Deutsche j├╝dische Architekten vor und nach 1933 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Buecher
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA-Berlin > Buecher AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 27.01.2007

Deutsche j├╝dische Architekten vor und nach 1933
Yvonne de Andr├ęs

J├╝dische Architekten pr├Ągten das Stadtbild Berlins entscheidend. Die Dokumente von 500 Architekten wurden von Myra Warhaftig publiziert.



Vor 1933 lebten und arbeiteten 450 j├╝dische Architekten in Deutschland. Diese entstammten alteingesessenen Familien, davon wurden ├╝ber 135 in Berlin geboren. Bevorzugt studierten sie bei den damaligen Stararchitekten Hans Poelzig, Theodor Fischer und Paul Bonatz. Myra Warhaftig schreibt: "Vor 1933 f├╝hrten 165 Architekten ihre eigenen B├╝ros, teilweise in Partnerschaften, darunter ├╝ber 100 in Berlin." Nicht alle Namen sind dem J├╝dischen Adressbuch f├╝r Gross-Berlin von 1933 zu entnehmen, denn das Nachschlagewerk enth├Ąlt im Hauptteil 71.000 Personen mit Namen, Anschriften und Berufsbezeichnungen, die aber nicht die Gesamtheit der 200.000 Mitglieder der j├╝dischen Bev├Âlkerung darstellen, da nur die Haushaltsvorst├Ąnde aufgenommen wurden. Der Antisemitismus hatte zur Konsequenz, dass nicht alle ihre Glaubenszugeh├Ârigkeit angaben, um so ihre Existenz nicht zu gef├Ąhrden. So hielt es zum Beispiel auch Oskar Kaufmann, Architekt u. a. von folgenden wichtigen Geb├Ąuden: Hebbel-Theater (1908), Volksb├╝hne (1914), Renaissance-Theater (1927), Villa Konschewski (1922-23) oder der Villa Epstein (1922-25) und Erfinder der "Flurlosen Wohnung".

Weiter ma├čgebliche Architekten sind Alexander Klein (Siedlung Fischtalgrund) oder Erich Mendelsohn, der das Mossehaus 1921-23, 1925-31 den Woga-Komplex mit dem Universum Kino (heute die "Schaub├╝hne"), sein eigenes Wohnhaus am Rupenhorn (1928-30) und das Hauptgeb├Ąude der Deutschen Metallarbeiter Gewerkschaft (1928-30) entwarf.

Mit der Verabschiedung und dem in Krafttreten des Reichskulturkammergesetzes 1933 wurden die j├╝dischen Architekten aus der Kammer ausgeschlossen. Manche konnten Deutschland verlassen. Raul Hilberg: "Jeder k├╝nftige Emigrant musste ├╝ber ein Dutzend amtliche Papiere beantragen, die ihm Gesundheit, gute F├╝hrung, Verm├Âgensh├Âhe, Steuerentrichtung usw. bescheinigten. Schon bald stie├čen die ├╝berlasteten Beh├Ârden an ihre Grenzen, und "Stagnation "setzte ein". Diejenigen, die diese Unterlagen nicht einreichen konnten oder deren Unterlagen nicht anerkannt wurden, kamen in Konzentrationslagern um.

Die Spuren der deutschen j├╝dischen Architekten f├╝hren in 16 L├Ąnder, mehrheitlich nach Israel, England und in die USA.

Zwanzig Jahre lang hat Myra Warhaftig in zahlreichen Archiven in Deutschland, Israel, den USA und England geforscht. Es ist ihr gelungen, Angeh├Ârige ausfindig zu machen, die ihr historische Dokumente, Briefe und Fotos, zur erstmaligen Ver├Âffentlichung zu Verf├╝gung gestellt haben. Myra Warhaftig "Die Auseinandersetzung mit den Biographien ist zugleich die Auseinandersetzung mit den politischen Ereignissen jener Jahre. Die sch├Âpferische Kraft eines jeden Bauk├╝nstlers wurde von den politischen Ereignissen bestimmt." und weiter "Jedoch steht das Schicksal der deutschen j├╝dischen Architekten exemplarisch f├╝r alle j├╝dischen und die mit Juden verheirateten K├╝nstler." Die Idee zu diesem Buch kam ihr durch die Lekt├╝re der Biographien von Architekten wie Oskar Kaufmann, Alexander Klein, Erich Mendelssohn und Adolf Rading, die in den 20er Jahren in Berlin und in den 30er Jahren in Haifa bauten. Diesen Lebenswegen und den Hintergr├╝nden geht Frau Warhaftig in den einzelnen Biogrammen nach.

In der Fachliteratur nach 1945 kamen j├╝dische Architekten kaum oder gar nicht vor. Einzig Erich Mendelssohn war als j├╝discher Architekt bekannt. Das Buch von Frau Warhaftig ist deshalb ein wahrer Augen├Âffner. Viele der in diesem Band beschriebenen Geb├Ąude stehen heute noch in Berlin. Wer bislang achtlos an ihnen vor├╝berging, hat mit diesem Buch - das freilich nicht in eine Jackentasche passt - einen hervorragenden Begleiter. Ein Buch, das mit Jahrzehnten der Verdr├Ąngung und Missachtung aufr├Ąumt.

Zur Autorin: Myra Warhaftig, Dr.-Ing.; Architektin, Bauforscherin; Werkausstellungen; 1984 erscheint der Artikel Berlin 750 - Tel Aviv 75; Realisierung neuer emanzipatorischer Wohnformen im Rahmen der IBA Berlin 1987; zahlreiche Ver├Âffentlichungen, u. a. 1996: Sie legten den Grundstein. Leben und Wirken deutschsprachiger j├╝discher Architekten in Pal├Ąstina 1918-1948. deu.archinform.net/arch/16325.htm

AVIVA-Tipp: Das Buch ist in mehrfacher Weise eine Fundgrube. Myra Warhaftig hat nicht nur die Spuren und Lebenswege der einzelnen Architekten nachgezeichnet, sondern auch eine hervorragende Chronik ihrer Zeit geschaffen. F├╝r Berlin-Architektur-Interessierte ein Muss.


Myra Warhaftig
Deutsche j├╝dische Architekten vor und nach 1933 - Das Lexikon

Dietrich Reimer Verlag, erschienen November 2005
ISBN: 3496013265
EAN: 9783496013266
Gebunden, 504 Seiten. 500 Biographien. 750 Abbildungen
49,00 Euro

Buecher Beitrag vom 27.01.2007 Yvonne de Andr├ęs 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken