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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.10.2003

8. ChansonFest 2003 vom 23. bis 26.10.2003 im BKA-Theater
Anja Kesting

Das gr√∂√üte Festival seiner Art im deutschsprachigen Raum gibt vier Tage lang Einblicke und Aussichten in die Str√∂mungen der Berliner und √ľberregionalen Neuen Chansonszene



Eine hochkonzentrierte Plattform unter der k√ľnstlerischen Leitung von Boris Steinberg, die neben bekannten Berliner K√ľnstlerInnen wie Manfred Maurenbrecher, Ekki Busch und Tanja Ries auch wieder Neues und √úberraschendes enth√ľllt. Und schwerpunktm√§√üig im Laufe der Jahre gewachsen: Die Kombination neuer deutscher Popmusik mit dem klassischen Chansongenre erkunden Acts wie Bernadette La Hengst, Erdm√∂bel, Helikon oder Schneewittchen.


Zum Programm:
Donnerstag, 23. Oktober ab 20 Uhr:
Ekki Busch Terzett, Lisa Berg, C.Weber/T.Beckmann, Rainer Bielfeldt

Auch sein neues Programm nutzt das Ekki Busch Terzett zur Warnung vor den Gefahren jugendverherrlichender Rockmusik. Aufgekl√§rt wird √ľber die verh√§ngnisvolle Wechselwirkung von Schlaghosen und Schlager. In Berlin schon l√§ngst und lange mit Ruhm und Ehre auf den B√ľhnen zu Hause, tourt das muntere Trio immer und immer wieder von Kiel bis Zwickau, um aber, rechtzeitig zum diesj√§hrigen Fest, die neue CD zu pr√§sentieren. Ekki Busch, der in den 80er Jahren bei The Benjamins spielte und in den 90ern bei Element of Crime am Akkordeon wirkte, ist Begr√ľnder des Terzetts.

Lisa BergDie S√§ngerin/Texterin Lisa Berg und der Pianist/Komponist David Ruosch, beide Schweizer, z√§hlen in ihrer Heimatstadt Z√ľrich zum festen Bestandteil der dortigen Kulturszene. Berlin war zuerst nur eine Anlaufstation um Freunde zu besuchen, aber die Stadt lie√ü sie nicht mehr los und so ist seit dem vergangenen Sommer der Prenzlauer Berg zum Hauptwohnsitz und Schaffensort f√ľr beide K√ľnstler geworden. Das Resultat ist ein Abend mit romantisch-ironischen Liedern in Hochdeutsch und Mundart und einer Musik die irgendwo zwischen Chanson, Blues, Salonmusik und L√§ndlern liegt.

Sp√§testens seit ihrem Auftritt beim Chansonfest vor zwei Jahren sind Christiane Weber und Timm Beckmann nicht mehr zu bremsen. Im Ruhrpott sowieso schon lange als die neuen Stars des Chansons gefeiert, folgten bundesweit Konzerte ohne Ende. Beim diesj√§hrigen Chansonfest stellen die MusikerInnen Lieder und Chansons aus dem neuen Programm "Kurz vor unendlich" vor. Das Publikum erwartet eine wilde Mischung √ľberwiegend eigener Songs, quer durch verschiedenste Musikstile, Geschichten √ľber Plunderteilchen, fliegende Teppiche, Salmonellenvergiftungen, Nasenoperationen und b√∂se Schwiegerm√ľtter. Nichts ist vor ihnen sicher.

Rainer Bielfeldt ist wieder Single. Zumindest auf der B√ľhne und vor√ľbergehend. Als kongenialer Begleiter von Tim Fischer, Julia Kock und nat√ľrlich Gayle Tufts hat man ihn in den letzten Jahren auf allen B√ľhnen bundesweit erleben k√∂nnen. Nun, mit der dritten Solo-CD im Gep√§ck, ist Bielfeldt wieder alleine unterwegs. Ohne Scheu vor gro√üen Gef√ľhlen, schreibt er eing√§ngige Popchansons und hymnische Balladen √ľber die verschiedensten Facetten der Liebe. Er bietet mit aller Selbstverst√§ndlichkeit eine beispiellose Bandbreite an bissig-satirischen, nachdenklichen und melancholischen Liedern - alle voller Wahrheiten und mit einer atemberaubenden Harmonie zwischen Text und Musik.

Freitag, 24. Oktober ab 20 Uhr:
Wiebke Wiedeck, Manfred Maurenbrecher, Bernadette La Hengst, Erdmöbel

Bernadette HengstWiebke Wiedeck hat sich in den letzten Jahren zu einer der namenhaftesten Chansons√§ngerin der Berliner Szene entwickelt. Die ehemalige Background-S√§ngerin von Poems for Laila pr√§sentierte in diesem Fr√ľhjahr ein neues Repertoire an Liedern. In "Dinge des Lebens" trifft Chanson auf Tanz, eine charismatische Mischung aus Darstellern, Poesie, Unterhaltung und Leidenschaft. Mambo reiht sich an Tango, alte Jazzklassiker lieb√§ugeln mit poetischen Worten - und was alles miteinander vereint, sind die Texte, die l√§cheln lassen und nachdenklich stimmen, die sinnlich und frech sind und die der Leidenschaft nachsp√ľren.

Manfred Maurenbrecher ist ein Urgestein in der deutschsprachigen LiedermacherSzene und ein immer wieder gern gesehener Gast beim Chansonfest. Wer ihn kennt wei√ü, dass es ein festes Programm solo am Klavier eigentlich nicht gibt. Immer wieder kommen unterwegs neue Lieder und Geschichten dazu, werden uralte √ľberraschend zur√ľckgeholt. Das macht die Konzerte von MM immer wieder lebendig, einzigartig und neu.

Bereits in den 80ern ver√∂ffentliche Bernadette la Hengst erste Songs auf dem Fast Weltweit Label, zusammen mit Frank Spiler, "Die Sterne", und Jochen Distelmeyer, "Blumfeld". 1990 ging sie nach Hamburg gr√ľndete "Die Braut haut ins Auge", brachte frischen Wind in die M√§nner-Musikszene, bis sich die Band 1999 trennte. Ihre neue CD hat La Hengst fast im Alleingang eingespielt - und es h√∂rt sich gut an ohne Rock. Man k√∂nnte die neuen Songs eher mit charmanter Wohnzimmer Musik vergleichen. Sehr eigen, irgendwie mit dem 80er-Retro Hauch, aber doch brandaktuell. Und auf der B√ľhne pr√§sentiert die Power-Frau ihre Songs allein an der Gitarre, unterhaltsam und beeindruckend.

Im Rahmen ihrer Deutschlandtour gastiert die K√∂lner Band "Erdm√∂bel" im BKA-Theater. Geliebt als gro√üe Melancholiker pr√§sentieren die vier Musiker um Songschreiber Markus Berges auf ihrer f√ľnften CD "Altes Gasthaus Love" das von ihnen Unerwartete: frohe, schwingende Lieder voller angriffslustiger gro√üer Melodien. Erdm√∂bel sind hier anders, als frau sie kannte. Dennoch sind die neuen Songs mit der gro√üen Freude am Kleinen, f√ľr alle verst√§ndlich und voll verdrehter Eigenwilligkeit auch wieder typisch f√ľr diese Band.

Samstag, 25. Oktober ab 20 Uhr:
Uwe Felski, Schneewittchen, Helikon, Tanja Ries

Corinne DouareNach Lebensabschnitten in Hamburg, London und K√∂ln, kam Uwe Felski in der Silvesternacht 2000 nach Berlin. Seitdem liebt er seinen Kiez Kreuzberg, und inspiriert von seiner neuen Stadt, beginnt er seine ersten deutschsprachigen Songs zu schreiben. Seine Musik, mal melancholisch, mal komisch-katholisch, ber√ľhrt, weil sie aus seiner sensiblen und vielseitigen Verarbeitung seiner Gedanken und Empfindungen entsteht.

Marianne Iser und Thomas Duda alias Schneewittchen pr√§sentieren ihre neue CD und Ausschnitte ihres Programms "Messer in der Brust" beim diesj√§hrigen Chansonfest zum ersten Mal in Berlin. Die Themen, die Schneewittchen auf die B√ľhne bringen, sind uralt, so wie die Grausamkeit der M√§rchen. Tod und Schmerz bedeuten kein Tabu. Von der Liebeserkl√§rung bis zum Mord wird dem Publikum alles um die Ohren geklatscht, was den beiden auf der Seele brennt. Ob nun Chanson, Gothic-Art oder Pop-Rock, wie immer man es auch nennen mag, einordnen l√§sst sich Schneewittchen nicht. Sie sind au√üergew√∂hnlich und losgelassen.

Das Duo Helikon aus Hamburg geh√∂rt zu den Bands, die man vor ein paar Jahren unter den Begriff Hamburg macht Schule einordnete. Jene Musikbewegung, die in der Hansestadt ihre Urspr√ľnge machte und Bands wie z.B. Blumfeld zu Erfolg verhalf. Auch Helikon z√§hlen seitdem zu den erfolgreichsten Bands dieser Richtung.
Mit ihrer letzten CD "nicht irgendwo, sondern hier", wuchs das Duo um Anne Otto und Jochen Schmadtke zu einer f√ľnfk√∂pfigen Band heran. Inzwischen pr√§sentieren sich die Beiden aber wieder vorrangig im Doppelpack, so dass sich nicht nur etwas Minimalistisches und Folkloristisches in ihren Liedern, sondern auch in ihrer B√ľhnenshow widerspiegelt.

Metanoia hei√üt die vierte CD, mit der Tanja Ries und ihre Band im vergangenen Jahr im BKA Luftschlo√ü Premiere feierte. Nun wei√ü jede, dass es sich nicht nur um die Entf√ľhrung in ihre seltsame Welt der Bilder und Gedanken handelt, sondern auch um die Entf√ľhrung in die unwiderstehlichen Klang- und Gef√ľhlswelten ihrer Musik. Wie Lichtblicke in der D√§mmerung wandelt sich die Stimmung- nach oben, nach vorn, geradeaus. Die Texte sind Schilderungen einer Odyssee durch die Innenwelt, weit entfernt von den √ľblichen Herz-Schmerz-Kitsch-Reimen.

Sonntag, 26. Oktober ab 20 Uhr:
Sebastian Fischer, Manuela Sieber, Boris Steinberg, Monika Seibt

Sebastian Fischer gilt in der Berliner Chansonszene sp√§testens seit vergangenem Sommer als offener Geheimtipp. Mit den Chansons der franz√∂sischen S√§ngerin Barbara hat er sich eingehend besch√§ftigt und noch immer liegen ihm diese sehr am Herzen - jedoch wird er beim diesj√§hrigen Fest vorrangig seine eigenen deutschsprachigen Lieder zum Besten geben. Ob es darum geht, Pernod als Liebesbeweis f√ľr Paulette zu trinken, oder darum, die russischen Freunde mit einer selbstgemachten Spaghettisauce zu beeindrucken oder um Fr√∂sche, die im Bauch Liebeslieder singen - zusammen mit seinen Musikern entstehen kraftvolle Geschichten.

Die in Dresden geborene Manuela Sieber ist wohl die Neuentdeckung des diesj√§hrigen Chansonfestes. Nach abgeschlossenem Gesangsstudium in Dresden und Berlin, landet sie zun√§chst in Musicals und Operetten, sowie in Hamburg in der "Buddy Holly Story". Erste eigene Schritte im Bereich Song/Chanson, machten sie prompt zur Gewinnerin des Ralph-Benatzky-Chansonpreises in der Kategorie Neusch√∂pfungen. 2001 dann der Umzug nach Berlin, Zusammentreffen mit dem Gitarristen J√ľrgen Grohs, mit dem sie fortan im Duo Konzerte bestreitet. Ihre Songs gehen unter die Haut, treffen ins Herz, beeindrucken mit ihrer emotionalen Vielfalt. Das brachte ihr den Nachwuchsf√∂rderpreis f√ľr Songpoeten 2003 der Hans Seidel Stiftung in M√ľnchen ein.

Vor drei Jahren trat Boris Steinberg zum letzen Mal selbst beim Chansonfest auf. Als Veranstalter des Festes, hielt er sich in den letzten Jahren mehr im Hintergrund auf, organisierte und plante, damit alles glatt √ľber die B√ľhne ging. Seine musikalischen Wege der HerzkammerpOp-Tour f√ľhrten ihn dennoch bundesweit (und auch in Polen) durch gro√üe und kleine St√§dte. Beim diesj√§hrigen Fest pr√§sentiert er Ausschnitte seiner f√ľnften CD "Die Stille der Gewohnheit". Aus den einst so schwerm√ľtigen Chansons sind mit der Zeit gar poppige, oftmals optimistische Balladen geworden.

Monika SeibtDie in Tschechien geborene S√§ngerin Monika Seibt ist gepr√§gt durch das tschechische ChansonTheater, welches so namenhafte K√ľnstler wie Han√° Hegerov√° hervorbrachte, die mit ihren Chansons international Erfolge feierte und in derer Tradition sie sich selbst am meisten sieht. Nur begleitet von Klavierkl√§ngen, mit einer geballten Ladung slawischem Temperaments und der wohl dunkelsten Stimme seit Dunja Rajter und Alexandra, entf√ľhrt Monika Seibt ihr Publikum in die Welt ihrer Lieblingslieder, ihrer Idole. Und hat doch zu jedem Lied ihre ganz eigene pers√∂nliche Geschichte, ihre eigene Note und Interpretation.

AVIVA-Berlin verlost jeweils 3 x 2 Eintrittskarten f√ľr die Chansonabende vom 24. bis 26. Oktober 2003. Senden Sie uns eine eMail mit Angabe ihres Wunsch-Chansonabendes an folgende Adresse: gewinnspiel@aviva-berlin.de




8. ChansonFest 2003
Moderation: Corinne Douarre
BKA-Theater
Mehringdamm 34
Berlin-Kreuzberg
23. bis 26.10.2003
täglich 20 Uhr / Einlass 19 Uhr
21 / 15 / 9,- ‚ā¨
Tickethotline 030/20 22 007


Kultur Beitrag vom 14.10.2003 AVIVA-Redaktion 





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