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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.03.2010

Lonelady - Nerve Up
Tatjana Zilg

Aus den britischen Nebelschleiern erhebt sich ein neues Talent. In einem alten FabrikgebĂ€ude hat die Allround-Musikerin ihr DebĂŒt kreiert, das scheppernde, sexy Beats in eine glamouröse, ...



... dunkelglitzernde MelodiösitÀt taucht, die wie von Joy Division inspiriert wirkt.

Die Kult-Band um Ian Curtis zÀhlt zu den musikalischen Vorbildern, die Lonelady im Geiste um sich sammelte, als sie ihre ersten Songs ins Leben rief. Weitere Referenzen sind Wire, The Fall, Suicide und Pil. Das Ergebnis klingt aber weder wie ein dem Gestern nachtrauerndes Retropackage noch wie melodramatischer No Wave oder puristischer Punk.

Rebellisches Blut pocht auch in ihr, wie bereits der Titel "Nerve Up" verrĂ€t. Zugleich zeigen ihre Songs zeitgemĂ€ĂŸe Gesichter, die nicht in Melancholie oder Zukunftspessimismus versinken, sondern durch muntere Electro-Beats explosives Temperament versprĂŒhen. So denkt die Zuhörerin beim Lauschen nicht unbedingt an die glorreichen Bands der 1980er Jahre. Vielmehr blitzen Analogien zu ZeitgefĂ€hrtInnen wie The Ting Tings, The Gossip und Ebony Bones auf.

Wobei Lonelady nicht wie diese die Aufmerksamkeit durch ein provokantes Outfit auf sich ziehen will. Sie gibt sich eher schlicht-elegant in Schwarz-Weiß. So entsteht ein geheimnisvoller Effekt, der auf andere Art die Neugier weckt.

Geboren wurde die Tonmeisterin unter dem Namen Julie Campell zwei Meilen östlich vom Stadtkern Manchesters in einer Gegend, wo Armut das Straßenbild prĂ€gt. Sozialwohnungen, heruntergekommene Bars, wenig GrĂŒnflĂ€chen und verschmutzte KanĂ€le waren ihre Wegbegleiter beim Erwachsenwerden. Bis heute verbindet sie eine Hassliebe mit der ArbeiterInnenstadt.

Sie entschied sich bewusst, dort, wo sie aufwuchs, ihr erstes Album auszutĂŒfteln. Anstatt in London in relativ bequemer Art in ein Studio zu gehen, errichtete sie sich in einem maroden FabrikgebĂ€ude ein kleines Studio, um dadurch ihrem musikalischen Erstling gebĂŒhrlichen Respekt zu zollen. Denn DebĂŒtalben sind fĂŒr sie etwas ganz Besonderes: Sie sieht in ihnen das Ergebnis eines lang anhaltenden Kampfes, gekennzeichnet von unverfĂ€lschter Echtheit und zĂŒgelloser Entschlossenheit.

Der selbsternannten Writerin, SĂ€ngerin und Gitarristin gelang ein progressiv verspieltes, musikalisch pointiertes, elektronisch mitreißendes Fairytale. Atemberaubend schnellen ihre zehn Songs dahin, dennoch ist auch fĂŒr poetische Ruhepunkte gesorgt. Ihr Gesang erkundet geschickt Nischen, Höhenlagen, Eck- und Kantpunkte der eigenen Kompositionen. EinprĂ€gsam bleibt er in den Ohren hĂ€ngen und Ă€hnelt einem Konglomerat aus der Stimme Sinead OÂŽConnors, Grace Jones und Annie Lennoxs - so ausgefeilt und sinnlich ist ihr Gesang bereits auf dem DebĂŒt.

An hypnoiden Hooklines mangelt es ebenfalls nicht. Der Titelsong "Nerve Up" klebt diese mit einer knappen, aber unwiderstehlichen Bassline und hektisch-aufgeregten Drums in die GehirnhemisphĂ€ren der ZuhörerInnen. "Immaterial" legt im Tempo noch einen Zahn nach und ist wie die Großzahl der Songs auch fĂŒr die TanzflĂ€che sehr empfehlenswert. Die Liebe zum Punk kommt im Tempo-Kracher "Early The Haste Comes" zum Vorschein, auch wenn die Akkord-Reduktion hier weitaus mehr electro-clashiger umgesetzt ist als bei den frĂŒheren No Future-Geweihten. Gegen Ende wird es eine Stufe ruhiger mit "Have No Past" und dem Slow-Motion-Track "Fear No More", wo Lonelady durch einen minimalistischen Instrumenteneinsatz ihre Stimme ganz in den Vordergrund treten lĂ€sst.

Lonelady im Netz: www.lonelady.co.uk und http://www.myspace.com/hiholonelady

Weiterhören auf AVIVA-Berlin: Ebony Bones und The Gossip

AVIVA-Berlin: Zwischen einer widerstÀndigen Kraft und einem feminin-dunkelschönen Charme siedeln sich die Songs von Lonelady an. In den grauen Hochhauswelten von Manchester in einer ehemaligen Fabrik ans Licht der Welt gelockt, sind sie nun bereit, sich zu verselbststÀndigen und sich in Berliner Altbauwohnungen, trendigen Clubs und den Chill-Out-Parkparties des kommenden Sommers auszuprobieren.

Lonelady
Nerve Up

Label: Warp Records, Rough Trade, VÖ Februar 2010


Music Beitrag vom 03.03.2010 AVIVA-Redaktion 





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