Birgit Virnich - Ein Fahrrad fĂŒr die Flussgötter. Reportagen aus Afrika - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Buecher
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA-Berlin > Buecher AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   JĂŒdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 11.06.2010

Birgit Virnich - Ein Fahrrad fĂŒr die Flussgötter. Reportagen aus Afrika
Claire Horst

Immer noch ist Afrika in den meisten deutschen Medien der unbekannte Kontinent, bestimmt von Hunger und Elend und ein bisschen Folklore. Die Fernsehreportagen der Journalistin Birgit Virnich gehen..



... ĂŒber diese Stereotype hinaus.

Die in SĂŒdafrika geborene Autorin hat fast 40 LĂ€nder auf dem afrikanischen Kontinent bereist. Von ihren Erfahrungen, die sie bei der Recherche zu Fernsehfilmen gemacht hat, berichtet sie nun in Buchform. Auch Virnich kommt nicht umhin, von Katastrophen zu erzĂ€hlen. Doch ist ihr Fokus ein anderer als der ĂŒbliche. Im Mittelpunkt ihrer Darstellung stehen Menschen, die kĂ€mpfen, die sich von den UmstĂ€nden nicht den Lebensmut nehmen lassen.

In Kibera, dem grĂ¶ĂŸten Slum der kenianischen Hauptstadt Nairobi, trifft sie sich mit Vertreterinnen der "Kibera Women for Peace", einer Frauengruppe, die sich gegen Gewalt einsetzt - gegen staatliche ebenso wie gegen hĂ€usliche. Mutig ist das ist einem krisenerschĂŒtterten Land, in dem die meisten Frauen Gewalt in der Familie erleben. Und die Treffen der Gruppe verlaufen Ă€ußerst unkonventionell: GroßmĂŒtter und junge Frauen spielen gemeinsam Fußball, um dann in den Spielpausen Geld fĂŒr Mikrokredite zu sammeln. Nach dem Vorbild indischer Projekte ermöglichen sie sich so gegenseitig, ihre Ziele zu erreichen. Ihr Mut und ihre Power sind beeindruckend - in ihrem Slum haben sie schon einiges erreicht. "James (...) gehörte frĂŒher einer Straßengang an. Er schlug sich mit kleinen DiebstĂ€hlen durch, schlitzte alten Damen in Matatus, den Sammeltaxis, die Taschen auf, klaute Handys oder auch mal einen Fernseher." Heute beteiligt er sich an einem landwirtschaftlichen Projekt auf einer ehemaligen MĂŒlldeponie: "Mit Hilfe der Frauen und Susan Kahambu, einer gelernten BiobĂ€uerin, haben die Jungen ein vernĂŒnftiges BewĂ€sserungssystem aufgebaut und verdienen damit mehr als mit ihren DiebstĂ€hlen." "We can", ist deshalb auch der Schlachtruf der "Fußballomas".

Wie in dieser Geschichte, die auch von Armut und UnterdrĂŒckung handeln könnte, gelingt es der Autorin meist, die positiven Aspekte in den Vordergrund zu rĂŒcken. Sie interessiert sich wirklich fĂŒr die Menschen, mit denen sie spricht, sie sind nicht nur InformantInnen. Ohne in Betroffenheit zu verfallen, berichtet sie auch von humanitĂ€ren Katastrophen, etwa von den unsĂ€glichen Lebensbedingungen, unter denen westafrikanische FlĂŒchtlinge in den Internierungslagern der NachbarlĂ€nder leiden. Virnichs Texte sind Reportagen im besten Sinne: Sie erzĂ€hlen anschaulich und informieren ganz nebenbei ĂŒber die HintergrĂŒnde.

Eine Nigerianerin, die sich gegen ein Scharia-Urteil gewehrt hat und der Steinigung entkam, zeigt Virnich als starke und selbstbewusste Persönlichkeit. Ehemalige KindersoldatInnen prĂ€sentieren ihr das "Olympische Dorf von Turalei", in dem die traumatisierten MĂ€dchen und Jungen Sport treiben können. Rapper und Pilger, ÖkoaktivistInnen, GroßmĂŒtter und Ex-Soldatinnen stehen fĂŒr einen Kontinent, der kaum vielfĂ€ltiger sein könnte.

AVIVA-Tipp: Virnichs Reportagen machen Hoffnung auf VerÀnderung. Vielleicht können die Wunden des Kolonialismus, der Kriege und der Ausbeutung des Kontinents doch verheilen. Die Journalistin hat immer die globalen ZusammenhÀnge im Blick und ermöglicht es ihren LeserInnen somit, vom hÀufig herablassenden Blick auf Afrika abzukommen. Der Blick auf Einzelpersonen bereitet der verallgemeinernden Rede vom "schwarzen Kontinent" ein Ende. Virnichs Afrika ist vielfÀltig, mutig und stark.

Zur Autorin: Birgit Virnich, geboren 1959 in Essen, ging in SĂŒdafrika zur Schule und studierte Journalismus, Film und Internationale Politik in Kanada, USA und Großbritannien. 1992 baute sie als Redakteurin das ARD-Morgenmagazin mit auf und war anschließend zwei Jahre Autorin und Redakteurin bei "Monitor". Von 1996 bis 1999 machte sie Filme fĂŒr die Redaktion "Menschen hautnah" und erhielt fĂŒr den Dokumentarfilm "Ein Mann sieht braun" den "CIVIS - Europas Medienpreis fĂŒr Integration und kulturelle Vielfalt". Von 2002 bis 2008 war sie die ARD-Fernsehkorrespondentin fĂŒr Afrika in Nairobi/Kenia. Ihre gemeinsam mit BartholomĂ€us Grill verfasste Reportage "Der Krieg der Kinder" wurde 2004 fĂŒr den Egon-Erwin-Kisch-Preis nominiert, ihr Film "Kongofieber - Mythos eines Stroms" gehörte 2005 zu den Nominierten des Grimme-Preises. 2008 erhielt Birgit Virnich als erste Fernsehjournalistin den "Lorenzo Natali Preis" der EU fĂŒr mutigen Journalismus. Sie lebt mit ihrer Familie in Köln. (Verlagsinformationen)


Birgit Virnich
Ein Fahrrad fĂŒr die Flussgötter

Reportagen aus Afrika
Mit einem Vorwort von Anne Will
A1 Verlag, erschienen April 2010
224 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, gebunden
ISBN 978-3-940666-14-7
19,80 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Dr. Rita SchÀfer - Frauen und Kriege in Afrika. Ein Beitrag zur Gender-Forschung

Mariatu Kamara und Susan McClelland - Das MĂ€dchen ohne HĂ€nde

Buecher Beitrag vom 11.06.2010 Claire Horst 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken