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Der Tagespiel am 18. Dezember 2006, Autorin: Annette Kögel



So rastlos, wie Sharon Adler lebt und arbeitet, müsste ihr Tag eigentlich schon in 12 statt 24 Stunden zu schaffen sein. Die Frau besitzt einen integrierten Turbo, und den braucht sie auch: Die 44-jährige Kreuzbergerin ist Mutter, Fotografin, Unternehmerin, Netzwerkerin – und Herausgeberin des Berliner Online-Magazins für Frauen "www.aviva-berlin.de". Abends wird aber auch Adler in diesen Tagen ganz still: Da zündet die Kreuzbergerin eine Chanukka-Kerze an und gibt ihrer elfjährigen Tochter Mara ein Geschenk – so ist es nach jüdischem Glauben Brauch.

"Jüdisches Leben", "Women + Work", "Technik", "Girls + Boys", "Kultur", "Public Affairs": So heißen Rubriken des professionell gemachten Internet-Magazins, das die ausgebildete Fotografin und Computergrafikerin im Jahr 2000 gründete. Die Idee dazu kam Sharon Adler am Küchentisch – die Zusage auf ein Gründungsdarlehen der Investitionsbank Berlin kam schon gut eine Woche, nachdem sie ihr Projekt dort vorgestellt hatte. Seitdem umschiffte die Selbstständige etliche unternehmerische Klippen – und organisiert jetzt ein Team von rund 30 meist ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen.

"Hier geht es zu wie im Taubenschlag", sagt Adler im gemütlichen Büro zwischen Papierbergen, CD-Stapeln und Verlagsvorschauen. Jeden Tag aktualisieren in der Regel vier Kolleginnen die Aviva-Seiten. Die Besucher-Statistiken motivieren Adler: So gab es etwa im September über 1,3 Millionen Zugriffe von fast 100 000 Besuchern. Dazu gehören auch die Journalistinnen Lea Rosh und Georgia Tornow, Politikerin Sibyll Klotz und Sopranistin Moon Suk Kang, die auf den Gästeseiten zu Jubilumstagen gratulierten.

"Für mich ist Aviva eine Mischung aus Spiegel, Brand Eins, Tip, Brigitte und L-Mag", sagt Sharon Adler. Das Magazin finanziert sich über Anzeigen – das Kulturkaufhaus Dussmann gehört seit Jahren zu den wichtigsten Förderern. Derzeit sichern Verlage wie dtv und Rowohlt, Internet-Anbieter Versatel, Kosmetikunternehmen Fett und das Jüdische Museum das Erscheinen. Die Jüdische Allgemeine ist Kooperationspartner. Sharon Adler arbeitet zudem als Fotografin, etwa für Künstlerinnen und Unternehmen. Gerade hat sie das Buch "Damenwahl – Frauen und ihre Autos" herausgebracht.

Immer wieder nimmt Adler an Ausschreibungen teil – viel Stress, viel Konkurrenz. "Urlaub hatte ich seit fünf Jahren nicht mehr." Dafür gibt es kaum kreative Macherinnen, mit denen sich Sharon Adler nicht austauscht. Sie ist aber "gegen Biotope für Frauen" – diese sollten sich in allen Bereichen einmischen, sagt sie. "Ich verstehe nicht, wenn Frauen nicht Karriere machen wollen. Wenn die sagen, das sei ihnen zu stressig, sage ich immer: Gemütlich machen kann ich es mir auch zu Hause."

Viel Zeit haben sie und ihre Lebenspartnerin dafür nicht. Es gilt, Anzeigenkunden zu akquirieren, Ferien für die Tochter zu planen, Proteste gegen den Nahostkonflikt zu organisieren. "Am jüdischen Glauben fasziniert mich der Community-Gedanke", sagt Adler. Dass sie mal Maden im Briefkasten, mal Hassmails von Neonazis in der E-Mail-Post findet, versucht sie zu verdrängen. Was macht eine viel beschäftigte Frau? Die Taste "löschen" drücken.

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