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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 22.02.2008

King Kong Theorie - Virginie Despentes. Jetzt auch als Taschenbuch
Stefanie Denkert

Provokation, Prostitution und Porno - die französische Skandalautorin schreibt einen biographischen Essay. Despentes hat krÀftig eingesteckt und teilt nun doppelt so heftig aus. Ehrlich und obszön!



Virginie Despentes – so unschuldig, wie ihr Name vermuten lassen könnte, ist sie bei Weitem nicht. BerĂŒhmt geworden ist die französische Skandaleuse als Autorin und Regisseurin von "Baise-moi – Fick mich" (2000). In dem Film schließen sich zwei Frauen zusammen, bewaffnen sich, und morden was das Zeug hĂ€lt. In Frankreich wurde "Baise-moi – Fick mich" als X freigegeben, und durfte somit nur in Pornokinos laufen. GewalttĂ€tige Frauen, die sich nicht auf die still-leidene Opferrolle beschrĂ€nken (eine wurde vergewaltigt, die andere hat den Mord an ihrem Bruder miterlebt), das war den Franzosen zu viel. In Deutschland lief der Trash-Movie in den Programmkinos (ab 18), doch bei der DVD-Veröffentlichung wurde eine Vergewaltigungsszene abgedunkelt.

Virginie Despentes ist wĂŒtend, denn das faktische AuffĂŒhrungsverbot von "Baise-Moi" hat sie nicht verwunden und so nimmt das Aufarbeiten des Sich-ungerecht-behandelt-FĂŒhlens einen großen Teil in "King Kong Theorie" ein. Dabei setzt sie jedoch ihre eigenen Erlebnisse in einen weiteren Kontext und zeigt anhand der Reaktionen auf ihren Film die Doppelmoral und den Sexismus auf, dem Frauen ausgesetzt sind . Doch auch weitere persönliche Erfahrungen, die sie in ihrem Leben gemacht hat, werden hier politisiert: gleich zu Beginn erzĂ€hlt sie von ihrer eigenen Vergewaltigung, die ihr und einer Freundin beim Trampen widerfahren ist, und dem Kampf, danach ein "normales Leben“ weiterzufĂŒhren.

Virginie Despentes will sich nicht als hilfloses, schwaches Opfer fĂŒhlen, schließlich passt das nicht zu ihrer toughen Punk-AttitĂŒde , und dem dazugehörigen Selbstbild. Virginie und ihre Freundin schweigen sich deshalb zunĂ€chst ĂŒber die Geschehnisse aus, anstatt sich einzugestehen und die Tatsache zu verarbeiten, dass sie tatsĂ€chlich vergewaltigt wurden. Erleuchtung bringt ihr schließlich ein Artikel der umstrittenen US-Feministin Camille Paglia, auf den sie zufĂ€llig stĂ¶ĂŸt. Darin erklĂ€rt Paglia sinngemĂ€ĂŸ, dass die Welt nun mal schlecht sei und wenn eine Frau sich in die Öffentlichkeit rauswage, die schließlich MĂ€nnern vorbehalten sei, dann gehe frau eben das Risiko einer Vergewaltigung ein. Virginie kann Paglias Worte mit ihrer rebellischen Haltung vereinbaren: sie hat es gewagt und wurde vergewaltigt. Sie hat die Regeln des Frauseins gebrochen, den Preis bezahlt - und entschließt sich, weiterzumachen. Über die hĂ€ufigste Form von Vergewaltigung, nĂ€mlich durch Verwandte und Bekannte, spricht sie allerdings nicht.

Prostitution oder die "Rekonstruktion des Ichs"
Dass aus Vergewaltigungsopfern gute Nutten werden, das sagt und weiß Virginie selbst - zieht aber daraus nicht den Schluss, dass Prostitution verboten werden sollte. Im Gegenteil kĂ€mpft sie fĂŒr bessere Bedingungen und soziale Akzeptanz. Einige Jahre nach ihrer Vergewaltigung bietet sich ihr die Gelegenheit, als Prostituierte zu arbeiten und sie versucht sich, "Geldschein fĂŒr Geldschein", zu rehabilitieren, so die Kontrolle ĂŒber ihren Körper zurĂŒckzugewinnen. FĂŒr die Freier empfindet sie fast Mitleid, fallen sie doch auf die inszenierte Weiblichkeit herein. Gleichzeitig ist sie erstaunt, dass sie aus dem dicklichen, maskulinen MĂ€dchen – wie sie sich selbst beschreibt - eine sexy Frau gezaubert hat, allein durch die richtigen Klamotten und Accessoires. Aber auch das widert sie eigentlich an und so sehnt sie sich danach, wie King Kong zu sein: geschlechtslos, wild und unzivilisiert.

AVIVA-Tipp: Selten schreiben Frauen so wunderbar ehrlich und obszön, wie Virginie Despentes. Ihre jugendliche Punk-AttitĂŒde hat sie sich bewahrt und haut in "King Kong Theorie" allen in die Fresse: der Bourgeoisie, den Frauen, den MĂ€nnern, ganz Frankreich, der ganzen westlichen Welt. Dass sie sich dabei auch mal in WidersprĂŒche verstrickt, ist ihr egal. Ihr autobiographischer Essay beansprucht nicht, eine allgemeingĂŒltige Wahrheit darzustellen, es ist ihr Leben und ihre Wahrheit. Und wer das akzeptiert, hat es mit einer wunderbaren LektĂŒre zu tun, die so herrlich geschrieben und ĂŒbersetzt ist, dass man sich im Gedankenfluss verliert und die uns gleichzeitig zwingt, unsere Einstellungen zu ĂŒberdenken. Selbst wenn wir danach auf das gleiche Ergebnis kommen, gewinnen wir an Gedankenreichtum.

Zur Autorin: Virginie Despentes, 1969 in Nancy geboren, arbeitete in Massagesalons und Peepshows, betrieb einen Plattenladen und trat als RapsĂ€ngerin auf, bevor sie zu schreiben begann. Ihr 1993 veröffentlichter Roman "Baise-Moi" machte sie auf Anhieb berĂŒhmt. Weitere Romane auf Deutsch: "Die UnberĂŒhrte (1999), "Pauline und Claudine" (2001), "Teen Spirit" (2003). (Quelle: Verlagsinfo)


Virginie Despentes
King Kong Theorie

Originaltitel: King Kong Théorie
Ins Deutsche ĂŒbersetzt von Kerstin Krolak
Berlin Verlag, erschienen September 2007
Gebundene Ausgabe, 160 Seiten, 1. Auflage
ISBN-10: 3827007550
ISBN-13: 978-3827007551
18,00 Euro




Virginie Despentes
King Kong Theorie

Übersetzt von Kerstin Krolak
Berliner Taschenbuch Verlag, erschienen Mai 2009
Kartoniert - 176 Seiten
9,90 Euro

Buecher Beitrag vom 22.02.2008 AVIVA-Redaktion 





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