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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 19.02.2011

12 Monate Deutschland. Ab 1. April 2011 auf DVD
Katharina Meier

F├╝r Constanza, Kwasi, Eduardo und Nairika bricht eine spannende Zeit an: ein Sch├╝lerInnenaustausch in Deutschland. Ein Jahr lang begleitete die Kamera die Jugendlichen in dieser f├╝r sie ...



... einmaligen Zeit.

Nach einer langen Reise erreichen die vier Sch├╝lerInnen Deutschland, ihre neue Heimat f├╝r das kommende Jahr. Sie sind 16-18 Jahre alt und einige der insgesamt rund 20.000 Sch├╝lerInnen, die sich j├Ąhrlich f├╝r ein Austauschjahr entscheiden. ├ťber die Austauschorganisation AFS, eine der gr├Â├čten und ├Ąltesten gemeinn├╝tzigen Jugendaustauschorganisationen weltweit, fanden die Jugendlichen ihre Gastfamilien.

Eva Wolf, in den Jahren 1986/87 selbst Austauschsch├╝lerin der AFS in Ecuador, heute freie Regisseurin und Filmemacherin, wollte mit ihrem Dokumentarfilm in erster Linie keinen Film ├╝ber Sch├╝lerInnenaustausch drehen, sondern vielmehr den Fokus auf das deutsche Familienleben legen.

12 Monate Deutschland ÔÇô die erste Begegnung

Als sie mit ihren Gastfamilien bekannt gemacht werden, ist noch unklar, was die Jugendlichen erwartet. Es stehen sich unvermittelt Menschen gegen├╝ber, die sich eigentlich fremd sind und von nun an ein Jahr ihres Lebens miteinander verbringen werden.

Die ZuschauerInnen sind immer mitten im Geschehen und nehmen teil an den sch├Ânen und auch schwierigen Momenten, die die Teenager in diesem Jahr durchleben.

Constanza kommt aus einer Gro├čstadt in Chile und wird die kommenden zw├Âlf Monate in einem 200-Seelen-Ort in der N├Ąhe von Stendal in Sachsen-Anhalt verbringen... ein enormer Kontrast, der jedoch nicht ausschlaggebend f├╝r die aufkommenden Schwierigkeiten sein wird.

Eduardo landet in der Metropole Hamburg. Er stammt von der Insel Margarita vor der K├╝ste Venezuelas. Im Laufe seines Aufenthaltes kann er seine zur├╝ckhaltende Art gegen├╝ber seiner ihm immer offen begegnenden Gastfamilie nie vollends ablegen.

Den Ghanaer Kwasi verschl├Ągt es von einer Millionenstadt nach Rastenberg (Th├╝ringen) mit seinen rund 2.500 EinwohnerInnen. Seine neunk├Âpfige Gastfamilie hei├čt ihn herzlich willkommen, doch Kwasi f├╝hlt sich nicht wohl in der Familie, in der es seiner Meinung nach ├Ąu├čerst undemokratisch zugeht. Nach einem Wechsel ├Ąndert sich sein Bild der Deutschen jedoch grundlegend und so verk├╝ndet am Ende ein fr├Âhlicher Kwasi in nahezu perfektem Deutsch, er liebe einfach alle in Deutschland.

Nairika kommt aus den USA nach Berlin und findet nach anf├Ąnglichen Schwierigkeiten auch erst in der zweiten Gastfamilie ihre famili├Ąre Erf├╝llung.

Die Kamera als diskrete Begleiterin

Ganz dicht dran f├Ąngt sie wichtige Momente ein, die die Jugendlichen erleben, und gew├Ąhrt den ZuschauerInnen einen Einblick in die Institution Familie. Bei manchen Familien mag man sich fragen, was sie dazu antreibt, als Gastfamilie zu fungieren. Doch unterm Strich ist es doch immer die Neugier, die mit einer solchen Verbindung einhergeht.

Beide Seiten erhoffen sich eine kulturelle wie famili├Ąre Bereicherung. Aus der Dokumentation geht deutlich hervor, dass ein reibungsloser Aufenthalt, bei dem das Verh├Ąltnis zwischen dem/der Gastsch├╝lerIn und der Familie auf Anhieb stimmt, eher die Ausnahme darstellt. Erstaunlicherweise st├Â├čt auch eine sehr offene und liebevolle Familie an ihre Grenzen, weil ihnen es einfach nicht gelingen mag, ihren Gastsch├╝ler aus der Reserve zu locken.

Ein gro├čer Bestandteil eines solchen Aufenthalts sind die spannenden und positiven Erlebnisse. Aber auch Entt├Ąuschungen und Probleme gilt es zu bew├Ąltigen. Ob die Chemie zwischen dem/der Austauschsch├╝lerIn und der Gastfamilie stimmt, kann immer erst vor Ort herausgefunden werden. Bei rund 20% bis 30% der Sch├╝lerInnen kommt es daher zu einem Familienwechsel.

Die Organisation AFS, in diesem Fall vor allem Heike Szebrat, ist stets bem├╝ht, bei regelm├Ą├čig organisierten Treffen auf ihre Sch├╝lerInnen einzugehen, um ihnen einen angenehmen Aufenthalt zu gew├Ąhrleisten. So bei Constanza, die mit ihrer Familie, aufgrund mangelnder Englischkenntnisse der Deutschen und ihrer anfangs schlechten Deutschkenntnisse, einige Kommunikationsschwierigkeiten hat. Doch letztlich ist es offensichtlich nicht die Sprachbarriere, die diese Verbindung scheitern l├Ąsst. Eine Familie, die lieber Videospiele spielt, als anderweitig gemeinsam Zeit zu verbringen, ist Constanza suspekt.

Dass individuelle Pers├Ânlichkeiten in einer Familie aufeinanderprallen, stellt im Familienleben an sich schon eine t├Ągliche Herausforderung dar. Manchen gelingt es mehr, anderen weniger, eine(n) Fremde(n) im Kreise ihrer Lieben als vollwertiges Familienmitglied zu integrieren. Der Film zeigt deutlich, dass dies kein leichtes Unterfangen ist. Doch eines kristallisiert sich in allen F├Ąllen heraus: es ist eine unvergessliche Zeit, die alle Beteiligten wachsen l├Ąsst.

Die H├Âhen und Tiefen machen einen solchen Aufenthalt aus. Dabei st├Â├čt man an seine Grenzen und w├Ąchst mit seinen Aufgaben. Treffender als Constanza kann man es abschlie├čend nicht formulieren: "Ich bin gro├č geworden".

AVIVA-Tipp: Die Regisseurin Eva Wolf wirft mit ihrer Dokumentation einen sehr intimen und aufschlussreichen Blick auf deutsche Familien. Sie zeigt in pers├Ânlichen Bildern, was Familienleben f├╝r alle Beteiligten bedeutet und welchen Stellenwert es einnimmt. "12 Monate Deutschland" ist ein authentisches und sehenswertes Portr├Ąt deutscher Familien, die doch alle sehr unterschiedlich funktionieren.

Zur Regisseurin: Eva Wolf ist in Berlin aufgewachsen und war 1986/87 selbst als Austauschsch├╝lerin in Quito/Ecuador. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaften sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an der FU Berlin, sp├Ąter Filmregie an der HFF "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg. Dort machte sie 2001 ihren Diplomabschluss. Seitdem ist sie freie Regisseurin und Filmemacherin.

12 Monate Deutschland
Produktion: Deutschland 2010
Drehbuch und Regie: Eva Wolf
DarstellerInnen: Kwasi Gyabaa, Nairika Murphy, Eduardo Matheus, Constanza Gorena Prat und die Familien Finke, Reich, Eis, Dallend├Ârfer, Bauermeister, Hehl, Lachmann, Kleinknecht
Verleih: Neue Visionen Filmverleih GmbH
DVD-Start:
Label: Neue Visionen
Anbieter: good!movies
Vertrieb: Indigo
EAN: EAN 4047179560580
Bestell-Nr.: Indigo DV 95605-8
FSK: ohne Altersbeschr├Ąnkung
Laufzeit: 90 min
Tonformat: Dolby Digital 2.0 & 5.1
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch
Untertitel: teilweise Deutsch
L├Ąndercode: 0

Der Film im Netz: www.neuevisionen.de

Weitere Infos zur Austauschorganisation AFS unter: www.afs.de

Kultur Beitrag vom 19.02.2011 Katharina Meier 





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