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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 05.06.2006

Ten Green Bottles - Vienna to Shanghai - Vivian Jeanette Kaplan
Sarah Ross

"Von Wien nach Shanghai". Vivian Kaplans Erz├Ąhlung ├╝ber die Flucht einer j├╝dischen Familie ist nun bei dtv auch in deutscher ├ťbersetzung erschienen.



Vivian Jeanette Kaplans Buch "Von Wien nach Shanghai. Die Flucht einer j├╝dischen Familie" ist bereits im Jahr 2002 unter dem Originaltitel "Ten Green Bottles. Vienna to Shanghai" erschienen und wurde mit dem Canadian Jewish Book Award ausgezeichnet. Die Autorin erz├Ąhlt die Geschichte ihrer Familie aus der Perspektive ihrer Mutter Gerda Kosiner, geborene (Nini) Karpel. Sie ist diejenige, die gemeinsam mit ihre Familie der Verfolgung der Nationalsozialisten in Wien knapp entkommen ist, die Gefahren der Flucht ├╝berlebt und die Strapazen im chinesischen Exil erlebt hat. Vivian Kaplan legt mit diesem Werk einen sehr pers├Ânlichen Bericht vor, der mit Anekdoten gespickt ist, die ihr im Laufe ihres Lebens zu Ohren gekommen sind.

Die kanadisch-j├╝dische Autorin erz├Ąhlt in ihrem Buch vordergr├╝ndig die Geschichte ihrer Mutter in der Zeit von 1938 bis 1949: Die Erz├Ąhlung handelt von deren gl├╝cklichen und ruhigen Kindheit und Jugend in der assimilierten und wohlhabenden Familie in Wien, vom fr├╝hen Tod des Vaters und nicht zuletzt von der Flucht 1939 vor den Nazis - mit den inzwischen erwachsen gewordenen vier Geschwistern und der Mutter - nach Shanghai. Zu dieser Zeit war Shanghai einer der wenigen Orte auf der Welt, der rund 20.000 j├╝dische Fl├╝chtlinge auch ohne Visum aufnahm. Kaplan, die in ihrem Buch einen Bogen vom gl├Ąnzenden Wien der 1920er und 30er Jahre bis hin ins China der 1940er zieht, damals ein eher mysteri├Âser Fleck irgendwo auf der Landkarte, rekapituliert in den faszinierenden Erinnerungen ihrer eigenen Mutter die Geschichte von der Flucht ihrer j├╝dischen Familie und erz├Ąhlt, wie diese sich in der fremden Welt hat zurechtfinden mussten: "Ich stehe auf verfaulenden Planken und frage mich, ob wir der Gefahr in Europa entkommen sind, um nun in einer H├Âlle zugrunde zu gehen, wie wir sie uns in unseren schlimmsten Tr├Ąumen nicht h├Ątten ausmalen k├Ânnen".

Noch Mitte der 1930er wiegen Nini, ihre Familie und Freunde sich in tr├╝gerischer Sicherheit - sie genie├čen die Caf├ęhauskultur, das Skifahren in den nahe gelegenen Bergen und politische Diskussionen in den Wiener Salons. Obwohl Nini von der Verfolgung der Juden in Deutschland geh├Ârt hat, ist sie sich immer noch sicher, dass dies nicht in ihrer geliebten Heimatstadt passieren wird. Im Jahr 1936 lernt sie dann auch ihren zuk├╝nftigen Ehemann Poldi Kosiner kennen, einen polnischen Fl├╝chtling, den sie schlie├člich 1940 in China heiraten wird. Bereits drei Jahre sp├Ąter, nach der Besetzung ├ľsterreichs durch die Nationalsozialisten, begeben sich Nini und ihre Familie auf die lange Reise in den Fernen Osten, um ihr Leben zu retten.

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch eindrucksvoll die Reise der Familie ins Ungewisse und die ersten Eindr├╝cke von Shanghai und dem Ghetto Hongkew, die von Armut, einer unertr├Ąglichen Hitze, fremden Gesichtern und Menschen, die als Lasttiere arbeiten, gepr├Ągt waren. In ihrer neuen "Heimat" begegneten sie abgetrennten K├Âpfen von Chinesen, die von ihren japanischen Feinden gefangen genommen worden waren, und k├Ąmpften mit Hunger, Krankheiten und Angst.
Dennoch gelingt es der Familie m├╝hsam, in der exotischen Metropole Fu├č zu fassen. Mit Devisenschmuggel, Pelzhandel, einem Barbetrieb und weiteren Gesch├Ąften sichern sie ihren Lebensunterhalt. Doch nach der japanischen Besetzung werden die Juden erneut unter schrecklichen Bedingungen ghettoisiert und m├╝ssen permanent um ihr Leben f├╝rchten. Das Leiden beginnt erneut. Dennoch gelingt es der Familie und den anderen Fl├╝chtlingen wieder einmal, inmitten des Elends so etwas wie ein gesellschaftliches Leben entstehen zu lassen.

Obwohl das Ghetto-Viertel nach dem Krieg zu einem kulturellen Anziehungspunkt f├╝r die europ├Ąische Bev├Âlkerung Shanghais wurde, kamen mit dem Kriegsende nicht nur die schlimmen Nachrichten aus der alten Heimat ├╝ber den Verbleib anderer Familienmitglieder und FreundInnen. Der Vormarsch der chinesischen Kommunisten zwingt die Familie 1949 mit der damals zweij├Ąhrigen Autorin schlie├člich ein zweites Mal zur Auswanderung, diesmal nach Kanada.

Zur Autorin:
Vivian Jeanette Kaplan
, geboren 1946 in Shanghai, studierte Englische, Franz├Âsische und Spanische Philologie an der Universit├Ąt von Toronto. Sie betreibt dort seit zwanzig Jahren eine Import/Export-Firma f├╝r orientalische Inneneinrichtung. Ihr Buch wurde mit dem Canadian Jewish Book Award ausgezeichnet.

AVIVA-Tipp: Vivian J. Kaplans Buch ist eine bewegende und ungew├Âhnlich intime Familiensaga, die auf den Erz├Ąhlungen von Kaplans Mutter und anderen Familienmitgliedern basiert. Herausgekommen ist eine bemerkenswert lebendige und detaillierte Erz├Ąhlung ├╝ber die Flucht einer wienerisch-j├╝dischen Familie nach Shanghai und deren Kampf ums ├ťberleben in der Fremde.

Weitere Infos zum Buch finden Sie auch hier:
www.jewishlibraries.org


Vivian Jeanette Kaplan
Von Wien nach Shanghai
Die Flucht einer j├╝dischen Familie
Deutsche Erstausgabe
├ťbersetzt von Sibylle Hunzinger und Kurt Neff
Originaltitel: Ten Green Bottles. Vienna to Shanghai - Journey of Fear and Hope.
dtv premium im Gro├čformat, erschienen Mai 2006
ISBN 3-423-24550-6
397 Seiten, mit Abbildungen
Euro 15,00 90008115&artiId=5179728"

Buecher Beitrag vom 05.06.2006 Sarah Ross 





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