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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.01.2006

Goldene Zeiten
Tatjana Zilg

Ein Hollywoodstar soll die Benefizgala des Golfsclubs im provinziellen Unna zum Medienereignis machen. Eine Komödie um Schein und RealitĂ€t, Betrug und LĂŒge im Deutschland zu Hartz 4 - Zeiten



Eventmanager Ingo (Wotan Wilke Möhring) versucht in Zeiten der wirtschaftlichen Flaute, mit Tricks und Raffinesse den ersehnten beruflichen Erfolg zu erlangen. Es ist nicht nur seine eigene Erwartung, sich endlich die notwendigen Statussymbole wie ein schickes Auto und eine große Wohnung leisten zu können, sondern vor allem auch die seiner Freundin Bianca (Sabrina White). Das glaubt er zumindest. TatsĂ€chlich hat sie eine AffĂ€re mit seinem Chef (Uwe Fellensiek) und verweilt zur Zeit auf dessen Jacht in SĂŒdfrankreich, was Ingo noch nicht weiß, aber er hat natĂŒrlich lĂ€ngst gemerkt, dass die Beziehung stark kriselt. Um allen zu beweisen, was in ihm steckt, entwickelte er einen gewagten Plan: Er hat den alternden, bisher arbeitslosen Schauspieler Horst MĂŒller (Dirk Benedict) angeheuert, um sich als Douglas Burnett, Star der amerikanischen Serie "John Striker", auszugeben. Vom Vorstand des Golfclubs möchte er anlĂ€sslich der bevorstehenden Benefizgala zugunsten eines rumĂ€nischen Waisenhauses eine hohe Provision fĂŒr die Vermittlung der berĂŒhmten Attraktion einkassieren. Der Hollywoodstar soll Publikumsmagnet fĂŒr das sorgfĂ€ltig vorbereite Ereignis werden.

Das gelingt zunĂ€chst erstaunlich gut. JĂŒrgen Matthies (Wolf Roth), der Leiter des Golfclubs, und sein Kassenwart, der biedere Dieter Kettwig (Ludger Pistor), empfangen den weitgereisten Gast am Flughafen. Gemeinsam mit dem nervösen Ingo prĂ€sentieren sie sich mit ihrem neuen AushĂ€ngeschild in einem kleinen italienischen Restaurant. Und tatsĂ€chlich: Die Kellner erkennen ihn, wollen Autogramme und fotografieren sich gegenseitig mit ihn. Erschöpft bringt Ingo seinen Komplizen danach in ein kleines Hotel. Doch Horst MĂŒller hat sich schon zu sehr mit seiner Rolle identifiziert. Er sieht die Chance gekommen, einmal im Leben den Ruhm zu haben, den er sich immer gewĂŒnscht hat. Er setzt sich mit der Presse in Verbindung und wirft wie ein grĂ¶ĂŸenwahnsinniger Rockstar den Fernseher aus dem Fenster. Ingo bekommt die Situation vorerst schnell wieder in den Griff. Er handelt im Edelhotel der Kleinstadt einen Sondertarif aus und quartiert den angeblichen Douglas Burnett dort ein. Dieser ist aber nicht mehr zu bremsen. Überall versucht er, seine neue Ausstrahlung zu genießen und fordert alle, einem Hollywoodstar zustehenden Privilegien ein.

Und keiner bekommt den geringsten Zweifel an seiner IdentitĂ€t. Insbesondere JĂŒrgen Matthies hat eigentlich ganz andere Sorgen. Seine Frau Francesca (Birgit Stein) ĂŒberfordert ihn mit ihren LuxuswĂŒnschen, stĂ€ndig möchte sie Geld von ihn. Dabei empfindet er nichts mehr fĂŒr sie. Anstatt sich mit ihr sie auszusprechen, stĂ¶ĂŸt er sie bei jeder Gelegenheit gefĂŒhlskalt zurĂŒck. Dennoch will er die Ehe aufrechterhalten, eine VerĂ€nderung kommt fĂŒr ihn nicht in Frage. Mit seiner viel jĂŒngeren Geliebten Jasmin möchte er am liebsten nur Sex. Doch auch sie beginnt, Anforderungen an ihn zu stellen.

Die Situation eskaliert, als ein ukrainisches BerufsleibwĂ€chter-Duo, das nicht nur legale Dienste anbietet, seine AuftrĂ€ge durcheinander bringt. Denn die aufstrebenden Herren von Unna haben die beiden MuskelmĂ€nner als LeibwĂ€chter fĂŒr Douglas Burnett angeheuert, die eifersĂŒchtige Ehefrau hat sie schon zuvor fĂŒr ihre RacheplĂ€ne an der Rivalin engagiert. In der Nacht vor dem großen Event flĂŒchtet sich JĂŒrgen Matthies in das Edelhotel, wo Douglas Burnett gerade Prostituierte fĂŒr eine Sexorgie empfĂ€ngt. Das UnglĂŒck nimmt seine Lauf, als die Berufskiller in dem ganzen Wirrwarr einer fatalen Verwechslung unterliegen. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Betrug, sondern auch um Mord. Und nicht Ingo ist der Drahtzieher, denn nun entpuppt sich derjenige, der anfangs zunĂ€chst als Bösewicht erschien, als der anstĂ€ndigste Mensch in diesem Labyrinth der egozentrischen Machtspiele. Als Ingo langsam die FĂ€den seiner Starinszenierung aus der Hand gleiten, wendet er sich ohnehin immer mehr seiner Ex-Schulkameradin Melanie (Alexandra Neldel) zu, die gerade ihre TrĂ€ume von einer Popstarkarriere begraben muss.

Regisseur Peter Thorwarth drehte einen sehr turbulenten Film mit einer komplexen Handlungsstruktur, die fĂŒr viel Spannung sorgt und Momente voll bitterbösen schwarzen Humors bereithĂ€lt. Das Spiel mit den Klischees gelingt jedoch nicht vollstĂ€ndig, teilweise werden sie nicht durch Übersteigerung dekonstruiert, sondern insbesondere die weiblichen Charaktere wirken zu klischeehaft angelegt, was bei heiklen Themen wie Prostitution und Schönheitswahn die ZuschauerInnen durchaus verĂ€rgern kann.

AVIVA-Tipp: Eine zynische, bissige Satire. Die StĂ€rke des Filmes ist es, als Spiegel der gegenwĂ€rtigen Zeit der gesellschaftlichen Sinnkrise zu wirken. Das sich ins Chaotische steigernde Spiel mit der schamlosen LĂŒge, den maskierten IdentitĂ€ten und der skrupellosen Durchsetzung der eigenen Interessen ist eine gelungene Parabel auf die Skandale und AffĂ€ren des neuen Jahrtausend.

Zum Regisseur:
Peter Thorwarth gelang bereits mit seinem KinodebĂŒt "Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding" 1998 der große Durchbruch. Die Komödie erlangte in Deutschland schnell Kultcharakter. 2001 folgte der zweite Kinofilm "Was nicht passt, wird passend gemacht", fĂŒr den er den deutschen Publikumspreis "Jupiter" erhielt.


Goldene Zeiten
Deutschland 2005, 135 Minuten
Regie: Peter Thorwarth
Drehbuch: Peter Thorwarth, Alexander M. RĂŒmelin
DarstellerInnen: Wotan Wilke Möhring, Dirk Benedict, Wolf Roth, Ludger Pistor, Birgit Stein, Alexandra Neldel, Christian Kahrmann, Ralf Richter, Hans-Martin Stier, Sabrina White
Kinostart: 26.01.2006
Verleih: www.senator.de

www.goldenezeiten-derfilm.de

Kultur Beitrag vom 25.01.2006 AVIVA-Redaktion 





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