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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 06.10.2014

Simone Trieder und Lars Skowronski - Zelle Nr. 18. Eine Geschichte von Mut und Freundschaft
Lisa Sophie Kämmer

Ein bewegender Roman √ľber das Schicksal vier junger inhaftierter Frauen, deren Mut, Willenskraft und Solidarit√§t den Nationalsozialismus √ľberdauerten. Berlin im Oktober 1942. Drei junge Polinnen...



... werden, nachdem sie der Spionage und Zusammenarbeit mit der polnischen Exilregierung beschuldigt wurden, in das Untersuchungsgef√§ngnis Alt-Moabit √ľberf√ľhrt.

Als Mitglieder im Untergrund agierender Nachrichtenzellen, die der Heimatarmee (Armia Krajowa, AK) angegliedert waren, hatten sie Informationen √ľber die Truppenst√§rke deutscher Verb√§nde gesammelt, um diese an die Alliierten und die Exilregierung in London weiterzugeben. Im Zuge ihrer anschlie√üenden Verhaftung beginnt f√ľr die Frauen und ihre Familien eine Zeit der Ungewissheit, des Wartens und des st√§ndigen Bangens, ob sie die kahlen W√§nde der Haftanstalt jemals lebend verlassen k√∂nnen. Aus dieser Situation der Angst und Verzweiflung heraus entwickelt sich zwischen den Gefangenen eine besondere Freundschaft, die ihnen in der Folge Kraft, Trost und Hoffnung zu spenden vermag.

Das so in der Zelle Nr.18 entstandene intime Vertrauensverhältnis zwischen den Frauen - Krystyna Wituska (23), Maria Kacprzyk (21) und Lena Dobrzycka (21) - wird schließlich um die besondere Beziehung zu einer der Wärterinnen ergänzt, die den "Polenkindern" durch liebevolles Zureden und Hineinschmuggeln verbotener Waren das Leben zu erleichtern versucht. Auch die Tochter der Wärterin, die 16-jährige Helga Grimpe, nimmt hierbei eine bedeutsame Rolle ein, indem sie in regem Briefkontakt mit den inhaftierten Frauen steht, in dessen Folge sich diese ihr anvertrauen.

Diese freundschaftliche Korrespondenz, die durch die Bem√ľhungen der Mutter √ľber mehrere Monate erm√∂glicht wurde, erhielt schlie√ülich in einem sorgf√§ltig angelegten Erinnerungsalbum ihren Platz. Das so entstandene Album, das sich gegenw√§rtig im "Institut f√ľr Nationales Gedenken" in Warschau befindet, bildet dabei die Grundlage des vorliegenden Romans. Den LeserInnen von heute pr√§sentiert sich auf diese Weise ein pers√∂nliches Zeugnis einst gef√ľhlter √Ąngste, Hoffnungen und erstrebter Tr√§ume, indem es in eindr√ľcklicher Weise die Gedankenwelt der Frauen freilegt, die als solche noch gegenw√§rtig aufw√ľhlt und bewegt.

Zu den AutorInnen:

Simone Trieder
, geboren 1959, studierte Sonderp√§dagogik in Rostock und war anschlie√üend als Regieassistentin an Theatern in Zwickau, Chemnitz und Halle t√§tig. Seit 1992 arbeitet sie freiberuflich als Autorin, wobei sie zun√§chst Theatertexte f√ľr Kinder verfasste. Neben dem Schreiben von Theaterst√ľcken ver√∂ffentlichte sie Lyrik, Prosa, Kinderb√ľcher sowie Werke zur Halleschen Regionalgeschichte. Sie ist Landesvorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller in Sachsen-Anhalt, seit 2006 in der Redaktion der Reihe "Mitteldeutsche kulturhistorische Hefte" und war Mitinitiatorin der Leseaktion Leander lesen! Eine Stadt liest ein Buch anl√§sslich des 1200-j√§hrigen Stadtjubil√§ums in Halle (Saale).

Lars Skowronski, geboren 1977, ist freier Historiker, Kurator mehrerer Ausstellungen sowie Mitarbeiter in der Gedenkst√§tte "Roter Ochse" (ehemalige Justizvollzugsanstalt in Halle an der Saale). Im Zuge der Recherchen zum vorliegenden Roman war es ihm m√∂glich, Kontakte zu √úberlebenden und deren Nachkommen herzustellen sowie zahlreiche bislang nicht ausgewertete Quellen zu ermitteln. Unter letzteren befanden sich vor allem Prozessunterlagen, Tageb√ľcher, Korrespondenzen sowie zahlreiche Fotos, von denen sich einige original abgedruckt auch im Roman finden lassen.

Simone Trieder und Lars Skowronski haben anhand der Briefe, die Helga Grimpe im "Kleeblattalbum" durch die Bombenn√§chte rettete, und aufgrund von Gespr√§chen mit der √ľberlebenden Maria Kacprzyk die Schicksale der vier Frauen rekonstruiert.

AVIVA-Tipp: Simone Trieder und Lars Skowronski ist ein vielschichtiger Dokumentarroman gelungen, der die Lebensgeschichte einzelner Frauenschicksale ganzheitlich in sich vereint. Das Buch besticht vor allem durch seine fundierten Recherchen, in deren mehrj√§hrigem Verlauf es die beiden AutorInnen in verschiedene Archive f√ľhrte. Hierbei nahmen sie auch Kontakt zu √úberlebenden und Nachkommen auf, wodurch nicht nur die Zeit der Inhaftierung durch pers√∂nliche Erinnerungen neuerlich beleuchtet werden konnte, sondern auch die Nachgeschichte bis in die Gegenwart sinnvoll nachgezeichnet ist. Der au√üergew√∂hnliche Mut und die besondere Freundschaft der polnischen Frauen, die gegen die Verbrechen der nationalsozialistischen Besatzer k√§mpften, sind es letztlich, die die Leserin zum Nachdenken anregen werden.

Simone Trieder und Lars Skowronski
Zelle Nr. 18. Eine Geschichte von Mut und Freundschaft

be.bra verlag, erschienen im Juni 2014
224 Seiten, gebunden, 78 Abb., Zeittafel, ausf√ľhrliches Literaturverzeichnis
ISBN 978-3-89809-117-6
19,95 Euro
www.bebraverlag.de


Weitere Infos unter:

Institut f√ľr Nationales Gedenken
ipn.gov.pl

Geschichte der Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit
www.berlin.de

Historische F√ľhrungen in der Haftanstalt Berlin-Moabit www.stadtgeographische-exkursionen.de

Homepage der Gedenkstätte Roter Ochse Halle (Saale)
www.stgs.sachsen-anhalt.de

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Buecher Beitrag vom 06.10.2014 Lisa Sophie K√§mmer 





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