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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 11.01.2012

Ausstellung in der Galerie Funke - KATJA PUDOR
Claudia Funke

"├╝berschreitungswahrscheinlichkeit" nennt die in Berlin lebende K├╝nstlerin ihre Einzelausstellung. Gezeigt werden ihre Arbeiten ÔÇô Malerei und Installation - vom 15. Januar - 18. Februar 2012.



Pudors Malerei ├╝berschreitet die Begrenzung der zweidimensionalen Bildfl├Ąche und w├Ąchst, den Fu├čboden, die W├Ąnde und die Decke einnehmend, als Installation in den Raum hinein. Die Farbfl├Ąchen und Pinselschw├╝nge, Linien und vernetzten Strukturen ├╝berwinden die Bindung an einen statischen, starren Bildtr├Ąger, indem sie als Ausschnitte und Einzelst├╝cke variabel miteinander kombiniert und nur locker befestigt werden und sich nicht mit der Architektur zu einer Einheit verbinden.

┬ę Aur├ęlia Vartanian. Katja Pudor w├Ąhrend der Vernissage in der Galerie Funke am 14. Januar 2012


Das Material aus Papier, Acryl, Schellacktinte, Grafit, Kohle, Edding und Tapeband besteht aus Fragmenten, die die 1965 geborene und in Berlin lebende K├╝nstlerin immer wieder neu anordnet und in anderen Kontexten wieder verwendet: Sie erstellt Collagen aus dem Fundus ihres eigenen Werkes. Kennzeichnend f├╝r die Arbeitsweise von Pudor, die an der Hochschule Berlin Wei├čensee bei Katharina Grosse studierte, ist in ihren eigenen Worten die "Farblust" und der spielerische Umgang mit dem eigenen k├╝nstlerischen Material, die Wiederverwendung der ┬┤Reste┬┤, des ┬┤├ťbriggebliebenen┬┤ von vorherigen Experimenten und Malvorg├Ąngen: "Das Materialische ist mir wichtig. Das Material ist f├╝r mich die Hauptsache". Dazu z├Ąhlen auch die Dichte der Pigmente, das Verwaschen der Farbe, herunter laufende Farbspuren und ÔÇô tropfen, die Dynamik und die St├Ąrke der Striche.

Malerei und Zeichnung, Abstraktion, zuweilen Figuration und Schrift bilden komplexe Schichtungen und tendieren ins Dreidimensionale und R├Ąumliche. Die ├╝bereinander gelagerten Verwebungen und Verflechtungen bleiben dabei flexibel und beweglich. Selbst dort, wo die K├╝nstlerin zum Geviert der Leinwand oder des Zeichenblattes zur├╝ckkehrt, bleibt der Eindruck der "├╝berschreitungswahrscheinlichkeit", der mehrdimensionalen r├Ąumlichen Ebenen, die in sich ver├Ąnderlich und wandelbar sind, erhalten.

┬ę Katja Pudor, o.T., 2011, mixed media auf Papier, 27 x 38 cm



Der Ausstellungstitel ist dem Bereich der Naturwissenschaften, der mathematischen Formeln, entliehen, anhand derer unter anderem die Statistik von Windst├Ąrken und Hochw├Ąssern errechnet wird. Im weiteren Sinne verweist er auf einen m├Âglichen Exzess, auf das Potential eines Zuviel, das einen Scheitelpunkt ├╝berschreitet. Pudors k├╝nstlerischer Schritt in die Dreidimensionalit├Ąt des Realraums und damit in die Lebenswirklichkeit der Betrachterinnen und Betrachter sensibilisiert hingegen die Wahrnehmung in die analytische Richtung: Die geballte Anh├Ąufung und das ├ťbereinanderlappen von Informationen, Bildschnipseln und Tonfragmenten f├╝hren zu einer ├ťberflutung. Der Exzess des ├ťberflusses und des Mehrwerts endet bisweilen in der Implosion des Wei├čen Rauschens und des Nichts. In Pudors Werken und Rauminstallationen bleibt die gleichwertige, unhierarchische Anordnung der einzelnen Werkelemente in ihrer Unterschiedenheit und Differenzierung immer erkennbar.

Die materialische Sinnlichkeit verf├╝hrt zum Schauen, Entdecken, Erfahren. Die lose, modulartige, leicht auseinandermontierbare Anbringung der Papierstreifen, Bl├Ątter und Scherenschnitte deutet sichtbar auf das Verfahren von Montage und Demontage und die Strategie der Konstruktion und Dekonstruktion. "Meine Arbeit beinhaltet die Idee der Mobilit├Ąt und der Ver├Ąnderung durch Neuanordnung", kommentiert die K├╝nstlerin ihre Vorgehensweise, (Anne F├Ąser: Virtuelle Konstruktionen sinnlicher Malerei, in: Katja Pudor. Salon Berlin, Ausstellungs -Katalog Saarl├Ąndisches K├╝nstlerhaus, Saarbr├╝cken 2010).

┬ę Katja Pudor, o.T., 2011, mixed media auf Papier, 50 x 60 cm



Die (soziale und k├╝nstlerische) Vernetzung und Mobilit├Ąt sind auch Thema der Zusammenarbeit von Pudor mit anderen K├╝nstlerinnen und K├╝nstlern: 2006 war sie Mitinitiatorin des Berliner Ausstellungsraumes "Stedefreund", den sie bis heute mit betreibt und wo sie in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten ist. Zusammen mit Antonia Nordmann rief Pudor das Projekt "Bandprobe" ins Leben, bei dem K├╝nstlerInnen verschiedener Genres, auch aus dem Bereich der Musik und der Lichtkunst, f├╝r einen begrenzten Zeitraum in einem Ausstellungskontext ein gemeinsames Werk schaffen.

Katja Pudors vielschichtige Arbeiten wirken r├Ąumlich und ┬┤bespielen┬┤ den Raum. In Anlehnung an die Ambient-Musik und Erik Saties "musique d┬┤ameublement" von 1920, werden Jens Nordmann & Ian Warner am 2. Februar 2012 um 19 Uhr im Rahmen der Ausstellung ein Konzert experimenteller Klangcollagen auff├╝hren.


AVIVA-Tipp: Die Freude der K├╝nstlerin am zielgerichteten Experiment ist sp├╝r- und sichtbar. Katja Pudors Arbeiten laden ein zum Verweilen, zum Verfolgen der vielschichtigen Linien, ausdrucksstarker Farben und au├čergew├Âhnlicher Anordnungen. Ein Besuch dieser Ausstellung in der Galerie Funke, die ├╝brigens ausschlie├člich Werke von Frauen zeigt, ist unbedingt empfehlenswert.




Die Ausstellung er├Âffnet am Samstag, den 14. Januar und wird vom 15. Januar bis zum 18. Februar zu sehen sein.
Er├Âffnung: Samstag, 14. Januar, 19-22 Uhr
Donnerstag, 2. Februar 2012, 19 Uhr:
Jens Nordmann & Ian Warner ÔÇô Musique D┬┤Ameublement
├ľffnungszeiten: Mittwoch ÔÇô Freitag, 13-18 Uhr, Samstag, 12-15 Uhr u. n. Vereinbarung.
Veranstaltungsort: Galerie Funke, Berlin
Willibald-Alexis-Stra├če 14
10965 Berlin
Weitere Infos unter:
www.galeriefunke.de
www.katjapudor.de





AVIVA-Berlin ist Medienpartnerin dieser Ausstellung.


(Copyright: Claudia Funke, Januar 2012)



Kultur Beitrag vom 11.01.2012 AVIVA-Redaktion 





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