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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.03.2005

J├╝dische Zwangsarbeiter bei Ehrich & Graetz
Sarah Ross

Aubrey Pomerance erinnert in seinem Buch an die Berliner Juden und J├╝dinnen, die am 27. Februar 1943 bei der sogenannten "Fabrikation" in Berlin verhaftet und in Sammellagern interniert wurden.



Im Werk der Metall- und Elektrofirma Ehrich & Graetz im Berliner Bezirk Treptow waren zwischen Herbst 1940 und Februar 1943 mehr als 500 Berliner J├╝dinnen und Juden zur Zwangsarbeit verpflichtet. Die letzten verbleibenden j├╝dischen ZwangsarbeiterInnen wurden bei der sogenannten "Fabrik-Aktion" am 27. Februar 1943 festgenommen, interniert und gr├Â├čtenteils deportiert. Der Herausgeber Aubrey Pomerance legt in seinem Band die Entstehung und Bedingungen der Zwangsarbeit sowie den Alltag der ZwangsarbeiterInnen dar, und beschreibt die Geschichte der Firma in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt des Buches stehen allerdings die Biographien der Menschen selbst, die Zwangsarbeit bei Ehrich & Graetz leisten mu├čten.

Das Buch basiert auf der Darstellung und Auswertung eines einzigartigen Fundes: Marta Wartmann, ehemalige Mitarbeiterin bei Ehrich & Graetz, kehrte kurz vor Ende des Krieges, als die Produktion in der Firma bereits eingestellt war, ins Werk zur├╝ck. Dort traf sie eine Kollegin an, die mehr als 500 Passbilder der ehemaligen j├╝dischen ZwangsarbeiterInnen gefunden hatte - sorgsam abgetrennt von den Werksausweisen.
Die beiden Kolleginnen teilten den Fund auf und retteten ihn ├╝ber die Kriegsjahre hinweg. Erst in den 1960er Jahren erhielt Marta Wartmann den zweiten Teil der Fotografien von ihrer Kollegin zur├╝ck - aufbewahrt in vergilbten Lohnt├╝ten aus Pergamentpapier in einer "Chocolate Peanut Chews"-Schachtel. Der gesamte Fund wurde an die Familie Herz ├╝bergeben, in deren Besitz er bis zur ├ťbergabe an die J├╝dische Abteilung des Berlin Museums blieb. Heute sind die Bilder in der Dauerausstellung des J├╝dischen Museums Berlin zu sehen.

Auf der R├╝ckseite der Fotos wurden die Namen der ZwangsarbeiterInnen, und oft auch die Personalnummer, handschriftlich vermerkt. Der Fund stellt einen seltenen Beleg f├╝r die Existenz von Werksausweisen j├╝discher ZwangsarbeiterInnen dar, die kaum aktenkundig sind. In den meisten F├Ąllen wurden die Ausweise nach der Besch├Ąftigung, bzw. vor der Deportation, vernichtet. Die Quelle und der Nutzen der Fotos, T├╝ten und Werksausweise k├Ânnen klar zugeordnet werden, jedoch sind die Umst├Ąnde ihrer Entdeckung und Aufbewahrung nur l├╝ckenhaft zu rekonstruieren.

Von den 537 namentlich bekannte ZwangsarbeiterInnen lie├č sich von 434 Personen etwas ├╝ber ihr Schicksal in Erfahrung bringen. Nur 65 von ihnen haben den Zweiten Weltkrieg ├╝berlebt, wovon 39 zun├Ąchst in Berlin wohnen blieben.
23 der j├╝dischen ArbeiterInnen wanderten aus. Bei der Ver├Âffentlichung des Bandes 2003 waren nur noch 5 Menschen am Leben.
F├╝r sein Buch hatte Aubrey Pomerance 10 Biographien von Opfern ausgew├Ąhlt, bei denen es m├Âglich war, Leben und Schicksal ausf├╝hrlicher zu schildern. F├╝nfzehn Jahre nach der ├ťbergabe des Materials ist es ihm gelungen, den Bestand umfassend zu dokumentieren und als Buch vorzulegen. Mit seiner Arbeit leistet der Herausgeber nicht nur einen Beitrag zur Zwangsarbeiterforschung, sondern er verfa├čte gleichzeitig auch ein Gedenkbuch, in dem die Namen und Bilder der Opfer ver├Âffentlicht wurden.

AVIVA-Tipp: Zum 60. Jahrestag der "Fabrikaktion" erschien 2003 Aubrey Pomerance Buch "J├╝dische Zwangsarbeiter bei Ehrich & Graetz, Berlin Treptow". Es beschreibt die Arbeits- und Alltagsbedingungen der j├╝dischen ZwangsarbeiterInnen und dokumentiert die Politik des Einsatzes von Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Neben einer vollst├Ąndigen Dokumentation der gesammelten Fotografien und Namen, erz├Ąhlt es das Leben und Schicksal von zehn Frauen und M├Ąnnern.

Zum Herausgeber: Aubrey Pomerance ist Judaist und Archivleiter des J├╝dischen Museum Berlin und der dortigen Dependance des Archivs des Leo Baeck Instituts New York.


Aubrey Pomerance (Hrsg.):
J├╝dische Zwangsarbeiter bei Ehrich & Graetz, Berlin Treptow

Zeugnisse aus dem J├╝dischen Museum Berlin
Dumont Literatur u. Kunst, September 2003
ISBN 3-8321-7839-2
16,90 Euro
200574546275"


Buecher Beitrag vom 08.03.2005 Sarah Ross 





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