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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 18.12.2007

Alleinflug ÔÇô Mein Leben. Elly Beinhorn
Anna Tremper

Die erste Frau, die um die Welt flog, erz├Ąhlt von den schwierigen Etappen ihrer Flugreisen und auch von denen ihres Lebens. Eine mitrei├čende Autobiographie ├╝ber eine Frau und ihre Leidenschaft.



1928 bekam Ellys Leben in der hannoverschen Stadthalle eine neue Richtung. Hermann K├Âhl hielt dort einen Vortrag. Er war gerade mit der "Bremen" ├╝ber den Ozean geflogen und berichtete an besagtem Abend von diesem gef├Ąhrlichen Unterfangen. Elly Beinhorn war unter den Zuh├ÂrerInnen und wurde von seiner Rede inspiriert. Am folgenden Morgen suchte sie den hannoverschen Aeroklub auf, um mit dem Fliegen zu beginnen.

Die Worte des Pr├Ąsidenten des Aeroklubs "Es gibt in Deutschland keine beruflichen M├Âglichkeiten f├╝r eine Fliegerin" konnten sie nicht abschrecken und sie verfolgte weiter ihr neu entdecktes Ziel. Auch als ihr Vater sie f├╝r verr├╝ckt erkl├Ąrte und Elly zu einem Nervenarzt schicken wollte hielt sie weiterhin an ihrem Traum vom Fliegen fest und sa├č schlie├člich am 2. November 1928 zum ersten Mal in einem Flugzeug.

Die gro├če Reise beginnt
Sie machte ihren Flugschein A ÔÇô doch es sollte noch einige Zeit vergehen, bis sie die M├Âglichkeit bekam, lange Strecken abzufliegen. Zun├Ąchst erhielt sie als Frau keine Anstellung und musste erst einmal auf den Kunstflug ausweichen.
Eines Tages war es dann doch so weit, sie bekommt einen Flugauftrag. Sie soll den Frack eines Gro├čindustriellen nach Rom fliegen. Ein recht eigenartiger Auftrag, aber immerhin ein Auftrag. Doch bei dem Flug treten einige Komplikationen auf und so endet das ganze Unterfangen mit einer Anekdote ├╝ber einen verhinderten Frack und einen deswegen gar nicht mal entt├Ąuschten Industriellen.

1500 Kilometer nach Rom waren zwar noch nicht die Welt, aber ein Anfang war gemacht. Durch ihre T├Ątigkeit als Kunstfliegerin bekam sie nun auch Auftr├Ąge als Reklamefliegerin und konnte so Geld f├╝r ihre Langstreckenprojekte sammeln.
Der von ihr ertr├Ąumte Flug nach Afrika wurde schlie├člich Wirklichkeit und der R├╝ckflug ein wirklicher Albtraum. Sah es zun├Ąchst noch so aus, als w├╝rde sie gar nicht erst ├╝ber die Sahara fliegen d├╝rfen, verbrachte sie dann doch viel mehr Zeit in diesen hei├čen Gefilden, als ihr lieb war. Nach einem Absturz lebte sie einige Zeit im Busch ehe sie wieder in die n├Ąchste Stadt gelangte und von dort, wegen ihres schlechten gesundheitlichen Zustandes mit dem Flugzeug wieder abgeholt wurde.

W├Ąhrend ihres unfreiwilligen Zwischenstopps in der W├╝ste f├╝llten Artikel zu ihrem Verschwinden die Zeitungen und nach ihrer Ankunft gab es viele Berichte ├╝ber ihre abenteuerliche Reise. 1935 lernte Elly Beinhorn den Rennfahrer Bernd Rosemeyer kennen. 1936 heiraten sie. Der Rennfahrer machte ihr einen sehr eigenen Antrag und ├Ąhnlich eigen war auch die etwas sp├Ąter folgende Hochzeitsreise. Bernd fuhr weiter seine Rennen und Elly schickte sich an, drei Kontinente an einem Tag zu ├╝berfliegen. Ihr Ehegl├╝ck war nur von kurzer Dauer, denn nur zwei Monate nach der Geburt ihres Sohnes verungl├╝ckte Bernd 1938 auf der Autobahn bei Darmstadt bei einem Rekordversuch von mehr als 430 Kilometern pro Stunde t├Âdlich.

Elly Beinhorns "Alleinflug" ist ein einziges gro├čes Abenteuer. In ihrem Buch berichtet sie in 34 Kapiteln von so au├čergew├Âhnlichen Ereignissen, wie einer Notlandung am Persischen Golf oder einem Treffen mit dem K├Ânig von Siam. Viele Etappen werden durch Fotos illustriert. Auch von ihrer viel zu kurzen Zeit mit ihrer gro├čen Liebe Bernd Rosemeyer schreibt sie. Es h├Ątten sicherlich noch mehr Kapitel werden k├Ânnen bei diesem spektakul├Ąren Leben einer spektakul├Ąren Frau.

Zur Autorin:
"Rekorde m├╝ssen sein wegen der ganzen Weiterentwicklung, zur Anregung f├╝r die Industrie, um f├╝r die Verkehrsfliegerei die Reklametrommel zu r├╝hren. Aber mich interessiert das nicht. Ich m├Âchte die Wunder der Welt erleben."
Danach lebte, die am 30. Mai 1907 in Hannover geborene Elly Beinhorn. Sie machte mit zwanzig Jahren ihren PilotInnenschein und startete bereits mit 23 Jahren zu ihrem ersten Flug nach Afrika. Im Jahre 1932 gelang ihr erstmalig die Umrundung der Erde im Alleinflug und sie schaffte es w├Ąhrend dieser Reise, mit ihrer einmotorigen Maschine den Himalaya zu ├╝berfliegen. F├╝r diese sportfliegerische Leistung wurde sie in Berlin mit dem Hindenburg-Pokal ausgezeichnet und erhielt 10.000 Reichsmark. Sie stellte in den 1930ern mehrere Langstreckenrekorde auf. Anders als ihre Flieger-Kollegin Hanna Reitsch, die dem "Dritten Reich" diente, kollaborierte Elly Beinhorn nicht offen mit Hitler-Deutschland, distanzierte sich aber auch sp├Ąter nicht: "Von Politik habe ich noch nie viel verstanden". Ihr Schulleiter Robert von Greim war der von Hitler ernannte, sp├Ątere Oberbefehlshaber der Luftwaffe. 1991 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Erst im Alter von 72 Jahren gab sie ihren PilotInnenschein wieder ab, nach 5.500 meist allein geflogenen Flugstunden. Neben ihrer Fliegerinnenkarriere war Elly als Reporterin unterwegs und verfasste zahlreiche B├╝cher und H├Ârspiele ("Mein Mann, der Rennfahrer. Der Lebensweg des Bernd Rosemeyer" und "Ein M├Ądchen fliegt um die Welt"). Am 30. Mai 2007 feierte Elly Beinhorn ihren 100. Geburtstag. Sie starb wenige Monate sp├Ąter, am 28. November 2007, in Ottobrunn.

AVIVA-Tipp: Elly Beinhorn berichtet authentisch aus ihrem ereignisreichen Leben. Viele kleinere und gr├Â├čere Katastrophen sind ihr auf ihren unz├Ąhligen Flugkilometern widerfahren: Notlandungen und andere Widrigkeiten waren bei ihren Reisen keine Seltenheit. Doch durch einen sehr pflichtbewussten Schutzengel an ihrer Seite und aus eigener Kraft kommt Elly immer wieder mit einem blauen Auge davon. Viele Fotos aus ihrer Fliegerinnenzeit machen den Einblick in ihr Leben noch pers├Ânlicher. Eine spannende Biographie, die einem Abenteuerroman gleicht und von einer willensstarken Frau erz├Ąhlt.



Alleinflug ÔÇô Mein Leben
Elly Beinhorn

Herbig Verlag, erschienen April 2007
382 Seiten mit 101 Fotos / Hardcover
ISBN 978-3-7766-2522-6
19,90 Euro

Buecher Beitrag vom 18.12.2007 AVIVA-Redaktion 





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