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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 04.09.2011

Das HausmÀdchen - der Film von Im Sang-soo ab 09. September 2011 als DVD und Blu-ray im Verleih von Alamode Film
Kristina Auer

Das packende Remake des gleichnamigen sĂŒdkoreanischen Filmklassikers von Kim Ki-young aus dem Jahr 1960 thematisiert ebenso gesellschaftliche wie sexuelle MachtverhĂ€ltnisse und prĂ€gt sich durch...



...opulente Bilder tief in das Bewusstsein ein.

Hochbetrieb wĂ€hrend der Abendstunden in einem volkstĂŒmlichen koreanischen Stadtviertel. Überall bunte Lichter, GerĂ€usche, GerĂŒche. Frische Speisen werden zubereitet und zum Verkauf angeboten, Menschen schweifen umtriebig umher. Vom Balkon eines Hochhauses in schwindelerregender Höhe betrachtet eine junge Frau das fröhliche Getummel der Menschen zwischen LĂ€den und Restaurants. Sie nimmt einen tiefen Atemzug. Dann springt sie.

Der Prolog von "Das HausmÀdchen" antizipiert durch den Selbstmord einer Unbekannten auf dramatische Weise das Ende einer tragischen Geschichte und weist gleichsam, indem alles bereits zu Beginn feststeht, auf die Ausweglosigkeit eines nicht zu verhindernden Schicksals hin.

Die junge Eun-yin stammt aus bescheidenen VerhĂ€ltnissen. Als sie von der reichen Familie Goh als neues HausmĂ€dchen eingestellt wird, sieht es zunĂ€chst so aus, als sei das GlĂŒck auf ihrer Seite. Sowohl die hochschwangere Hausherrin Hae-ra als auch ihr Gatte, der GeschĂ€ftsmann Hoon, begegnen ihr zwar reserviert aber freundlich. Schnell findet sich Eun-yi in den neuen VerhĂ€ltnissen zurecht und kĂŒmmert sich liebevoll um die siebenjĂ€hrige Tochter Nami.

Doch ihre AttraktivitĂ€t und ihre LeichtglĂ€ubigkeit werden Eun-yi zum VerhĂ€ngnis. Hoon, der es seit jeher gewohnt ist, alles zu bekommen was er will, findet Gefallen an seiner neuen Bediensteten und verfĂŒhrt sie zu erotischen Eskapaden. Der Ă€lteren Hausangestellten Byung-sik entgeht die AffĂ€re nicht. Sie ist außerdem diejenige, die bei Eun-yi noch vor ihr selbst die Anzeichen einer Schwangerschaft erkennt. Weil Byung-sik die naive Eun-yi um ihre unschuldiges Wesen und die Leichtigkeit, mit der sie ihre Arbeit verrichtet, beneidet, informiert sie Hae-ras bösartige Mutter ĂŒber die AffĂ€re und die Schwangerschaft. Nachdem diese auch ihre Tochter von den Geschehnissen in Kenntnis gesetzt hat, beschließen beide, die Geburt des Kindes um jeden Preis zu verhindern.

Hierarchien und Gesellschaftskritik

Schon im Filmplakat von "Das HausmÀdchen" werden unmissverstÀndlich die ungleichen MachtverhÀltnisse deutlich, das Oben und Unten, von denen der Film handelt. Der Thriller von Regisseur Im Sang-soo ist damit in erster Linie auch ein sozialkritischer Film.

WĂ€hrend das Original von 1960 sich noch um eine Mittelstandsfamilie drehte, spielt das moderne "HausmĂ€dchen" im superreichen Milieu einer dekadenten und gefĂŒhlskalten Oberschicht, fĂŒr die Status und Besitz mehr zĂ€hlen als das Wohlergehen der Menschen in ihrem Umfeld. Sang-soo ĂŒbt scharfe Kritik an dieser Schicht und vor allem an deren ĂŒbermĂ€chtiger Kontrolle der Gesellschaft, die sich am Schicksal von Eun-yi erkennbar macht, indem er besonders deren emotionale KĂ€lte und Skrupellosigkeit verdeutlicht: Uniformiert in dunklen WollmĂ€nteln und mit geradlinigen Schritt wirken die Mitglieder der Familie einschließlich der kleinen Tochter Nami wie SoldatInnen, die lediglich funktionieren und wenig Lebendiges an sich haben. Diese Leblosigkeit spiegelt sich ebenfalls in der AtmosphĂ€re des Hauses wider, die von KĂ€lte und seinen wortkargen BewohnerInnen geprĂ€gt ist. Lediglich Hoons virtuoses Klavierspiel durchbricht dann und wann die unheimliche Stille.

Auch das Verhalten der Familienmitglieder ist aussagekrĂ€ftig: Hoon, der seiner Ehefrau gegenĂŒber nicht die geringste Reue empfindet und der von ihm, durch ihn ausgenutzten Eun-yi am Ende sogar Undankbarkeit vorwirft, wird nur noch von seiner hinterhĂ€ltigen Schwiegermutter ĂŒbertroffen, die das schwangere HausmĂ€dchen erst von einer Leiter stĂ¶ĂŸt und, als dies nicht die erwĂŒnschte Wirkung erzielt, kurzerhand zu noch drastischeren Maßnahmen greift.

Doch Sang-soo thematisiert in seinem Film nicht nur soziale Ungleichheiten, er denunziert auch die sexuelle Hierarchie zwischen MĂ€nnern und Frauen. Diese zeigt sich zunĂ€chst in der unterwĂŒrfigen Haltung der Bediensteten, die in Hoons Anwesenheit stets den Blick gesenkt halten. Hinzu kommt die Hilflosigkeit, mit der Eun-yi zunĂ€chst die Avancen ihres Arbeitgebers ĂŒber sich ergehen lĂ€sst, bevor sie sich allerdings mit voller Leidenschaft in die AffĂ€re stĂŒrzt und sich damit an ihrem eigenen Verderben beteiligt.
FĂŒr die betrogene Ehefrau Hae-ra ist Unterwerfung zur Überlebensstrategie geworden, Reichtum und Macht lauten die Maximen, welche ihr bestĂ€ndig von ihrer Mutter eingetrichtert wurden.
Eun-yi dagegen weigert sich, derart opportunistisch zu handeln und sich nur um ihren eigenen Vorteil zu bemĂŒhen. Stattdessen bleibt sie stets ihren Überzeugungen treu. FĂŒr Im Sang-soo ist sie deshalb die einzige (weibliche) Figur des Film, die sich nicht zur Sklavin degradieren lĂ€sst.
Dass diese CharakterzĂŒge so ĂŒberaus deutlich werden, ist nicht zuletzt Jeon Do-youns herausragendem Spiel zu verdanken. Mit Leidenschaft verkörpert sie das kindlich-unschuldige MĂ€dchen mit reinem Herzen und unbezwingbarer Willenskraft, das durch ihre schauspielerische Leistung erst wirklich lebendig wird.

Bildsprache

"Das HausmĂ€dchen" besticht neben seiner beklemmenden Spannung, die auf die Zuschauerin eine sogĂ€hnliche Wirkung ausĂŒbt, durch seine atemberaubende Ästhetik. Aufgrund einer sorgfĂ€ltig zusammengestellten Ausstattung ergeben sich die kunstvollen und eindrĂŒcklichen Bilder, in denen das spannende Drama seinen Lauf nimmt.

Der Fokus liegt hier deutlich auf dem Kontrast zwischen dem ĂŒberschwĂ€nglichen Reichtum und der emotionalen KĂ€lte der Familie Goh. Symbolhafte Merkmale wie der prunkvolle Kronleuchter, teurer Wein, der beheizte Swimming Pool und besonders die aufwendig zubereiteten HĂ€ppchen und Speisen lassen keinen Zweifel am enormen Wohlstand dieser Familie der Oberen 10.000. Die visuellen Aspekte dieses Wohlstandes werden mithilfe von Opernmusik und Hoons Klavierspiel gekonnt unterstrichen.
Das Wohnhaus der Gohs, mit seiner einschĂŒchternden GrĂ¶ĂŸe ebenfalls ein BeweisstĂŒck des Reichtums, zeichnet sich jedoch gleichzeitig durch Leere und kantige, schwarze Möbel aus. In dieser bis ins letzte Detail aufgerĂ€umten Strenge wirkt das Haus nahezu unbewohnt und das Fehlen von Menschlichkeit wird ĂŒber alle Maßen deutlich.

"Das HausmĂ€dchen" wurde in Cannes gefeiert. Yoon Yeo-jeong gewann den Asian Film Award 2011 als beste Nebendarstellerin fĂŒr ihre Rolle als Hausdame Byung-sik.

AVIVA-Tipp: "Das HausmĂ€dchen" aus dem Jahr 2010 weist mit einem packenden Spannungsverlauf im Stil eines Hitchcock-Thrillers und bestĂŒrzender Bildgewalt alle QualitĂ€ten auf, um wie sein Original zu einem Klassiker der Filmgeschichte zu werden. Indem Regisseur Im Sang-soo den Fokus auf eine soziale Kritik gelenkt und das Drehbuch den modernen gesellschaftlichen VerhĂ€ltnissen angepasst hat, verleiht er der Geschichte ĂŒber das unglĂŒckselige DienstmĂ€dchen eine ganz neue Bedeutung.


Das HausmÀdchen
Originaltitel: Hanyo
SĂŒdkorea 2010
Regie: Im Sang-soo
Drehbuch: Im Sang-soo, Kim Ki-young
Produktion: Jason Chae, Kim Jin Sup, Choi Pyung Ho, Kim Dong Won, Kim Kyung
DarstellerInnen: Jeon Do-youn, Lee Jung-jae, Seo Woo, Ahn Seo-hyun, youn Yuh-jung
Verleih: Alamode
LauflÀnge: 102 Minuten, LauflÀnge Extras: 50 Minuten
Sprachen: Deutsch, Koreanisch, Untertitel: Deutsch
Extras: Interviews, Making of, Behind the Scenes, Outtakes, Das HausmÀdchen in Cannes, die Wiedergeburt des HausmÀdchens, Trailer
FSK: 16
Bestell-Nr.: 6413082
EAN: 4042564130829
DVD-Start: 09. September 2011
www.alamodefilm.de

Weitere Infos zum Film finden Sie unter:

www.das-hausmaedchen.de

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Kultur Beitrag vom 04.09.2011 Kristina Auer 





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