA-Tipp: "Polska Love Serenade" ist politisch unkorrekt und das ist gut so! Der Titel ist Programm: Der Film ist ein √ľberaus unterhaltsames Liebesst√§ndchen an Polen, das gekonnt mit dem gro√üen Fettn√§pfchen "typisch polnisch ‚Äď typisch deutsch" spielt. Kein moralinsaurer Aufruf zur krampfhaften V√∂lkerverst√§ndigung, sondern ein m√§rchenhaftes, herrlich leichtes und dabei urkomisches Spielfilmdeb√ľt √ľber Deutsche und Polen im vereinten Europa zu Weihnachten.

Zur Regisseurin: Monika Anna Wojtyllo wurde 1977 in Breslau geboren. Sie studierte Film- und Fernsehregie an der HFF Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg. Nach einigen Kurzfilmen (u.a. "Hog Heaven", "Kuckuck") ist "Polska Love Serenade" ihr erster Abend f√ľllender Spielfilm.
Weitere Infos und Kontakt unter: www.monika-wojtyllo.com


Polska Love Serenade
Deutschland/Polen 2008
Regie: Monika Anna Wojtyllo
Buch: Jonas Grosch
DarstellerInnen: Claudia Eisinger, Sebastian Schwarz, Katharina Wackernagel, Riszard Wojtyllo, Andrzej Galla, Christoph Leszczynski
Filmlänge: 75 Minuten
Kinostart: 11.12.2008
www.berlinersonderschule.de

Kultur Beitrag vom 09.12.2008 AVIVA-Redaktion 





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