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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 28.09.2010

Oskar und die Dame in Rosa
Tatjana Zilg

Die letzten zwölf Tage im Leben eines krebskranken Kindes: Regisseur und Bestseller-Autor Eric-Emmanuel Schmitt meistert dieses Thema in der Verfilmung seines gleichnamigen Romans mit einer ...



... beeindruckenden cineastischen Balance aus Leichtigkeit und Tiefsinn.

Teils wie ein farbenpr√§chtiges M√§rchen, teils wie eine Internatsgeschichte, die sich in Krankenhausr√§ume verirrt hat, teils wie eine philosophische Reflexion √ľber das Mysterium von Leben und Sterben tanzt das zweite Werk des au√üergew√∂hnlichen Autors √ľber die Leinwand und l√§dt die Seelen der ZuschauerInnen ein, den 10j√§hrigen Oskar w√§hrend seiner abenteuerreichen letzten Zeit zu begleiten, ihn dabei tief ins Herz zu schlie√üen und danach Sch√∂nheit und Grausamkeit vom Kreislauf des Lebens ein klein wenig besser verstehen zu k√∂nnen.

Eric-Emmanuel Schmitt ist ein Autor, der sich durch die einzigartige Herangehensweise an seine Themen einen bedeutenden Namen gemacht hat. Angstbesetzte Inhalte vermittelt er eindringlich, behutsam, im gleichen Zuge unterhaltsam und mit einem inneren, w√§rmenden L√§cheln. Mit "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" gelang ihm ein zeitloser Bestseller. Weitere Titel aus seinem bisherigen Werk sind "Mein Leben mit Mozart", "Kleine Eheverbrechen", "Das Kind von Noah" und "Das Evangelium nach Pilatus". Mit "Odette Toulemonde" gab er 2007 sein Regiedeb√ľt und bezauberte sein Publikum mit einer leichtf√ľ√üigen Geschichte √ľber die grenzenlose Schw√§rmerei einer lebensklugen Verk√§uferin zu einem depressiven Bestsellerautor. Dabei nutzte er geschickt die M√∂glichkeiten filmischer Effekte und des klassischen Musicals, um die Charaktere in ihren St√§rken und Schw√§chen zu betonen und die Geschichte in ihren Grundmotiven pr√§gnant zu sch√§rfen.

Diese Handwerksutensilien √ľbernahm er auch f√ľr die Regie der Verfilmung seines lediglich 112 Seiten umfassenden Romans "Oskar und die Dame in Rosa", der in Frankreich 2004 in einer Umfrage zum Thema "B√ľcher, die mein Leben ver√§ndert haben" neben der Bibel und Saint-Exup√©ry¬īs "Der kleine Prinz" genannt wurde. Das verwundert nicht, denn es geht hier um die Essenz vom Leben und Sterben und dem Tod als unausweichliche Tatsache, die Menschen seit Alters zur Spiritualit√§t hinf√ľhrt oder auch verzweifeln l√§sst.

Eine ber√ľhrende Freundschaft an der Schwelle zur Ewigkeit

Besonders ersch√ľttert es die menschliche Seele, wenn ein Kind eine unheilbare Krankheit hat. Genau davon ist Oskar betroffen.
Er leidet an Leuk√§mie und wird deshalb station√§r in einem Krankenhaus behandelt. Als er ein Gespr√§ch zwischen dem Arzt mit seinen Eltern belauscht, erf√§hrt er, dass die Medizin bei ihm versagt hat und er bald sterben wird. Zu der Schwere dieser Wahrheit kommt der Vertrauensbruch der Erwachsenen, die vorhatten, ihm den negativen Verlauf seiner Krankheit und den nahenden Tod zu verschweigen. Sp√§ter wird dieser Tatsache in einem bewegenden Wendepunkt des Films nachgesp√ľrt und durch einen Dialog werden die Motive deutlich, die dazu verleiten, den Tod zu verschweigen oder im Angesicht eines bald sterbenden, nahe stehenden Menschen zu verdr√§ngen. Das wird derart einf√ľhlsam und komplex dargestellt, dass es die ZuschauerInnen dazu ermutigt, selbst die Einstellung zum Sterben zu hinterfragen, Sterbenden anders zu begegnen und sie nicht durch innere Distanzierung in ihrer letzten, so wertvollen Zeit psychisch alleine zu lassen.

F√ľr Oskar wird eine Dame in Rosa zur bewunderten Wegbegleiterin und Vermittlerin in der letzten Zeit. Er hat die Pizzah√§ndlerin Rose erw√§hlt, als er im Treppenhaus des Krankenhaus mit ihr zusammenstie√ü und sie ihn mit einer temperamentvollen Schimpftirade √ľbersch√ľttete - v√∂llig unwissend √ľber seine unheilbare Krankheit. Sp√§ter verlangte Oskar beim Chefarzt nach der "Dame in Rosa". Dieser setzte anschlie√üend all seine √úberzeugungskraft daf√ľr ein, die sich str√§ubende Rose als ehrenamtliche Besucherin f√ľr Oskar zu gewinnen. Erst ist Rose verunsichert, dann aber wirft sie sich mit vollem Elan in ihre Aufgabe und erfindet f√ľr Oskar ein poetisches Ger√ľst, um die verbleibenden zw√∂lf Tage in h√∂chster Intensit√§t zu erleben: F√ľr jeden Tag soll er sich vorstellen, er sei ein ganzes Jahrzehnt, so dass er alle Lebensphasen eines langen, erf√ľllten Lebens vor seinem Tod erkunden kann - zus√§tzlich unterst√ľtzt durch einen brieflichen Dialog mit einem Gott der kindlichen Imagination.

"... Der Film w√ľrde sich eng an den Emotionen des Buches orientieren, aber es k√§me noch etwas hinzu: der Werdegang der Dame in Rosa. Wie bringt man es fertig, t√§glich in ein Kinderkrankenhaus zu gehen? Wie ertr√§gt man das Unertr√§gliche? Wo holt man die Kraft her, anderen zu helfen und an das Leben zu glauben, obwohl man wei√ü, dass es nicht ewig w√§hrt? Ich wollte aus der Dame in Rosa keine Heilige machen. Sie strotzt vor Leben, hat Sex, steckt in finanziellen Schwierigkeiten - wie wir alle. Sie b√ľ√üt auch nicht f√ľr irgendeinen ¬īFehler¬ī, den sie bitter bereut. Es ist einfach so, dass das Kind ihr helfen wird, sich selbst kennenzulernen. Und von ihrer tiefen Freundschaft profitieren beide: Rose nimmt Einfluss auf Oskars Leben, und Roses Leben wird durch Oskar ver√§ndert. Der Bengel hilft ihr zu begreifen, dass sie nicht nur Rosinen im Kopf hat, dass sie ein guter Weggenosse sein kann, dass tief in ihrem Inneren eine unsch√§tzbare Gro√üz√ľgigkeit schlummert", beschreibt Eric-Emmanuel Schmitt die Intentionen seines Films.

Die ernsten Grundmotive erhalten eine unschuldige Heiterkeit durch die Einbindung von märchenhaften Anleihen wie einer Schneekugel in Übergröße, in der Rose Oskar Szenen aus ihrer ereignisreichen Karriere als Catcherin (vor ihrem Einstieg in die Pizzabranche) zeigt, den farbenfrohen Ballons, mit denen die Briefe an Gott auf den Weg geschickt werden, einem palastartigen Schneideratelier im Besitz von Roses feenhafter Mutter und einer Naturbegegnung, durch die Oskar zu Reife und Erkenntnis gelangt.

AVIVA-Tipp: Ein ganzes Leben in zw√∂lf Tagen aus den Augen eines Kindes, das kein Kind mehr sein kann. Sich-Verlieben in eine Mitpatientin, Umgang mit Eifersucht, Trennung, Vers√∂hnung, so viel muss Oskar verarbeiten und entfaltet in den Dialogen mit seiner Dame in Rosa ber√ľhrende und weise Blickwinkel auf das Leben und das Sterben, die zum Nachdenken anregen und √ľber die Unberechenbarkeiten des eigenen Daseins hinwegtr√∂sten.
Entstanden ist so Autorenkino von h√∂chster Qualit√§t, die Sinne bet√∂rend, die Gedanken aufwirbelnd, die Gef√ľhle hervorlockend und mit kleinen und gro√üen neuen Erkenntnissen aus dem Kinosaal entlassend.

Oskar und die Dame in Rosa
Oscar et la dame rose
Belgien 2009
Regie und Buch: Eric-Emmanuel Schmitt
DarstellerInnen: Amir, Michèle Laroque, Max von Sydow, Amira Casar, Constance Dollé, Mylène Demongeot, Simone-Elise Girard
Länge: 105 Minuten
Verleih: Kinowelt Filmverleih
Kinostart: 07.10.2010

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

www.eric-emmanuel-schmitt.com

www.oskarunddiedameinrosa.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Rezension zu "Odette Toulemonde"


Kultur Beitrag vom 28.09.2010 AVIVA-Redaktion 





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