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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.04.2004

Aufwind in der Suisse romande
Tatjana Zilg

Das Filmkunsthaus Babylon zeigt vom 16. - 30. April 2004 eine Reihe mit Klassikern und neuen Filmen aus der französischen Schweiz, die sonst kaum im deutschen Kino zu sehen sind



Eine zweiwöchige Filmreihe beginnt am 16. April im Filmkunsthaus Babylon in der Rosa-Luxemburg-Strasse. Den ZuschauerInnen soll ermöglicht werden, Dokumentar- und Spielfilme aus der französischen Schweiz zu sehen, die sonst nur selten in den internationalen Verleih aufgenommen werden.

Ein Highlight ist der Dokumentarfilm "Pas les flics, pas les noirs, pas les blancs" von Ursula Meier, der am Samstag, 17.04 um 19.00 Uhr, in Anwesenheit von der Regisseurin gezeigt wird, zusÀtzlich am Dienstag, 27.04 um 20.00 Uhr:

Tity Dinkota ist Asylsuchender in Genf. Seit sein Asylantrag nach zwei Jahren Bearbeitungszeit abgelehnt wurde, hat er und seine Familie nur noch ein unsicheres Aufenthaltsrecht. Der Kongolese ist eng befreundet mit Alain Devegney, der als Unteroffizier fĂŒr die Genfer Polizei arbeitet.

Beide sind im Mediationsprojekt des Vereins Mondial engagiert. Alain Devegney initiierte das Projekt in Zusammenarbeit mit Sarah Khalfallah, Spezialistin fĂŒr interkulturelle Beziehungen und GrĂŒnderin von Mondial. Ziel ist die niedrigschwellige Vermittlung in Konflikten zwischen MigrantInnen, Einheimischen und der Gendarmerie. Die Entstehungsphase des Projektes war gekennzeichnet vom gegenseitigen Misstrauen, denn Alain ist nicht nur uniformierter Gendarm, sondern auch ein ehemaliges Mitglied der Vigilance, einer Partei der extremen Rechten. Nach einem Überfall, der in einem afrikanischen Land stattfand, distanzierte er sich und suchte eine Möglichkeit, den interkulturellen Dialog zu verbessern und Konflikte zu entschĂ€rfen.
Tity Dinkota konnte als erster Mediator gewonnen werden. Auch er war zunĂ€chst sehr skeptisch, denn er lehnte die "Weißen" ab und hatte zudem schlechte Erfahrungen mit der Gendarmerie gemacht.

Die Filmemacherin Ursula Meier zeigt Alain und die Mediatoren von Mondial beim Schlichten von Konflikten in Aufenthaltsfragen, bei der Passkontrolle, beim LĂ€rmschutz und in der Transferzone am Flughafen, wo Asylsuchende teils wochenlang auf eine vorlĂ€ufige Einreisegenehmgeigung warten mĂŒssen, unter der stĂ€ndigen Bedrohung, umgehend abgeschoben zu werden.
Zusammen mit dem Gendarm Yves Delachaux fĂŒhrt Alain Workshops zur Konfliktvermeidung fĂŒr Polizisten durch. Dort werden die alltĂ€glichen Vorurteile, die den Umgang mit den Asylsuchenden prĂ€gen, deutlich.
Alain, Yves, Tity und Sarah erzÀhlen jeweils aus ihrer Perspektive, wie ihr Engagement in der persönlichen Biographie verwurzelt ist.


Pas les flics, pas les noirs, pas les blancs
Regie: Ursula Meier
Drehbuch: Claude Muret, Ursula Meier
Musik: Michel Wintsch
Schweiz/Frankreich 2002, OmU
Verleih: Ciné Manufacture SA

Weitere interessante Filme im Programm:

Les agneaux
Der 15 jĂ€hrige Daniel und seine ein Jahr jĂŒngere Schwester werden, als sie nach dem Tod ihrer Mutter aus der elterlichen Wohnung flĂŒchten, von ihrem tyrannischen Vater verfolgt. Erst als Marie aus Notwehr einen Mord verĂŒbt, zeigt der Vater GefĂŒhle fĂŒr seine Kinder.
Regie: Marcel SchĂŒpach, 1996 OmU
Freitag, 23.04. um 20 Uhr
Montag, 26.04. um 19 Uhr

Des Ă©paules solides
Sabine möchte Spitzensportlerin werden. Sie besucht ein Sportinternat, wo sie nur eines im Kopf hat: Leistungssteigerung um jeden Preis. Die Konfrontation mit den Grenzen ihres Körpers, den mĂ€nnlichen Kollegen und dem harten Training fĂŒhrt zu Selbstverachtung und sozialer Selbstisolation.
Der Film erhielt den Prix TV5 fĂŒr den besten französischsprachigen Film 2002 und eine Nominierung fĂŒr den Schweizer Filmpreis 2002.
Regie: Ursula Meier, 2002 OmU
Montag, 19.04. um 22.30 Uhr

Die Spitzenklöpperin (La denteilliÚre)
Die Geschichte einer jungen Frau (Isabelle Huppert), die durch das UnverstĂ€ndnis ihres Geliebten, eines Studenten, in ihrem Selbstvertrauen erschĂŒttert wird. Das außergewöhnlich fotografierte Drama gehört zu Claude Gorettas Meisterwerken.
Regie: Claude Goretta, 1987 OmU
Sonntag, 25.04. um 22.15 Uhr

Le hibou et la baleine
AtmosphĂ€risch dichtes Portrait des Schriftstellers und Globetrotters Nicolas Bouvier, dessen philosophischer Hintergrund sich sowohl aus der LektĂŒre buddhistischer Schriften und zahlreichen Reisen wie aus dem Zwang, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, speist.
Dokumentarfilm
Regie: Patricia Plattner, 1993 OmU
Donnerstag, 29.04. um 20 Uhr

Zu jedem Film wird im Vorprogramm ein Kurzfilm gezeigt.
Die Filme im Überblick:
www.fkh-babylon.de

Veranstaltungsort:
Filmkunsthaus Babylon e.V.
Rosa - Luxemburg - Straße 30
10178 Berlin
Fon: 030. 2425076


Kultur Beitrag vom 14.04.2004 AVIVA-Redaktion 





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