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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 02.07.2008

Ingeborg Bachmann - ErklÀr mir, Liebe
Silvy Pommerenke

Eines der schönsten und meistinterpretierten Gedichte Bachmanns steht als Namensgeber fĂŒr die Re-Edition ihres lyrischen Werkes aus den vierziger und fĂŒnfziger Jahren.



Ingeborg Bachmann wurde 1952 durch Ilse Aichinger mit Hans Werner Richter bekannt gemacht, der ihr den Zugang zur Gruppe 47 ermöglichte. Ihre Lesung auf dem "elektrischen Stuhl" - dem Zensurorgan dieser literarischen Gruppe, die keine Gruppe sein wollte -, ist in die Annalen eingegangen. SchĂŒchtern und den TrĂ€nen nahe trug sie ihre poetischen Perlen vor und wurde fast ausnahmslos von den AutorInnen des elitĂ€ren Zirkels gefeiert. Nur wenige Tage spĂ€ter saß sie bereits beim NWDR Hamburg und NWDR Hannover im Studio, um Rundfunkaufnahmen zu produzieren.

Bisweilen hört man die ZurĂŒckhaltung und Unsicherheit in der Stimme Bachmanns bei dieser vom Hörverlag herausgegebenen Gedichtsammlung. UnprĂ€tentiös und ohne ĂŒbertriebenes Pathos liest die Autorin Gedichte wie "Entfremdung", "Die gestundete Zeit", "An die Sonne" oder "Geh, Gedanke" und drĂŒckt damit ihre Trauer ĂŒber die Entfremdung der Menschheit und die Unmöglichkeit der Liebe aus. Bachmann, 1926 in Klagenfurt geboren, hat diese Ängste brillant in ihren Gedichten ausgedrĂŒckt, spĂ€ter auch in ihrer Prosa. Eine eigentĂŒmliche Schwere zieht sich durch ihre Texte, die ihren literarischen Höhepunkt in der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Diktatur finden, wie beispielsweise in dem Gedicht "FrĂŒher Mittag".

1953 erschien der erste Gedichtband Bachmanns, "Die gestundete Zeit". Ein knappes Jahr spĂ€ter war sie schon auf dem Titelbild des Spiegel, der ihre Lyrik "zu den besten deutschsprachigen Gedichten ihrer Generation" zĂ€hlte, und sie schrieb nun von Italien aus, wo sie an ihrem zweiten Lyrikband "Anrufung des großen BĂ€ren" arbeitete. Neben Gedichten schrieb sie als freie Journalistin unter dem Pseudonym Ruth Keller fĂŒr die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, verfasste Hörspiele, arbeitete fĂŒr Hans Werner Henze an einem Libretto und hielt als promovierte Philosophin ihre berĂŒhmten Poetik-Vorlesungen in Frankfurt. In spĂ€teren Jahren wandte sie sich der Prosa zu, veröffentlichte 1961 "Das dreißigste Jahr" und schrieb "Malina", einen Roman, der zu der (unvollendeten) Trilogie des "Todesarten"-Projektes gehörte. Dies sollte sich fĂŒr Bachmann als self-fulfilling prophecy bewahrheiten: Sie starb 1973 in Rom an den Folgen eines Wohnungsbrandes.

Neben ihrem Oeuvre hinterlĂ€sst die intellektuelle Autorin und große Dichterin einen nach ihr benannten Literaturpreis: Vier Jahre nach ihrem Tod wurde der jĂ€hrlich stattfindende Klagenfurter Literaturwettbewerb ins Leben gerufen und trĂ€gt seitdem den Namen Ingeborg-Bachmann-Preis.

Zur Autorin: Ingeborg Bachmann, 1926-1973, wurde fĂŒr ihre Lyrik u.a. mit dem Georg-BĂŒchner-Preis 1957 und dem Großen Österreichischen Staatspreis 1968 ausgezeichnet. Sie studierte Philosophie, Germanistik und Psychologie. 1950 promovierte sie ĂŒber Heidegger. 1953 ging Ingeborg Bachmann als freie Schriftstellerin nach Italien, wurde zwei Jahre darauf Dramaturgin in MĂŒnchen und lehrte ab 1960 Poetik an der UniversitĂ€t Frankfurt. 1965 kehrte "die Bachmann", zum letzten Mal, nach Italien zurĂŒck. Werk und Wirken der Ingeborg Bachmann widerfuhren zahlreiche Ehrungen. Zu den wichtigsten Auszeichnungen gehören der Bremer Literaturpreis 1957, der BĂŒchner-Preis 1964 und der Große Österreichische Staatspreis 1968 (Quelle: Verlagsinformation).

Weiterhören: Malina und "Die Zikaden" von Ingeborg Bachmann

AVIVA-Tipp: Die Lyrik der Klagenfurterin Ingeborg Bachmann ist von tiefsinniger und melancholischer Schönheit. Es ist kaum möglich, die siebzigminĂŒtige CD in einem Rutsch durchzuhören, denn dafĂŒr ist der Eindruck zu intensiv, die Betroffenheit zu tief und das Nachdenken ĂŒber die Gedichte wird zu sehr angeregt. Der eigenwillige Sprachduktus Bachmanns trĂ€gt zu einer weiteren emotionalen GĂ€nsehaut bei, die dank der CD immer wieder aufs Neue evoziert werden kann.

Ingeborg Bachmann
ErklÀr mir, Liebe
Gedichte 1948 bis 1957

DHV: DerHörVerlag; Juni 2008
1 Audi CD
LauflÀnge: 72 Minuten
ISBN: 9783867172929
14,95 Euro

Buecher Beitrag vom 02.07.2008 Silvy Pommerenke 





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