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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 26.04.2013

Birgit Haustedt - Die wilden Jahre in Berlin. Eine Klatsch- und Kulturgeschichte der Frauen
Julia Lorenz

Salonni├Ęres, Rennfahrerinnen, K├╝nstlerinnen und Provokateurinnen aus ├ťberzeugung pr├Ągten die weibliche Topografie Berlins in den 1920er Jahren. Valeska Gert, Vicki Baum, Dora Benjamin und andere...



...Freigeister dekonstruierten g├Ąngige Frauenbilder - bis der Nationalsozialismus sie von der B├╝hne verbannte.

Siegfried Kracauers "Kleine Ladenm├Ądchen" gingen ins Kino, Irmgard Keuns "Kunstseidenes M├Ądchen" zog mit einem gestohlenen Pelz in die gro├če Stadt, um "ein Glanz" zu werden, und wer als Dame von Welt etwas auf sich hielt, lie├č sich die Haare zum Bubikopf schneiden und flanierte durch die frischgebackene Weltmetropole: W├Ąhrend Frauen in der Nachkriegszeit lieber als treusorgende Gattinnen hinterm Herd statt rauchend im Kaffeehaus gesehen wurden, standen die Roaring Twenties ganz im Zeichen der weiblichen Emanzipation - und zwar nicht nur vom anderen Geschlecht, sondern vor allem vom Moraldiktat.

Autorin Birgit Haustedt begibt sich auf Spurensuche in den Tanzlokalen und Caf├ęs, Literatursalons und Stra├čen Berlins und wirft Schlaglichter auf die mal erstaunlichen, mal tragischen Werdeg├Ąnge der Grandes Dames der Dekade. Neben Marlene Dietrich und Claire Waldoff, den Ikonen Berlins lesbischer Subkultur, werden auch vergessene Frauenbiografien beleuchtet - so beispielsweise die der Betty Stern: Obwohl die "letzte gro├če j├╝dische Salonni├Ęre" Ber├╝hmtheiten wie Erich Maria Remarque und Elisabeth Bergner bei ihren Soireen willkommen hei├čen durfte und mit einer hilfreichen Portion Vitamin B so manches Sternchen zum Star machte, findet sie heute kaum noch Erw├Ąhnung.

Anders als Else Lasker-Sch├╝ler: Die "K├Ânigin der Caf├ęs" und stilbildende Avantgardistin dachte das Prinzip weiblicher Eigenst├Ąndigkeit radikal zu Ende und lebte seit der Jahrhundertwende auf Parkb├Ąnken, in Pensionszimmern und Kaffeeh├Ąusern. F├╝r das oberfl├Ąchliche Treiben der jungen und forschen "Girls", die in den 1920ern die Etablissements Berlins frequentierten, tagelang mit perfekt frisierter Wasserwelle an Caf├ętischen ausharrten und hofften, endlich entdeckt zu werden, hatte die K├╝nstlerin nicht viel ├╝brig.

Bei aller Liebe zu Klatsch- und Skandalgeschichten zeigt Birgit Haustedt, dass sich Frauen auch im freigeistigen Berlin der 1920er Zw├Ąngen und Anforderungen unterworfen sahen, die bis heute nichts an Aktualit├Ąt eingeb├╝├čt haben: So musste Vicki Baum, Autorin des Romans "Menschen im Hotel", erst ihren Look ├Ąndern, um als Aush├Ąngeschild des Ullstein-Verlags und dem von ihm propagierten Ideals der "Neuen Frau" akzeptiert zu werden. Auch H├Ąme blieb den k├╝hnen Vorreiterinnen nicht erspart: W├Ąhrend Bertolt Brecht Frauen mit sportlichen Interessen ihre erotische Anziehungskraft absprach, verinnerlichte gar Erika Mann die Geringsch├Ątzung weiblicher journalistischer Arbeit seitens Kollegen wie Joseph Roth derart, dass sie ├╝ber schreibende Frauen konstatierte: "Fast ist es, als ├╝bersetze sie: das Leben in die Literatur, in keine ungemein hohe Literatur, aber doch in eine brauchbare, oftmals liebenswerte."

Dabei war es ausgerechnet Erika, Enfant terrible der LiteratInnenfamilie und leidenschaftliche Rallye-Fahrerin, die nach der Etablierung der NS-Diktatur mit ihrem Kabarett "Die Pfefferm├╝hle" gegen das Regime anspielte. Viele Vertreterinnen der neuen, unkonventionellen Frauengeneration emigrierten, andere - wie Leni Riefenstahl oder die T├Ąnzerin Mary Wigmann - lie├čen sich von den Nationalsozialisten f├╝r ihre Zwecke einspannen.

Doch nicht alle konnten nach der harschen Z├Ąsur durch Hitlers Macht├╝bernahme in Nazideutschland oder im Exil an ihre fr├╝heren Erfolge ankn├╝pfen. W├Ąhrend Marlene Dietrich als Schauspielerin und Erika Mann als Vortragsreisende in den USA gro├če Erfolge feierten, sanken viele Sterne des avantgardistischen Berlins - was auch die Autorin nicht verschweigt: "Als Klaus Mann, der Valeska Gert nach einem missgl├╝ckten Tanzabend 1936 in New York in ihrer Garderobe besucht, zu ihr sagt: ┬┤Fr├╝her fand ich Sie so toll, dass ich nachts von Ihnen tr├Ąumte, das kann ich heute nicht mehr verstehen┬┤, antwortet Valeska Gert: ┬┤Fr├╝her gab es Hitler nicht┬┤".

AVIVA-Tipp: Haustedts Ton trifft einen Nerv. L├Ąssig und mit Chuzpe erz├Ąhlt die promovierte Literaturwissenschaftlerin von mutigen Frauen, die M├Ąnnerdom├Ąnen eroberten - und dabei auf Verehrung und Gegenwind stie├čen. Zugegeben: KennerInnen der Dekade d├╝rften die gesammelte Klatsch- und Kulturgeschichte nicht allzu viel Neues bieten, sind schlie├člich mit Dietrich, Waldoff und Co. die "├╝blichen Verd├Ąchtigen" der "wilden Jahre in Berlin" vertreten. Dennoch liefert die 1999 erstmalig erschienene Publikation einen informativen und ├Ąu├čerst unterhaltsamen Einblick ins Berlin der Goldenen Zwanziger und macht in der Neuauflage auch optisch Lust auf Schm├Âkern.

Zur Autorin: Birgit Haustedt arbeitete u.a. f├╝r GEO und Merian. Sie ver├Âffentlichte literarische Reisef├╝hrer ├╝ber Rom, Venedig und Florenz und lehrte an der Universit├Ąt in Salerno. Sie lebt als freie Autorin in Hamburg.
Mehr Infos unter: www.birgithaustedt.de

Birgit Haustedt
Die wilden Jahre in Berlin. Eine Klatsch- und Kulturgeschichte der Frauen

Edition Ebersbach, Berlin, erschienen im M├Ąrz 2013, 1. ├╝berarbeitete und gek├╝rzte Ausgabe als 50. Jubil├Ąumsband der Reihe blue notes des erstmalig 1999 erschienenen Text/Bildbandes
144 Seiten, gebunden mit Leinen-Einband, zahlreiche Abbildungen
15,80 Euro
ISBN 9783869150673
www.edition-ebersbach.de

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Buecher Beitrag vom 26.04.2013 Julia Lorenz 





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