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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 05.05.2003

Begegnungen mit Menschen und Kakipflaumen aus Kaminoyama
Kirsten Eisenberg

Kakipflaume (Diospyros kaki), Habitus: bis zu 15 m hoher, sommergr├╝ner buschiger Baum mit kurzem Stamm, Nutzwert: Die vollreifen Fr├╝chte haben ein s├╝├čes Aroma...



Mit katzenartiger Sicherheit klettert der Kakipflücker durch ein Gewirr dürrer Äste, welche sich unter der Last tausender, leuchtender Früchte biegen.
Es ist ein m├╝hsamer Prozess, bis aus den orange-roten B├Ąllchen am Baum die runzligen, zuckers├╝├čen Feigen werden, die man auf dem Markt von Tokio kaufen kann. Seit Generationen ist das Pfl├╝cken, Sch├Ąlen, Trocknen und Verpacken Lebensinhalt ganzer Familien in der japanischen Bergregion Kaminoyama.
Der Fortschritt kommt langsam, nur statt des kleinen Sch├Ąlmessers hat man nun eine aus Zahnrad und Fahrradkette gebaute Maschine...

Der 1992 verstorbene japanische Regisseur Ogawa Shinsuke wurde in den 70er Jahren mit seiner Sanrizuka-Serie ├╝ber den Widerstand von Bauern und Studenten gegen einen Flughafenbau bekannt. 1984 und 1987 war er mit "Geschichten aus Magoni - die tausendj├Ąhrige Sonnenuhr" Gast auf dem Berliner Forum, wo er auch das Zusammentreffen asiatischer Regisseure organisierte.

Vor fast zwanzig Jahren begann Shinsuke mit seiner Arbeit f├╝r den Dokumentarfilm "Manzan Benigaki". Er wollte darin ein St├╝ck seiner Kultur festhalten, bevor diese leise verschwindet, denn immer mehr junge BergdorfbewohnerInnen suchen sich Arbeit au├čerhalb der Landwirtschaft. Seine Ehefrau wusste, mit welcher Leidenschaft ihr Mann an dem Kaki-Projekt gearbeitet hatte und wandte sich daher nach seinem Tod an die chinesische Regisseurin Peng Xiaolian.

Peng Xiaolian drehte unter anderem die Filme "A Dog to kill" (1997) und "Once Upon a Time in Shanghai".
Ogawa Shinsuke lernte die Filmemacherin 1988 auf den Filmfestspielen von Hawaii kennen und setzte seither gro├če Hoffnungen in sie. Mit seiner Hilfe konnte Xiaolian ihr Projekt verwirklichen und einen Film ├╝ber chinesische Studenten an japanischen Unis drehen. Es entwickelte sich eine wechselseitige gro├če Anerkennung, Ansto├č f├╝r Xiaolian, ein Buch ("Burning Attachments") ├╝ber Begegnungen und Auseinandersetzungen zwischen der japanischen und chinesischen Kultur zu verfassen.

Man muss sich auf die Ruhe und Langsamkeit dieses Films einlassen, denn f├╝r die Menschen in den japanischen Bergd├Ârfern scheint die Zeit anders zu ticken.
Voller Stolz kann ein Mann stundenlang ├╝ber Klimabedingungen und Windrichtungen erz├Ąhlen, schwelgt eine alte Frau in Erinnerungen an ihre Mutter, die nach dem Tod des Vaters eine Existenz als Kakifeigenh├Ąndlerin aufbaute.
Exotische Fl├Âten- und Trommelkl├Ąnge bewirken, dass die ZuschauerInnen leicht in diese andere Welt hineingleiten k├Ânnen.

Die Aufnahmen wechseln von n├╝chtern-informativ bis best├╝rzend-sch├Ân.
Die leuchtenden orange-roten Fr├╝chte, die zum Trocknen an langen Schn├╝ren aufgeh├Ąngt werden, heben sich in makellosem Kontrast gegen den blauen Himmel ab.

Und als Opfergabe ein paar Fr├╝chte f├╝r die V├Âgel - der Film vermittelt uns ein St├╝ck der Kultur der japanischen Bergd├Ârfer. Die Menschen im Film bringen Regisseur und Drehteam sichtlich Vertrauen entgegen, erz├Ąhlen neben Dingen ├╝ber die Arbeit auch Anekdoten ├╝ber ihr Leben in den Bergen.

F├╝r Peng Xiaolian war es nicht leicht, dem Film eine eigene Note zu geben ohne die Vision des von ihr bewunderten Shisukes zu verf├Ąlschen. Dennoch hat sie es geschafft, als Sprachrohr Shinsukes einen Dokumentarfilm voller Poetik zu drehen, der als Werk auch Ausdruck f├╝r pan-asiatische Zusammenarbeit ist - Traum beider Filmemacher.



Manzan benigaki - der ganze Berg ist voller roter Kakipflaumen
Regie: Ogawa Shinsuke, Peng Xiaolian

Japan 1984/2001, 90 Minuten
Verleih: Freunde der dt. Kinomathek
Kinostart: 05. Mai 2003

Kultur Beitrag vom 05.05.2003 AVIVA-Redaktion 





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