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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.12.2005

Shouf Shouf Habibi - Schau ins Leben
Karin Effing

Ab laviert sich mit seinen Kumpels durch seinen Alltag und tr├Ąumt von einer Karriere als Hollywood-Darsteller. Albert ter Heerdt inszeniert Freud und Leid von Einwandererfamilien nicht ohne Klischees.



Der zwanzigj├Ąhrige Abdullah (Mimoun Oa├»ssa), genannt Ab, hat immer gro├če Pl├Ąne, die nur leider allzu oft scheitern. So hat er mit seinen Kumpels einen gro├čen Coup geplant. Auf einen hei├čen Tipp hin knacken sie mit viel M├╝he zusammen einen roten Container, der sich als absolut leer erweist. Ab kontaktiert daraufhin ├╝ber Handy seinen Informanten, um ihn zur Rede zu stellen. Sie seien am falschen Ort gewesen, teilt dieser ihnen mit. Als sich die Jungs erneut auf den Weg machen, sto├čen sie auf unz├Ąhlige rote Container, womit sich der Tipp als wertlos herausgestellt hat, und der Coup in die Hose gegangen ist. Der richtige Ort, ad absurdum gef├╝hrt durch die Ununterscheidbarkeit der Objekte, l├Ąsst die Jungen ratlos zur├╝ck...

Ob als B├╝roangestellter oder Metzger, als Schauspieler oder Bankr├Ąuber, Ab geht jeden seiner Neuanf├Ąnge mit vollem Elan an. Seine ├ťber-Identifizierung - er verl├Ąsst das Haus in einem Anzug und mit Aktenkoffer, um seinen Job als Wachmann in einem B├╝rogeb├Ąude aufzunehmen - reizt zum Lachen, zeigt jedoch auch seine gro├čen Hoffnungen, eine erf├╝llende Aufgabe und eine eigenst├Ąndige Identit├Ąt zu finden.

Ab ist das Kind einer marokkanischen Einwandererfamilie in den Niederlanden. Seine Eltern leben weiter in den traditionellen Werten der muslimisch gepr├Ągten Welt. Die Mutter Khadija (Zohra ┬┤Flifla┬┤ Slimani) ist der Fu├čabtreter f├╝r ihren Ehemann Ali (Salah Eddine Benmoussa). Sie ist eine typische Frau der ersten EinwandererInnen-Generation: ungebildet, mit einem sehr begrenzten Holl├Ąndisch-Wortschatz und gefesselt an das Haus, mit der einzigen Aufgabe, sich um den Gatten und die Kinder zu k├╝mmern. Sie hat genug von dem Patriarchen, der sich in seine religi├Âse Gemeinschaft zur├╝ckzieht und gleichzeitig die jungen, leicht bekleideten Frauen auf den Plakaten l├╝stern bewundert. Sie r├Ącht sich, indem sie den Rollstuhl, in dem er sitzt, gegen eines dieser Plakate donnern l├Ąsst. Mit der Nase h├Ąngt er daraufhin schmerzhaft auf dem Objekt seines Begehrens.
Abs Br├╝der, der ├Ąltere ist Polizist, der j├╝ngere geht noch zur Schule, scheinen ihren Platz in der Schnittmenge der Kulturen gefunden haben. Seine Schwester Leila (Touriya Haoud), eine angehende Modedesignerin, rebelliert zunehmend offener gegen die marokkanische Lebensweise. Zun├Ąchst ist ihr Widerstand noch passiv, so weigert sie sich, die K├╝che zu verlassen, in der sie mit ihrer Mutter sitzt, w├Ąhrend der Vater im Wohnzimmer ihre Heiratsbewerber unter die Lupe nimmt. Sie zieht jedoch klar ihre Konsequenzen als ihre Eigenst├Ąndigkeit und berufliche Entwicklung eingeschr├Ąnkt werden sollen und verl├Ąsst das Elternhaus...
Die Eltern sprechen die Sprache ihrer neuen Heimat nicht, was zu ungeahnten Komplikationen f├╝hren kann. Mutter Khadija kennt nur ein niederl├Ąndisches Wort, was ganz offensichtlich nicht reicht, einen Augentest erfolgreich durchzuf├╝hren. Denn die Brille, die sie verschrieben bekommt, verschlechtert ihre Sicht, so dass sie sie abnehmen muss, will sie klar sehen. Kompliziert ist auch die Sache mit der Zeitumstellung, deren Sinn den marokkanischen Jungens einfach nicht einleuchten will.
Das sind witzige und verwirrende Momente des leichten Filmes, der jedoch die Schwierigkeiten nicht verschweigt. Wenn die Gewalt und Unterdr├╝ckung ├╝berdeutlich werden, gewinnt er seine Leichtigkeit oft dadurch zur├╝ck, dass die "B├Âsen" auf der Stelle bestraft werden. So st├╝rzt der Vater, nachdem er hinter der Tochter hergelaufen ist, um sie zu schlagen, die Treppe hinunter, und befriedigt damit den Gef├╝hlshaushalt der Zuschauerin. An anderen Stellen bleiben die Verletzungen, die die ProtagonistInnen erleben, als solche klar im Raum stehen und erschrecken, was auch angemessen ist.

Der 30-j├Ąhrige Darsteller des Ab Mimoun Oa├»ssa initiierte diesen heiteren und hintergr├╝ndigen Film und assistierte Drehbuchautor und Regisseur Albert ter Heerdt bei der Buchentwicklung und dem DarstellerInnen-Casting. "Shouf Shouf Habibi" ist der erste Spielfilm des Regisseurs, der zuvor als Drehbuchautor zu der 10-teiligen Fernsehserie "TIJD van Leven" (Ladder of Years), die Mitte der 90er Jahre von Regisseur Andr├ę van Duren verfilmt und ausgestrahlt wurde, in Erscheinung trat. Die Serie beschrieb die Ver├Ąnderungen in den l├Ąndlichen Gegenden der Niederlande zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1985.

AVIVA-Tipp: "Shouf Shouf Habibi" von Albert ter Heerdt ist eine Kom├Âdie ├╝ber marokkanische EinwandererInnenfamilien in den Niederlanden und ├╝ber den Spagat zwischen den Kulturen. Leider ist der derbe Slapstick-Spa├č nicht immer so lustig, wie er sein m├╝sste, um einen wirklich am├╝santen Kinobesuch zu garantieren.

Shouf Shouf Habibi - Schau ins Leben
Regie: Albert ter Heerdt
Drehbuch: Albert ter Heerdt, Mimoun Oaïssa
Produzenten: Frank Bak, Ren├ę Huybrechtse, Joram Willink
Kamera: Steve Walker
DarstellerInnen: Mimoun Oaïssa, Touriya Haoud, Salah Eddine Benmoussa, Zohra ´Flifla´ Slimani, Najob Amhali
Produktion: Niederlande 2004
Filml├Ąnge: 89 Minuten
Verleih: Die Telepaten Filmverleih GmbH
Filmstart: 01.12.2005

Der Film in Netz unter www.ShoufShoufHabibi.nl (Seite befindet sich im Aufbau)



Kultur Beitrag vom 01.12.2005 AVIVA-Redaktion 





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