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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 30.12.2010

Jonathan Safran Foer - Tiere essen
Britta Leudolph

Fleisch ist in den letzten 50 Jahren immer billiger geworden, parallel dazu ist der Fleischkonsum gestiegen. Doch was sind die wahren Kosten f├╝r diesen Exzess? Und wer zahlt? Dieses Buch gibt ...



... schonungslose Antworten.

In den Superm├Ąrkten sind die Regale und K├╝hltruhen prall gef├╝llt sowohl mit Rinder-, Schweine- und H├╝hnerfleisch als auch Fischprodukten in vielen Variationen und dazu ausgesprochen billig. Die meisten KonsumentInnen sind sich kaum bewusst dar├╝ber, woher das Fleisch kommt und warum der Preis so niedrig ist. Die Zauberformel hei├čt Massentierhaltung. Dabei ist die Fleischindustrie ├Ąu├čerst bem├╝ht, den Eindruck zu erwecken, die Tiere w├╝rden nat├╝rlich gehalten: auf den Packungen werden allzu gern gr├╝ne Weiden oder b├Ąuerliche M├╝hlen gezeigt.

Jonathan Safran Foer befasst sich in "Tiere essen" mit der traurigen Realit├Ąt. Er bezieht sich dabei auf Daten aus den USA, doch die Zahlen f├╝r Europa sind ├Ąhnlich: "Etwa 98 Prozent aller H├╝hner und Schweine, die f├╝r den Verzehr bestimmt sind, stammen in Deutschland aus Massentierhaltung ÔÇô das sind ├╝ber 500 Millionen Tiere im Jahr. W├╝rde man auch die Rinder und Fische hinzurechnen ÔÇô die aus verschiedenen Gr├╝nden schwieriger zu quantifizieren sind ÔÇô w├Ąre die Zahl noch bedeutend h├Âher."

Doch was bedeutet Massentierhaltung und warum ist die Fleischindustrie so bem├╝ht, die Realit├Ąt verschleiern? Die Fleischindustrie macht sich zunutze, dass in diesen Tagen nur noch wenige einen direkten Bezug zu Nutztieren haben. Mastfarmen werden von der ├ľffentlichkeit abgeschottet, die Tiere darin werden in den meisten F├Ąllen die Sonne erst zu Gesicht bekommen, wenn sie zusammengepfercht zum Schlachthof gebracht werden. Falls sie bis dahin ├╝berlebt haben! "Massentierhaltung ist weniger von einem Ma├čnahmenkatalog als von einer Geisteshaltung bestimmt: Die Produktionskosten werden auf ein Minimum gedr├╝ckt, und Kosten wie Umweltzerst├Ârung, Krankheiten bei Menschen und das Leiden der T├╝re werden systematisch ignoriert und nach au├čen verlagert. [ÔÇŽ] In der Massentierhaltung gilt die Natur als etwas zu ├ťberwindendes."

Das hat nicht nur fatale Folgen f├╝r die Tiere selbst, die immer ein erb├Ąrmliches Leben f├╝hren, sondern auch f├╝r die Gesundheit derer, die diese Tiere essen. Dies l├Ąsst sich etwa am Beispiel von Masth├╝hnern darstellen: "Es liegt auf der Hand, dass es nicht besonders gesund sein kann, deformierte, mit Medikamenten abgef├╝llte, gestresste V├Âgel in einem schmutzigen Raum voller Kot zusammenzupferchen. Abgesehen von Deformit├Ąten sind Augensch├Ąden, Blindheit, bakterielle Knocheninfektionen, Wirbelverschiebungen, L├Ąhmungen, innere Blutungen, An├Ąmie, Sehnensch├Ąden, verkr├╝mmte Unterschenkel und H├Ąlse, Erkrankungen der Atemwege und schwache Immunsysteme h├Ąufige und seit Langem bekannte Probleme in der Massentierhaltung. Wissenschaftliche Studien und amerikanische Regierungsberichte lassen darauf schlie├čen, dass praktisch alle H├╝hner [ÔÇŽ] mit E.coli infiziert werden (ein Indikator f├╝r f├Ąkale Verunreinigungen) und zwischen 39 und 75 Prozent der H├╝hner im Supermarkt es immer noch sind." Damit die VerbraucherInnen das alles nicht am Geschmack erkennen, werden dem Huhn "Bouillon" oder Salzl├Âsung injiziert. ├ťbrigens: Artgerechte Haltung f├╝r ein Masthuhn bedeutet, dass ihm eine Fl├Ąche von ungef├Ąhr einen Din A4 Blatt zur Verf├╝gung steht. Willkommen in der sch├Ânen neuen Konsumwelt!

Jonathan Safran Foer war nicht immer Veganer. Erst seit der Geburt seines Sohnes beschloss er, sich mit dem Thema Fleischkonsum dezidiert auseinander zu setzen. Er brach in eine H├╝hnerfarm ein, besuchte einen Schlachthof und auch Farmen, auf den Tiere wirklich artgerecht gehalten werden. Seine Recherchen lie├čen f├╝r ihn nur einen Schluss zu: Sein Kind wird ohne tierische Nahrung aufwachsen.

Zum Autor: Jonathan Safran Foer wurde 1977 in Washington D.C. geboren und ist Nachkomme j├╝discher EinwandererInnen. Er studierte Philosophie in Princeton und lebt und schreibt in Brooklyn, New York. Er wurde international bekannt mit seinen beiden Romanen "Alles ist erleuchtet" und "Extrem laut und unglaublich nah", die mehrfach ausgezeichnet und in 36 Sprachen ├╝bersetzt wurden.

Weitere Infos finden Sie unter: www.eatinganimals.com

AVIVA-Tipp: "Tiere Essen" ist ein wahrlich beeindruckendes Buch. Es zeigt allzu deutlich, welchen Preis Nutztiere, aber auch die Menschen f├╝r den hohen Konsum an Fleischprodukten zahlen. Jonathan Safran Foer untersucht alle Aspekte der Massentierhaltung: abartige Tierqu├Ąlerei, ├ťberz├╝chtung, Medikamentenmissbrauch, als auch Umweltverschmutzung. Der wahre Preis wird nicht von der Fleischindustrie gezahlt, sondern von allen Mitgliedern der Gesellschaft. Die Lekt├╝re dieses Buches ist oft schwierig und kaum zu ertragen und doch hat es die Kraft, das Bewusstsein zu sch├Ąrfen und das eigene Essverhalten zu hinterfragen, im besten Fall sogar gr├╝ndlich zu ├Ąndern.

Jonathan Safran Foer
Tiere essen

Originaltitel: Eating Animals
Aus dem Amerikanischen von Isabel Bogdan, Ingo Herzke und Brigitte Jakobeit
Kiepenheuer und Witsch, erschienen August 2010
Gebunden, 399 Seiten
ISBN 978-3-462-04044-9
19,95 Euro

Buecher Beitrag vom 30.12.2010 Britta Leudolph 





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