Nella Larsen - Seitenwechsel - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Buecher
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA-Berlin > Buecher AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J√ľdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.10.2011

Nella Larsen - Seitenwechsel
Britta Meyer

"Schwarz", "wei√ü", beides oder auch keins von beiden, irgendwo dazwischen. Der Klassiker √ľber T√§uschung, Schauspiel und den Wahnsinn angeblicher menschlicher Rassen ist endlich auch auf deutsch...



... erschienen.

Wer ansieht und wer sich ansehen lassen muss

Der Moment, in dem der Roman das Thema "Rasse" zum ersten Mal erwähnt, ist bezeichnend in seiner Unbehaglichkeit: die Protagonistin Irene Redfield sitzt in einem vornehmen Café und genießt ihren Eistee, als sie bemerkt, dass die fremde Frau am Nebentisch sie mit beharrlichen, aufdringlichen Blicken mustert.

"Allmählich regte sich eine leichte Unruhe in Irene, verhasst und schrecklich vertraut. Sie lachte leise, aber ihre Augen blitzten. Wusste diese Frau, konnte diese Frau irgendwie wissen, dass hier, genau vor ihren Augen, auf dem Dach des Drayton eine Schwarze saß? Absurd! Unmöglich! Weiße waren doch so dumm in solchen Dingen, trotz ihrer Behauptungen, sie könnten das anhand lächerlicher Einzelheiten feststellen: Fingernägel, Handflächen, Form der Ohren, Zähne und ähnlich blödem Quatsch. "

Es ist das Jahr 1929 und eine "Enttarnung" als Afroamerikanerin w√ľrde dazu f√ľhren, dass Irene umgehend der Lokalit√§t verwiesen w√ľrde. Umso verbl√ľffter ist sie, als sich die elegant gekleidete Fremde als verflossene Bekannte aus ihrer Kindheit vorstellt ‚Äď sie selbst ist ebenso wenig "Wei√ü", wie Irene. Clare Kendry, die unter h√§rtesten Bedingungen aufwuchs, hat sich entschieden, ihre helle Haut ebenso wie ihre au√üergew√∂hnliche Sch√∂nheit gewinnbringend einzusetzen, und heiratete einen reichen wei√üen Mann, den sie nie liebte und der von ihrer Vergangenheit und Herkunft nichts ahnt. Nichts will sie jetzt mehr, als sich einen Ort zur√ľck zu erobern, an dem sie sich nicht l√§nger verstellen und verstecken muss. Obwohl Irene von Clare`s Selbstverleugnung und Heuchelei abgesto√üen ist, verf√§ngt sie sich allzu schnell in ihrem kunstvollem Netz aus Charme und Schmeichelei.

Nichts ist so, wie es scheint

In Nella Larsen`s zweitem Roman gibt es keine klaren Grenzen zwischen Wahr und Falsch, mensch tut, was mensch tun muss, um zu √ľberleben. Das perverse System der Rassentrennung bringt dabei eine Reihe von Leben voller L√ľgen, Heimlichkeiten und Halbwahrheiten hervor: Clare lebt als Wei√üe in privilegierten Verh√§ltnissen, Irene verbirgt ihr Wissen um Clare`s Vergangenheit vor derem rassistischen Ehemann, Irene`s eigener Mann ist nicht ehrlich zu seiner Frau. Doch fr√ľher oder sp√§ter enth√ľllen Blicke in "Seitenwechsel" jedes noch so gut geh√ľtete Geheimnis...

Zur Autorin: Nella Larsen (als Nellie Walker am 13. April 1891 in Chicago, Illinois, geboren, am 30. M√§rz 1964 in Brooklyn gestorben) wuchs als "Woman of Colour" in einem wei√üen amerikanischen Mittelstandshaushalt in Chicago auf und studierte in Nashville, Kopenhagen und New York. Ihre Mutter war eine d√§nische Immigrantin. Nella Larsen heiratete 1919 deb Physiker Elmer Imes und begann zu schreiben. Nach ihrer Scheidung 193 arbeitete sie als Krankenschwester und lebte zur√ľckgezogen. Obwohl sie nur zwei Romane und eine Reihe Kurzgeschichten ver√∂ffentlichte, kann ihr Werk als wegweisend f√ľr die Critical Whiteness-Forschung in den Literaturwissenschaften gelten und geh√∂rt inzwischen zur Pflichtlekt√ľre amerikanischer Universit√§ten. "Seitenwechel" ist die erste auf deutsch erschienen Ausgabe ihres 1929 erschienenen zweiten Romans "Passing" (engl. "als etwas durchgehen"). (Quelle: D√∂rlemann Verlag)

Zur √úbersetzerin: Adelheid Dormagen √ľbersetzt seit mehr als 30 Jahren leidenschaftlich Literatur, unter anderem Werke von Virginia Woolf, Jane Bowles, Amy Bloom, Michael Oondatje und Doris Lessing. F√ľr Jenseits von Babylon von David Makouf erhielt sie 1997 den Deutsch-Australischen √úbersetzerpreis. (Quelle: D√∂rlemann Verlag)

AVIVA-Tipp: "Seitenwechsel" handelt vom Angesehen-Werden, Wahrgenommen-Werden als jemand "Anderes", als eine Person, die nicht dazu geh√∂rt, sich unbemerkt eingeschlichen hat und unerw√ľnscht ist. Ab wann wird eine lebensnotwendige L√ľge unertr√§glich und wie viel sind wir bereit zu opfern, um das zu erhalten, was wir uns aufgebaut haben? Larsen zeichnet jeden einzelnen ihrer Charaktere pr√§zise und vielschichtig und l√§sst niemanden als nur moralisch oder nur gewissenlos erscheinen. Ein echter Klassiker.

Nella Larsen
Seitenwechsel

Originaltitel: Passing
Dörlemann Verlag, erschienen 1. September 2011
Aus dem Amerikanischen von Adelheid Dormagen
192 Seiten. Leinen mit Leseband
ISBN 978-3-908777-67-0
19,90,- Euro
doerlemann.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Ina Kerner - Differenzen und Macht. Zur Anatomie von Rassismus und Sexismus

Buecher Beitrag vom 01.10.2011 Britta Meyer 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken