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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.12.2009

Liebeslied - ein Film von Anne H├Şegh Krohn
Tatjana Zilg

Das allt├Ągliche Gl├╝ck eines Paares bricht zusammen, als Roger (Jan Plewka) erf├Ąhrt, dass er an Parkinson leidet. Gemeinsam mit Dinah (Nicolette Krebitz) hat er zwei freche und s├╝├če Kinder, mit ...



... denen sie in einem Haus leben, welches noch abbezahlt werden muss.

Die norwegische Regisseurin Anne H├Şegh Krohn verbindet drei unterschiedliche Erz├Ąhlweisen, was dem Film einen besonderen Reiz gibt, aber dem komplexen Thema auch in einigen Aspekten nicht ganz gerecht wird.

Im realistischen Dogma-Stil verfolgt sie, wie die kleine Familie mit der als unheilbar geltenden Krankheit konfrontiert wird: Roger arbeitet als Zimmermann auf wechselnden Baustellen. Zun├Ąchst ist er auf Montage und von seinem geliebten Trio getrennt. Dinah vermisst ihn sehr, aber das Paar erhofft sich, so die Schulden schneller loszuwerden. Auch die zahlreichen W├╝nsche ihrer Kinder wollen sie erf├╝llen, so gut es geht. Gleich zu Beginn des Films wird gezeigt, wie Rogers H├Ąnde ├Âfters stark zittern, wodurch er schlie├člich einen Arbeitsunfall verursacht. Er wird vom Vorarbeiter auf der Stelle gek├╝ndigt, denn dieser ist der Ansicht, dass Roger fahrl├Ąssig gehandelt hat. Er wurde ├Âfter dabei gesehen, wie er Bier trank, um sich zu beruhigen. Seine Kollegen vermuten deshalb, er sei Alkoholiker. Roger f├Ąhrt w├╝tend nach Hause in die Kleinstadt, wo er mit seiner Familie lebt.

Seine Wut findet in einem Rock-Song Ausdruck, den er w├Ąhrend der Autofahrt lautstark singt. Anne H├Şegh Krohn entschied sich daf├╝r, den Dogma-Stil an einigen emotionalen Wendepunkten mit modernen Musical-Elementen zu brechen. Teils singen ihre HeldInnen direkt in der Szene, teils werden sie in theatrale Umgebungen versetzt wie in eine Dirty Dancing-Disco oder auf eine tragikomische Kabarett-B├╝hne.

Jan Plewka d├╝rfte allen Fans guter deutscher Musik bestens bekannt sein: Er ist der S├Ąnger von Selig, denen im Fr├╝hjahr 2009 ein vielbeachtetes Comeback mit dem Album "Und endlich unendlich" gelang. Auch Nicolette Krebitz ("Bandits", Regie "Das Herz ist ein dunkler Wald") hat neben ihrer Schauspiel- und Regie-Karriere eine bewiesene Begabung f├╝r die Musik. So legen die beiden HauptdarstellerInnen energisch los in den Musik-Szenen, unterst├╝tzt von den talentierten KinderdarstellerInnen Levin Henning und Elisa Richter.

Es war die Absicht der Regisseurin, ihre Charaktere in den Songs alles das ausdr├╝cken zu lassen, was sie in der jeweiligen Situation nicht anders aussprechen k├Ânnen. Dies ger├Ąt leider in den Widerspruch zum realistischen Erz├Ąhlstil: Ihr Kernthema ist die Schwierigkeit desPaares , sich ├╝ber die Ver├Ąnderungen durch die Krankheit auszutauschen. Obwohl sie eine moderne Beziehung f├╝hren, sieht Roger sich in der Rolle des starken Versorgers. Dinah verdient als Supermarkt-Verk├Ąuferin dazu und kommt mit den Anforderungen des Alltags gut klar, auch als er auf Montage ist. Dennoch macht ihr die Erkrankung ihres Partners gro├če Angst.

Dinah versichert Roger in den Songs, zu ihm zu stehen, doch hindert dies sie anschlie├čend nicht daran, gemeinsam so weiterzumachen wie zuvor, ohne auf seine Krankheit zu achten. Es verwundert hier auch, dass er nach der ├Ąrztlichen Diagnose lediglich Medikamente nimmt, aber weitere Unterst├╝tzung scheint es kaum zu geben. Auch Dinah versucht nicht, sich weiter ├╝ber die Krankheit zu informieren. Angeh├Ârigen-Beratungen werden ihr nicht angeboten.

Stattdessen werden die Beiden f├╝r sie unerwartet mit einem weiteren Symptom der Parkinson┬┤schen Krankheit konfrontiert: Roger bleibt wie eingefroren auf der Stra├če stehen, als er einen Unfall seiner radfahrenden Tochter Marie verhindern will. Die Kleine wird vom Auto erfasst. Es geschieht das Unfassbare: Dinah und ihr Sohn lassen Roger als Statue stehen und rasen mit dem Krankenwagen davon. Hier kippt der Film ins Symbolische: Das Drehbuch l├Ąsst Dinah mit den Kindern wenig sp├Ąter vom Krankenhaus, wo Marie behandelt wurde, wieder nach Hause fahren und erneut weitermachen, als w├Ąre alles einigerma├čen in Ordnung. Dabei l├Ąsst sie Roger trotz der vorherigen Liebeslieder buchst├Ąblich auf der Stra├če stehen. Es kommt zu einem dramatisch ├╝bersteigerten Fortgang und erst zum Schluss scheint Dinah endlich der Krankheit ihres Geliebten ins Gesicht blicken zu k├Ânnen.

AVIVA-Tipp: Leider wirkt der Film wegen einiger Auslassungen nicht durchgehend glaubhaft. Gerne w├╝rde man mehr erfahren ├╝ber Parkinson bei Erwachsenen im mittleren Alter. Sicher ist es eindeutig, dass dies einen gravierenden Lebenseinschnitt f├╝r das Paar darstellt, aber ihr Umgang damit bleibt zu wenig greifbar. Dazu kommt, dass auch die Reaktionen des sozialen Umfelds in ├Ąhnlicher Weise unklar sind. Ein Freundespaar und ein verwandtes Paar stehen im engen Kontakt zur Familie und doch helfen sie nur kurzfristig und ziehen sich schnell zur├╝ck. Warum, bleibt unthematisiert.
In Verbindung mit den wenigen Leistungen der Gesundheitsversorgung f├╝r Roger und seine Angeh├Ârigen wirkt der Film aber wie ein Warnzeichen an die derzeitigen Regierungspl├Ąne zur radikalen Umstrukturierung der Krankenversicherung. Die kleine Familie erscheint allein gelassen mit der schweren Krankheit. Obwohl sie bisher gut funktioniert hat, ist sie den Ver├Ąnderungen nahezu hilflos ausgeliefert.

Liebeslied
Deutschland 2009
Laufl├Ąnge: 91 Minuten
Regie und Drehbuch: Anne H├Şegh Krohn
Musik: Christian Neander, Jan Plewka, Nicolette Krebitz
DarstellerInnen: Jan Plewka, Nicolette Krebitz, Oliver Br├Âcker, Stephanie K├Ąmmer, Markus Lerch, Milena Drei├čig, Levin Henning, Elisa Richter
Filmstart: 10.12.2009
Verleih: Zorro Film

Der Film im Netz: www.zorrofilm.de


Kultur Beitrag vom 10.12.2009 AVIVA-Redaktion 





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