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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.11.2010

Vergissmichnicht - Ein Film von Yann Samuell mit Sophie Marceau und Juliette Chappey. Kinostart: 23. Dezember 2010
Yasmine Georges

Wie eine Wundert√ľte ist "Vergissmichnicht", ein Film √ľber das Leben und die Suche nach sich selbst. Bunt und voller √úberraschungen kommt er daher und begeistert mit Farbenpracht und Originalit√§t.



Marguerite Flore (Juliette Chappey) ist sieben Jahre alt, als sie sich entschlie√üt ihre W√ľnsche und Tr√§ume f√ľr ihr sp√§teres Leben festzuhalten. Kurzerhand greift sie zu Stift und Papier und beginnt Briefe zu schreiben, adressiert an ihr erwachsenes Ich. Vierzig Jahre sp√§ter ist aus Marguerite die erfolgreiche Managerin Margaret (Sophie Marceau) geworden. Knallhart und mit der n√∂tigen K√§lte verhandelt sie mit den chinesischen Vertretern. Doch dann taucht M√©rignac (Michel Duchaussoy) auf, Notar und selbsternannter Postbote. Als er ihr einen Brief √ľberreicht, beginnt f√ľr Margaret eine turbulente Reise in die Vergangenheit.

Nachricht aus vergangenen Tagen

"Liebe Ich", schreibt die 7-j√§hrige Marguerite an sich selbst, doch der Brief landet im Papierkorb. Denn Margaret hat abgerechnet. Mit ihrer Kindheit und ihrem Heimatdorf Saou, mit dem Bruder, der Jugendliebe Philibert und der Gef√ľhlsduselei. All das stand ihr im Weg, als sie sich entschloss erfolgreich zu werden und nie wieder an Geldsorgen zu leiden.

Inspiration aus der Kindheit

Sachte erz√§hlt der franz√∂sische Regisseur Yann Samuell von den Fragen, die man sich in der Mitte des Lebens stellt. "Was wollte ich eigentlich?" und "War das mein Ziel?", sind nur einige Beispiele. Doch der Film geht noch weiter, ganz an den Anfang, und fragt nach den Kindheitstr√§umen. Superheld, S√§ngerin, Lastwagenfahrer, sind die Berufsw√ľnsche, die wir als Kind hatten wirklich so abwegig?

Ein Film voller Gegensätze

Yann Samuell zeigt den Widerspruch von rationaler Erwachsenen- und verträumter Kinderwelt gekonnt in seinem neuen Film. Auf der einen Seite sehen wir Sophie Marceau, die als neurotische, leicht zickige Karrierefrau brilliert, auf der anderen die kindliche Fröhlichkeit der jungen Darstellerin Juliette Chappey. Ihr folgt die Kamera mit dem Blick eines Kindes und stellt dabei ihre Veränderung von der lebenslustigen Träumerin zur knallharten Managerin in den Fokus.

Erwachsenwerden

An Marguerites siebten Geburtstag steht der Gerichtsvollzieher vor der T√ľr, der Vater verschwindet und die Mutter zieht mit den beiden Kindern in die Stadt. Von da an sickert die Realit√§t ganz allm√§hlich in die sonnendurchflutete Phantasiewelt der Kleinen. Sie m√ľssen schnellstm√∂glich umziehen und Marguerite kann sich nicht mehr von ihrer Jugendliebe Philibert verabschieden. Die geliebte Klarinette wird verkauft, die Mutter ist st√§ndig traurig. Als sie ins Internat muss, beschlie√üt Marguerite erwachsen zu werden. Die Kindheit ist vorbei. Die leidenschaftliche Briefeschreiberin, die einen Notar beauftragt hatte, ihr Werk dreiunddrei√üig Jahre sp√§ter an sie zu √ľbermitteln, gibt es nicht mehr. Ist sie f√ľr immer fort?

Wieder sieben

Beschwingt erz√§hlt Regisseur Yann Samuell von Kindheitstr√§umen und Lebensentw√ľrfen. Sobald Margaret den Brief aus ihrem Papierkorb fischt, ist ihr Schicksal besiegelt. Nach und nach muss sie sich den D√§monen ihrer Kindheit stellen. Etwa dann, als sie dem entfremdeten Bruder (Thierry Hancisse) einen Besuch abstattet oder ihre Jugendliebe (Jonathan Zaaca√Į) wiedertrifft.
Lebens- und Gesch√§ftspartner Malcom (Marton Csokas) hat daf√ľr anfangs wenig Verst√§ndnis. Margaret ist unkonzentriert, sitzt in Meetings nur abwesend da und verschwindet ohne Ank√ľndigung. So ist das, wenn die Vergangenheit an die T√ľr klopft, es bleibt kein Platz mehr f√ľr die Gegenwart. Und so reist die Managerin ihrem siebenj√§hrigen Ich hinterher, in das Alter der Vernunft (L¬ī√Ęge de raison - franz√∂sische Bezeichnung f√ľr die Entwicklungsphase von Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren, Anm. der Red.).

Musik rundet alles ab

Begleitet wird sie von den sanften Kl√§ngen des wunderbar dezent gehaltenen Soundtracks aus der Feder des Komponisten Cyrille Aufort. "Ich wollte auf keinen Fall dem flammenden Stil von Yann durch lyrische Exzesse schaden", begr√ľndet er seine Zur√ľckhaltung. Die sanften Melodien passen sich dem farbenfrohen und phantasiereichen Kinderleben Marguerites ebenso gut an, wie der grau-wei√üen Wirklichkeit Margarets. Die Musik wirkt hier als Verbindungsst√ľck zweier Welten, die ganz und gar nicht zusammenpassen wollen. Hinzu kommen die zwei Lieder von Lisa Mitchell. Leicht schwingend er√∂ffnet "Neapolitan Dreams" den Film, und "Sue" rundet ihn beim Abspann melodisch ab. Die Stimme der jungen Australierin hat genau den richtigen Charme, um die ZuschauerInnen von Anfang an zu verzaubern.

Hinter der Kamera

Mit viel Hingabe erz√§hlt der Regisseur die Geschichte seiner Figuren, schenkt auch den kleineren Rollen Beachtung, und widmet sich f√ľrsorglich deren Zusammenspiel. Er spickt seinen Film mit bunten Briefen, animierten Szenen und kleinen Verr√ľckheiten, folgt Margaret auf ihrem Weg in ein neues Leben und vergisst dabei nicht Marguerite beim Spielen zuzuschauen. Auch die Kameraarbeit von Antoine Roch muss man an dieser Stelle betonen. Treffend f√§ngt er die kleinen Momente des Beisammenseins ein, die diesen wunderbaren Film ausmachen.

Zum Regisseur: Yann Samuell, am 7.Juni 1965 in Frankreich geboren, ist nicht nur Filmemacher, sondern schreibt auch die Drehb√ľcher selbst. Sein erster Film "Liebe mich, wenn du dich traust" kam 2004 in die deutschen Kinos.

AVIVA-Tipp: "Vergissmichnicht" ist keiner dieser typischen Selbstfindungsfilme. Er kommt ohne ein Übermaß an Tragik und dramatischen Wendungen aus. Yann Samuell hat eine warmherzige und mitreißende Komödie geschaffen, die daran erinnert, dass man träumen darf, selbst wenn man schon groß ist.

Vergissmichnicht
L¬ī√āge de Raison
Frankreich 2010
Buch und Regie: Yann Samuell
DarstellerInnen: Sophie Marceau, Marton Csokas, Michel Duchaussoy, Jonathan Zaaca√Į, Emmanuelle Gr√∂nold, Juliette Chappey, Thierry Hancisse u.a.
Verleih: Schwarz-Weiss Filmverleih
Lauflänge: 89 Minuten
Kinostart: 23. Dezember 2010

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.schwarzweiss-filmverleih.de

Weitersehen auf AVIVA-Berlin:
"Liebe mich, wenn du dich traust", unter der Regie von Yann Samuell

"Auf der anderen Seite des Bettes" ein Film mit Sophie Marceau

Kultur > Kino Beitrag vom 24.11.2010 AVIVA-Redaktion 





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