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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 28.01.2009

Tacita Dean - In My Manor
Almut Andreae

Die erste Berliner Einzelausstellung der britischen K├╝nstlerin Tacita Dean ist noch bis zum 15. Februar 2009 in der Villa Oppenheim, Galerie f├╝r Gegenwartskunst zu sehen.



Was bleibt

Den Aufgeregtheiten und Superlativen des aktuellen Kunstbetriebes setzt die erste Berliner Einzelausstellung der britischen K├╝nstlerin Tacita Dean eine Konzentration und Ruhe entgegen, die noch lange nachwirkt. Der gediegene Charme der Charlottenburger Villa Oppenheim f├╝r Gegenwartskunst, nur einen Steinwurf von den Sammlungen Berggruen und Scharf-Gerstenberg entfernt, gibt den ├╝beraus stimmigen Rahmen f├╝r die Pr├Ąsentation der international renommierten britischen K├╝nstlerin.

Noch drei Wochen lang zeigt die 43-J├Ąhrige ├╝berwiegend neuere Arbeiten unterschiedlicher Genres, darunter mehrere 16-mm-Filme, ├╝berarbeitete Fotografien und eine Audioarbeit. Seit sie im Jahr 2000 als DAAD-Stipendiatin nach Berlin kam, h├Ąlt Tacita Dean der Stadt die Treue. Charlottenburg ist der Kiez, in dem sie l├Ąngst heimisch wurde. Der Titel der Ausstellung "In My Manor" - frei ├╝bersetzt mit "In meiner Nachbarschaft, in meinem Kiez" spielt mit dieser Assoziation. Gleichzeitig schwingen in ihm noch weitere Bedeutungen ("In meiner Villa" oder "Auf meine Art und Weise") latent mit. Die Kunst von Tacita Dean ist nicht darauf angelegt, eindeutige Lesarten und Bedeutungen vorzugeben.

Ausgehend von Bildfragmenten, Erinnerungsst├╝cken, alten Fotografien generiert sie eine neue Realit├Ąt stiller und bewegter Bilder. Sehr h├Ąufig paart sie die auf diese Weise entstehenden Bilder mit einer Tonspur oder einem speziell entwickelten Lichtton ("optical sound"), der die Bilder verst├Ąrkt. In der Berliner Ausstellung entfalten audiovisuelle Arbeiten neben anderen, die sich ganz und gar verschwiegen geben, eine ganz eigene Pr├Ąsenz. Inhaltlich setzt sich h├Ąufig die intensive Auseinandersetzung der K├╝nstlerin mit ihrer Wahlheimat Berlin und Deutschland durch. So auch in der Audioarbeit "Berlin Project" aus dem Jahr 2002, in der Villa Oppenheim von einer mit mehreren Kopfh├Ârern ausgestatteten Sitzgruppe aus zu genie├čen. Hier entfaltet sich ├╝ber 45 Minuten eine Klangcollage aus Ger├Ąuschen, Stimmen und Musik, die zu einem stimmungsvollen Berlin-Portr├Ąt verschmelzen. Drehorgel mischt sich mit S-Bahn-Gerumpel, vor├╝bereilende PassantInnen, Sprachfetzen und brodelnder Verkehr ├╝bert├Ânen ged├Ąmpftes Glockenspiel.

Berliner Flair ganz anderer G├╝te pr├Ągt auch "Die Regimentstochter", wenn auch unter g├Ąnzlich anderen Vorzeichen. 36 Berliner Opernprogramme aus dem "Dritten Reich" hat die K├╝nstlerin in dieser seriellen Arbeit hinter Glas gebracht. Das Besondere dabei: dort, wo auf dem Titelblatt einst das Hakenkreuz "prangte", befindet sich nur mehr ein Loch. In der Leerstelle des eliminierten Schreckenssymbols scheint das Unheil einer ganzen ├ära eingebrannt.

Die Allmacht der inneren Bilder zu entfesseln, ist ein Signum von Tacita Dean. Dabei macht es in der Wirkung keinen Unterschied, f├╝r welches Medium sie sich gerade entscheidet oder wie so oft in ihrer Kunst Film, Standbild, Fotografie und Malerei miteinander verschr├Ąnkt. In der sorgsam durchdachten ├Ąsthetischen Inszenierung und unaufdringlichen Poesie entwickeln Deans 16-mm-Filme, ihre ├╝berarbeiteten Fotos und gefundenen Bilder eine Kraft, die die ungeteilte Aufmerksamkeit der BetrachterInnen einfordern und absorbieren.

Angefangen mit den monumentalen Fotografien fr├╝hzeitlicher Dolmen und H├╝nengr├Ąber, von der K├╝nstlerin aus dem urspr├╝nglichen Kontext herausgel├Âst und mit schwarzem Tafellack ├╝bermalt, bis hin zum 16-mm-Film wartet die Ausstellung "In My Manor" mit einigen ├ťberraschungen auf. Eindrucksvoll die filmische Dokumentation ├╝ber den Verfall des "Block Beuys" im Hessischen Landesmuseum Darmstadt ("Darmst├Ądter Werkblock"), der zum hintersinnigen Kommentar ├╝ber die Konservierbarkeit von Kunst ger├Ąt. Und dabei zwangsl├Ąufig mit den zahlreichen Anspielungen auf die Verg├Ąnglichkeit eines der Lieblingsthemen von Tacita Dean ins Bewusstsein hebt.

Von gr├Â├čter Sensibilit├Ąt zeugt auch das fast z├Ąrtliche Portr├Ąt des verstorbenen Dichters und ├ťbersetzers Michael Hamburger, das nur wenige Monate vor seinem Tod im Jahr 2007 in seinem alten Haus mit dem alten Obstbaumgarten in Suffolk entstand. Auch das Ende 2008 entstandene stumme Film-Loop "Prisoners Pair" erz├Ąhlt mit verf├╝hrerisch sch├Ânen Nahaufnahmen eingelegter goldgelber Birnen hinter schimmerndem Glas vom Verrinnen der Zeit, von Sch├Ânheit und Verfall und nicht zuletzt von der einpr├Ągsamen Art Tacita Deans, sich durch die subtile Sinnlichkeit ihrer Kunst ├╝ber Elementares mitzuteilen.


Tacita Dean - "In My Manor"
Noch bis zum 15.02.2009
Villa Oppenheim, Galerie f├╝r Gegenwartskunst
Schlossstra├če 55
├ľffnungszeiten: Di-So 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei.
www.villaoppenheim.de

Weitere Infos zur K├╝nstlerin finden Sie unter: www.tacitadean.net

Kultur Beitrag vom 28.01.2009 AVIVA-Redaktion 





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