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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 07.10.2016

Fiona Kidman - Jean Batten, Pilotin
Doris Hermanns

Ein Roman ├╝ber das Leben der Neuseel├Ąnderin Jean Batten (1909-1982), die in den 1930er Jahren eine der weltweit bekanntesten Pilotinnen war und immer wieder neue Rekorde bei ihren Fl├╝gen um die Welt erzielte.



Neuseeland zu Anfang des letzten Jahrhunderts. Noch ist nicht die ganze Welt erforscht, noch gibt es "L├Âcher", wie zum Beispiel in der Mitte von Australien. Entdeckungsreisen und die ersten Fl├╝ge spielen eine gro├če Rolle und werden viel in der ├ľffentlichkeit diskutiert. Schon als kleines M├Ądchen l├Ąsst Jean Batten ihre Mutter beim Anblick von Flugzeugen in einer Trainingsschule, in der Piloten f├╝r den Dienst beim Fliegerkorps trainierten, wissen: "Das will ich machen. Mutter, ich m├Âchte fliegen. (...) Wir k├Ânnen zusammen fliegen, du und ich. Ich kann das Flugzeug steuern." Und in dieser Nacht tr├Ąumt sie vom Fliegen. Und es ist die Zeit, als die Menschen in Neuseeland sich noch als Briten und Britinnen sahen, Gro├čbritannien war ihr "Mutterland", Maoris waren f├╝r sie Heiden und der Vater hatte noch gegen sie gek├Ąmpft. Wie Batten im Roman sagt: "... vielleicht hat das mit meinem Wunsch zu tun, weiter und schneller durch die Welt zu reisen. Meine Familie ist britisch, aber es ist schwierig, sich so zu f├╝hlen, wenn man so weit weg ist. Neuseeland liegt am anderen Ende der Welt. Es dauert viele Wochen und bedarf betr├Ąchtlicher M├╝hen, von einem Ende der Welt ans andere zu reisen. Ich m├Âchte zeigen, da├č es schnellere Routen, bessere Wege gibt, um solche Reisen um die Welt zu bewerkstelligen."

Es ist die Anfangszeit des Fliegens. Die Pilotinnen und Piloten scheinen wagemutig und werden als HeldInnen gefeiert, wenn sie ihre Fl├╝ge ├╝berleben, was durchaus nicht immer der Fall ist. Die Zeitungen berichten, wer wann welchen Flug geschafft hat, welchen neuen Rekord aufgestellt hat, aber auch wer abgest├╝rzt, tot oder vermisst ist ÔÇô und es wird viel dar├╝ber gesprochen. Kidman wei├č in ihrem biografischen Roman Jean Batten sehr gut in ihrer Zeit zu beschreiben und macht auch deutlich, dass sie keineswegs die einzige Pilotin zu ihrer Zeit war. So war Amy Johnson, die als erste Frau einen Alleinflug von England nach Australien machte, im gleichen Club wie Jean Batten in London.

Es scheint es ein unm├Âglicher Traum eines kleinen M├Ądchens w├Ąhrend der gro├čen Weltwirtschaftskrise. Ihre Eltern leben getrennt, das n├Âtige Geld fehlt und sowieso: "M├Ądchen k├Ânnen keine Entdecker sein", meinte ihr gro├čer Bruder ÔÇô und schon gar keine Pilotin. Auch wenn sie erst noch Ballett und Klavierspielen lernt, ihren Traum gibt sie nicht auf. Mit gro├čem Ehrgeiz setzt sich Jean Batten durch: "Es ist also wirklich m├Âglich (...). Stell dir vor, von einem Ende der Welt ans andere zu fliegen. W├╝rdest du das nicht gerne tun, Jean?" Sie wird hierbei vor allem von ihrer Mutter unterst├╝tzt, einer fr├╝heren Schauspielerin, die die strengen Geschlechterrollen keineswegs verinnerlicht hat, die mit ihr um die halbe Welt reist. Bereits in Neuseeland lernt Jean Batten zu morsen und mit dem Kompass umzugehen.

In London kann sie Flugunterricht nehmen, auch wenn dies bedeutet, dass ihre Mutter und sie sich jede Stunde vom Munde absparen und in billigen Absteigen leben m├╝ssen. Ihrem Vater in Neuseeland spielen sie vor, dass sie dort Klavierstunden nimmt. Wie wir es auch von den "Selbstfahrerinnen", also von den ersten Frauen, die Auto fuhren, kennen, lernt sie dort nicht nur zu fliegen, sondern eignet sich auch technische Kenntnisse an, um Reparaturen selber durchf├╝hren zu k├Ânnen.

Mit gro├čer Beharrlichkeit arbeitet sie auf ihr Ziel hin: Sie will den Alleinflugrekord von Frauen von England nach Australien, den Amy Johnson innehat, unterbieten. Zweimal startet sie und st├╝rzt unterwegs ab, erst beim dritten Mal gelingt es ihr: Sie kann den bisherigen Rekord um viereinhalb Tage unterbieten. Die Beschreibungen der Fl├╝ge sind h├Ąufig eher kurz, aber die neuseel├Ąndische Autorin Fiona Kidman gibt doch Einblicke, wie die Flugstrecke verlief, was Batten unterwegs erlebte und wie sie sich f├╝hlte. Vor allem die Einsamkeit in gro├čen H├Âhen wei├č sie immer wieder gut zu beschreiben: "Sie sah sich selbst als einen Menschen, der am Rande lebte, aber hier ├╝ber der Kargheit Griechenlands, hatte sie das Gef├╝hl, mitten in ihr tiefstes Inneres einzudringen, ein einsamer Ort, ja, aber einer, der ohne Furcht war. In einer Krisensituation Furcht zu haben war eine Sache, aber die Angst vor dem Tod selbst w├╝rde sie nie schw├Ąchen."

Und sch├Âner als jeder Ort unterwegs scheint ihr bei ihrer Ankunft Darwin im hohen Norden Australiens: "Als sie sp├Ąter an den Moment dachte, als sie ├╝ber die Landebahn auf eine wartende Menge zurollte, erinnerte sie sich, da├č, obwohl sie ├╝ber einige der ├Ąltesten und sch├Ânsten St├Ądte der Welt geflogen war, keine so magisch gewesen war wie diese kleine von wilden Buschfeuern umgebene Ansiedlung."

Diese Pioniertat macht sie 1936 zur bekanntesten Neuseel├Ąnderin ihrer Zeit. Es soll nicht bei diesem Rekord bleiben, weitere folgen. So fliegt sie nach Brasilien und als erste sowohl von England nach Australien als auch die umgekehrte Strecke, au├čerdem als erste in einem Direktflug von England nach Neuseeland. Die "Garbo der L├╝fte", wie sie genannt wurde, erh├Ąlt zahlreiche Auszeichnungen, wird empfangen wie eine Heldin und genie├čt ihren Ruhm: "Und manchmal liebe ich das ÔÇô das ist es, was mich umtreibt. Das Rauschen des Bluts, wenn man auf die Menge schaut, und du hast sie in der Hand, die gespannte Stille, die nur du durchbrechen kannst. Das ist wie ein Zauber."

Immer wieder trifft sie M├Ąnner, die sie scheinbar unterst├╝tzen, die letztendlich aber alle wollen, dass sie das Fliegen aufgibt. Aber sie l├Ąsst sich nicht davon beirren und bleibt ihren Zielen treu. Und als sie sich letztendlich entscheidet, sesshaft zu werden ÔÇô wohlgemerkt nachdem sie ihre Ziele erreicht hat - st├╝rzt ihr Geliebter ab, auf einem scheinbar sicheren Inlandflug innerhalb Australiens.

Ihr Erfolg endet j├Ąh, als ihr w├Ąhrend des Zweiten Weltkrieges ihr Flugzeug abgenommen wird. Anschlie├čend reist sie im Wesentlichen mit ihrer Mutter um die Welt. Eine Weile l├Ąsst sie sich noch in Jamaika nieder, wo sie nachbarschaftliche Beziehungen mit den britischen Autoren Ian Fleming und No├źl Coward pflegt, aber wie sie selber feststellt: "Die Fliegerei war mein Leben, und damit ist es jetzt vorbei. Das ist alles. Alles ist vorbei. Ich habe versucht, auf Jamaika dar├╝ber hinwegzukommen. Nun ja, es hat nicht funktioniert." Und mit diesem Mittelpunkt verliert auch die Geschichte an Intensit├Ąt und Spannung, wie Batten durch die Welt f├Ąhrt, so m├Ąandert auch der Roman gegen Ende etwas vor sich hin.

Jean Batten starb im Alter von 73 Jahren am 22. November 1982 vereinsamt auf Mallorca und wurde in einem anonymen Grab beerdigt. Der internationale Terminal des Flughafens von Auckland tr├Ągt heute ihren Namen.

AVIVA-Tipp: Ein beeindruckender Roman, in dem Fiona Kidman ein wunderbares Zeitbild von der Anfangszeit des Fliegens zeichnet, wobei sie gute Einsicht in die Risiken, aber auch die Erfolge der damaligen Piloten und vor allem Pilotinnen gibt. Zudem beschreibt sie in dem Roman eine sehr innige Mutter-Tochter-Beziehung und macht deutlich, dass scheinbare Einzelleistungen nur mit Unterst├╝tzung anderer ├╝berhaupt m├Âglich sind.

Zur Autorin: Fiona Kidman, 1940 in Hawera, Neuseeland geboren, ist eine der profiliertesten Autorinnen ihres Landes. Mit mehr als 25 Romanen, Gedichtb├Ąnden und Sachb├╝chern hat sie ein umfangreiches Werk geschaffen. Sie beschreibt h├Ąufig das kleinb├╝rgerliche Leben der unteren Mittelklasse in der Provinz, seine Moral und seine Heucheleien. Ihre Hauptfiguren sind zumeist Frauen, oft Au├čenseiterinnen in einer engen, konformistischen Gesellschaft.
Ihr Roman ├╝ber Jean Batten, The Infinite Air, erschien 2013. Fiona Kidman wurde f├╝r ihr schriftstellerisches Werk vielfach ausgezeichnet. Sie ist Officer of the British Empire und Dame Companion of the New Zealand Order of Merit sowie Chevali├Ęre de la L├ęgion d┬┤Honneur. Sie lebt in Wellington. (Verlagsinfo)
Website von Fiona Kidman: www.fionakidman.com

Zur ├ťbersetzerin: Barbara Weidle, geboren 1957 in M├╝lheim an der Ruhr, ist Kunsthistorikerin, Journalistin, Kuratorin und Verlegerin. Jean Batten, Pilotin ist ihre erste Roman├╝bersetzung.

Fiona Kidman
Jean Batten, Pilotin

Originaltitel: The Infinite Air
Weidle Verlag, erschienen August 2016
Fadengeheftete Broschur. 412 Seiten
Aus dem Englischen von Barbara Weidle
Einbandillustration: Kat Menschik
ISBN 978-3-938803-82-0
Euro 25,00
www.weidleverlag.de

Mehr Infos zu Jean Batten auf Youtube:

Jean Batten Triumphs Aka Jean Batten in Sydney (1930-1939)
www.youtube.com

Golden Age Pioneers: Jean Batten - Garbo of the Skies
www.youtube.com

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Literatur > Biographien Beitrag vom 07.10.2016 Doris Hermanns 





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