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AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 20.10.2010


In der Saison vor der Frauenfußball-WM ist die Bundesliga so spannend wie lange nicht mehr
Sylvia Rochow

Meisterin Potsdam führt Tabelle an, Frankfurt wiedererstarkt, Duisburg in Lauerstellung, Wolfsburg als Favoritenschreck. Schon über 300.000 WM-Tickets verkauft. Eröffnungsspiel am 26. Juni 2011




Kurz vor Halbzeit der Saison scheint in der Frauenfußball-Bundesliga auf den ersten Blick alles wie gehabt: Titelverteidiger 1. FFC Turbine Potsdam steht an der Tabellenspitze. Doch dahinter kommt mit dem 1. FFC Frankfurt bereits eine erste Überraschung, denn der einstmalige Branchenprimus konnte schon länger nicht mehr ernsthaft ins Meisterschaftsrennen eingreifen. Das könnte in der Vor-WM-Saison 2010/2011 anders werden. Aber nicht nur in Brandenburg und Hessen darf frau sich berechtigte Hoffnungen auf den Titelgewinn machen, denn auch die DFB-Pokalsiegerinnen vom FCR 2001 Duisburg stehen noch in Lauerstellung.

Die Ergebnisse in der oberen Tabellenhälfte gleichen sich stärker aus als in vielen Jahren zuvor. So unterlag Frankfurt beispielsweise in Potsdam, konnte selbst aber beim FCR Duisburg gewinnen. Der FCR wiederum spielte gegen Potsdam unentschieden. Zum Favoritinnenenschreck entwickelte sich der VfL Wolfsburg, der gegen alle drei Teams des Spitzentrios gewinnen konnte, sich jedoch gegen die vermeintlich kleineren Gegnerinnen schwer tut und momentan auf Platz Sechs steht. Coach Ralf Kellermann sieht seine Mannschaft offenbar zu Recht im Vorteil, wenn sie das Spiel nicht selbst machen muss, sondern aus einer starken Defensive auf Konter lauern kann.

© Sylvia Rochow


Doch nicht nur die Spannung an der Spitze prägt die aktuelle Spielzeit. Überall wirft die Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland bereits ihre Schatten voraus. In die allgemeine Vorfreude mischt sich vor allem bei den Verantwortlichen der Top-Teams, die entsprechend viele Nationalspielerinnen in ihren Reihen haben, einiges Kopfzerbrechen ob des extrem engen Terminkalenders. Letzter Spieltag vor der WM soll bereits der 13. März 2011 sein, um Bundestrainerin Silvia Neid eine lange Vorbereitungszeit mit ihrem Kader zu ermöglichen – normalerweise endet die Bundesliga-Saison erst Anfang/Mitte Mai.

Das DFB-Pokalendspiel wird am 26. März 2011 erneut in Köln ausgetragen – das Champions League-Finale (in London), immerhin in den vergangenen neun Jahren sieben Mal mit deutscher Beteiligung, jedoch erst zwei Monate später, am 26. Mai 2010. Noch sind nach übereinstimmenden Aussagen der Verantwortlichen die beiden deutschen Teilnehmerinnen im höchsten europäischen Vereinswettbewerb, Turbine Potsdam und der FCR Duisburg, von Seiten des DFB völlig im Unklaren gelassen, wie mit einer Abstellung der Nationalspielerinnen für eine mögliche Finalteilnahme umgegangen werden würde.

Schon jetzt sind Potsdam und vor allem Duisburg (Bresonik, Hegering, Krahn, Roelvink) durch teilweise langwierige Verletzungen mehrerer Leistungsträgerinnen gebeutelt. Die wenigen Pausen werden nicht nur die Belastung aller Spielerinnen im Saisonverlauf weiter verstärken, sondern verhindern auch den eigentlich nötigen behutsamen Wiedereinstieg der Rekonvaleszentinnen. FCR-Trainerin Martina Voss machte wiederholt darauf aufmerksam, dass Woche um Woche aus Personalmangel Spielerinnen spielen müssten, die eigentlich selbst noch nicht wieder zu 100 Prozent fit seien. Es bleibt zu hoffen, dass der große Traum vom WM-Heimsieg der deutschen Fußballerinnen nicht darunter leidet.

Derweil zeichnet sich ein starkes Interesse der Fans an der Weltmeisterschaft 2011 ab. Nach Angaben des Organisationskomitees sind neun Monate vor Turnierbeginn schon mehr als 300.000 der frei zur Verfügung stehenden 700.000 Eintrittskarten verkauft worden. Seit Mitte September 2010 läuft der Einzelticketverkauf, zuvor konnten bereits Gruppenkarten und Städteserien bestellt werden.
Besonders begehrt sind dabei neben dem Eröffnungsspiel im Berliner Olympiastation am 26. Juni 2011, dem bereits ausverkauften Finale am 17. Juli 2011 sowie den Gruppenspielen des deutschen Teams auch das Spiel um Platz drei und die Viertelfinalbegegnungen. Interessierte haben noch bis Ende des Jahres die Möglichkeit, sich Einzeltickets im Vorverkauf zu sichern. Bestellungen werden in der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt.
Das Turnier wird in vier Vorrundengruppen mit je vier Teams ausgetragen, die Erst- und Zweitplatzierten erreichen das Viertelfinale. Von den 16 Teilnehmerinnen stehen neben Gastgeber und Titelverteidiger Deutschland bereits Australien, England, Frankreich, Japan, Neuseeland, Nordkorea, Norwegen und Schweden fest. Die Auslosung der Vorrundengruppen und -partien findet am 29. November in Frankfurt am Main statt.

Zuvor stehen für die Frauen-Nationalmannschaft am 28. Oktober in Wolfsburg gegen WM-Teilnehmer Australien (18.30 Uhr, live im ZDF) und am 25. November in Leverkusen gegen Nigeria (18 Uhr, live in der ARD) noch die letzten Länderspiele im Jahr 2010 an.


Weitere Infos unter: www.dfb.de und de.fifa.com/womensworldcup

Beitrag vom 20.10.2010